Gesundheit: Die Lehren aus den Millenniumsentwicklungszielen

Zwei Frauen sitzen in einem Zimmer. Vor und hinter den Frauen sind Moskitonetze aufgespannt.
Wirksame Abwehr in Tansania: Ein Moskitonetz über der Schlafstelle ist der beste Schutz gegen die nachtaktiven Malaria-Mücken. © Foto by Alexander Jaquement, Solidar Med

Anja Maurer
Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Sektion Verkehr, Energie und Gesundheit der Abteilung Sektorielle Aussenpolitik des EDA.

28. April 2014 – Im Rahmen des Jahresanlasses der Schweizer Akteure der Gesundheitsaussenpolitik vom 7. April 2014 diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft, der Privatwirtschaft und der Bundesverwaltung über die Lehren aus den Millenniumsentwicklungszielen (MDGs) und die Herausforderungen für die Post-2015 Agenda. Klar ist für alle: Gesundheit bleibt auch nach 2015 wichtig.

Im Gesundheitsbereich konnten seit der Festlegung der Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) in vielen Bereichen Fortschritte erzielt werden, beispielsweise bei der Reduktion der Kindersterblichkeit und der Bekämpfung von HIV/Aids. Diese Erfolge motivieren im Hinblick auf die Formulierung neuer Ziele für die Post-2015 Agenda.

Der Jahresanlass der Schweizer Akteure der Gesundheitsaussenpolitik wurde jedoch auch genutzt, um kritische Fragen zu diskutieren, wie jene, ob die Fortschritte im Gesundheitsbereich auch ohne MDGs erzielt worden wären. Auch wenn die Frage der Kausalität anlässlich dieser Diskussion nicht geklärt werden konnte, waren sich die Teilnehmenden einig, dass Gesundheit in der Post-2015 Agenda einen wichtigen Platz einnehmen muss.

Die Schwächen der Gesundheits-MDGs

Die Diskussionen im Rahmen des Jahresanlasses zeigten, dass die Fokussierung der Gesundheitsziele auf einzelne Krankheiten wie HIV/Aids und Malaria sowohl als Vorteil als auch als Nachteil gewertet werden kann: Während bei den in den MDGs angegangenen Krankheiten teilweise beachtliche Erfolge erzielt und neue Finanzressourcen generiert werden konnten, stagnierte die Situation bei anderen, nicht im Zielrahmen berücksichtigen Krankheiten.

Als Schwäche wurde zudem hervorgehoben, dass die Gesundheitssysteme als Ganzes nicht gestärkt wurden. Der Fokus auf nationale Durchschnitte hat zudem dazu geführt, dass soziale Ungleichheiten in den MDGs - und insbesondere auch in den Gesundheitszielen - vernachlässigt wurden. Hinzu kommt, dass der einseitige Fokus auf Länder im Süden einen strukturellen Schwachpunkt der MDGs darstellt. Auch die Konzentration auf einzelne Sektoren sowie die mangelhafte Integration der Dimensionen der Nachhaltigkeit kann rückblickend als Nachteil betrachtet werden.

Schweiz fordert eigenständiges Gesundheitsziel

Der Vorschlag der Schweiz für ein eigenständiges Gesundheitsziel baut auf den lessons learned der MDGs auf. Sie setzt sich für ein Ziel zur Maximierung der Gesundheit für alle in allen Lebensabschnitten ein. Dies bedeutet, dass die Bemühungen um die Verwirklichung der MDGs im Gesundheitsbereich verstärkt werden und weitere Anstrengungen, wie z.B. in den Bereichen der nicht übertragbaren Krankheiten, der vernachlässigten Tropenkrankheiten oder der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte, gemacht werden müssen. Auch die allgemeine Gesundheitsversorgung (Universal Health Coverage) muss einen prominenten Platz in der Nachhaltigkeitsagenda finden.

Schweizer Vision zur Gesundheit in der Post-2015 Agenda

Aus einem Fabrikkamin steigt eine weisse Rauchwolke in den Himmel.
Multisektorieller Ansatz: Zur Maximierung der Gesundheit sind auch Massnahmen zur Verbesserung der Luftqualität notwendig.

Multisektorieller Ansatz nötig

Der Schweiz ist es ein Anliegen, dass die Gesundheitsdimension nicht alleine auf Gesundheitssysteme und Gesundheitsfinanzierung reduziert wird. Zur Maximierung der Gesundheit ist deshalb ein multisektorieller Ansatz nötig, welcher auch die ökologischen, sozialen, ökonomischen, politischen und kulturellen Determinanten der Gesundheit berücksichtigt. Dieser Ansatz wurde sowohl von den Diskussionsteilnehmenden aus der Zivilgesellschaft wie auch aus der Privatwirtschaft begrüsst. Diese Akteure wollen ihre globale Verantwortung auch weiterhin wahrnehmen.

Das ambitionierte Ziel einer umfassenden Integration der Gesundheit in den neuen Zielrahmen stellt eine der grössten Herausforderungen in der Erarbeitung des neuen Zielrahmens nach 2015 dar. Wie ist es möglich, diesem umfassenden Anspruch gerecht zu werden, und sich gleichzeitig auf eine umsetzbare und realistische Anzahl an Zielen zu beschränken? Oder anders gesagt: „Do not overload the Christmas tree“.