Noch rund 300 Tage, um die MDGs zu erreichen – ein Blick zurück, ein Blick nach vorn

Annalena Flury, Programmbeauftragte Gesundheit Ost- und südliches Afrika, Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit

Sabine Unternährer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Sektion Verkehr, Energie und Gesundheit, Politische Direktion EDA

23. Februar 2015 – Dank den MDGs konnten im Gesundheitsbereich beachtliche Fortschritte erzielt werden. Zum Beispiel wurde die Kindersterblichkeit zwischen 1990 und 2012 beinahe halbiert. Bis zur Erreichung des Ziels, die Kindersterblichkeit um zwei Drittel zu reduzieren, bleibt jedoch noch viel zu tun. Darin war sich der Exekutivrat der Weltgesundheitsorganisation (WHO) einig, welcher Ende Januar tagte.

Zeit, Bilanz zu ziehen

Dass die Gesundheit nicht nur ein Indikator, sondern auch eine Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung ist, wird bereits aus der Gewichtung der MDGs ersichtlich: drei von insgesamt acht Ziele streben bis Ende 2015 eine Verbesserung im Gesundheitsbereich an. Doch wo stehen wir rund 300 Tage vor Ablauf der Frist? Weltweit konnten seit 1990 die Sterberaten und die Anzahl Neuinfektionen an HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose gesenkt werden. Die Mütter- und Kindersterblichkeit (Kinder unter 5 Jahren) wurde um knapp 50 Prozent reduziert. Dies entspricht jedoch noch nicht den Reduktionszielen von zwei Dritteln (Kindersterblichkeit) respektive drei Vierteln (Müttersterblichkeit). Seit den Neunzigerjahren ist zwar die Kinder- und Müttersterblichkeitsrate global stark zurückgegangen; der Rückgang der Neugeborenen- und Geburtensterblichkeitsrate verlief hingegen viel langsamer und ist von der Zielerreichung noch weit entfernt. Neugeborenen-spezifische Interventionen hätten weniger Aufmerksamkeit und entsprechend weniger Investitionen erhalten, erläutert die WHO.

Gesundheit in der neuen Entwicklungsagenda

Gesundheit soll laut des WHO-Exekutivrates eine der Prioritäten der neuen Entwicklungsagenda werden, wie es von der Open Working Group on Sustainable Development Goals (OWG on SDGs) im Juli 2014 vorgeschlagen wurde. Der Mutter-Kind-Gesundheit soll weiterhin ein hoher Stellenwert eingeräumt werden. Als besonders herausfordernde Notwendigkeit gilt es, das ‚unfinished business‘ der MDGs zu Ende zu bringen, welche deshalb in den SDGs wieder aufgegriffen werden sollen. Kritisch ist zudem die Entwicklung von universell messbaren Indikatoren, um die Fortschritte der neuen Entwicklungsagenda zu eruieren, welche die jeweiligen stark variierenden Länderkontexte berücksichtigen.

2015 - ein Schlüsseljahr

Das Jahr 2015 wird wegweisend sein: Einerseits stellt es das Ende der MDGs dar, andererseits ist es der Anfang einer neuen, universellen Entwicklungsagenda. Deren Vorbereitungsarbeiten dürfen die Bemühungen zur Erreichung der MDGs keinesfalls konkurrieren. Die WHO-Generaldirektorin Margaret Chan zeigte sich am Treffen des Exekutivrats optimistisch: Der Weltgemeinschaft blieben immerhin noch rund 300 Tage, um die MDGs zu erreichen.

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Auch Länder mit aktuell fehlenden Geburten- und Sterberegister sollten künftig in der Lage sein, ihre Erfolge zu messen. Es gilt jedoch, die stark variierenden Länderkontexte zu berücksichtigen, denn die nationalen Unterschiede könnten grösser nicht sein. © UNICEF, UNFPA, WHO

 

Somalia – noch ein weiter Weg bis zum Ziel

Somalia gehört zu den Ländern mit der höchsten Kindersterblichkeitsrate weltweit. Die Fragmentierung des Landes, die Grenzstreitigkeiten zwischen Äthiopien und Eritrea sowie Konflikte in Nachbarländern setzen der Region im Horn von Afrika seit langem zu. Diese Fragilität führte unter anderem zum Zusammenbruch des Gesundheitssystems in Somalia.

Nach diesem Kollaps entstand eine Reihe von parallelen und fragmentierten Systemen und Strukturen und die Hindernisse für den Zugang zur Gesundheitsversorgung blieben gross. Der Staat verfügt über limitierte Kapazitäten, die Versorgung der Bevölkerung zu sichern und ist weitgehend abhängig von der UNO und NGOs, welche hauptsächlich im humanitären Bereich tätig sind.

In Somalia sterben jährlich rund 4‘200 schwangere Frauen und 70‘000 Kinder unter 5 Jahren – meist an Durchfall, Lungenentzündung, Malaria oder Fehlernährung – Todesursachen, die heutzutage vermeidbar wären. Der beschränkte Zugang zu Basisgesundheitsversorgung und Geburtshilfe sind weitere Faktoren für die hohen Sterblichkeitsraten.

Gemeinsam mit der UNO (WHO, UNICEF, UNFPA) und weiteren Organisationen unterstützt die DEZA im Rahmen des Projekts Joint Health and Nutrition Programme (JHNP) und durch den politischen Dialog auf nationaler und regionaler Ebene den systematischen Wiederaufbau des Gesundheitssystems. Durch den multisektoriellen und Multi-Partner-Ansatz verfolgt das Projekt das Ziel, Somalia bei der Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit zu unterstützen und damit MDG 4 und 5 zu erreichen.