Wie viele Ziele soll die Post-2015 Agenda umfassen?

Andreas Weber, Programmbeauftragter Post-2015 bei der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA

7. Juli 2014 - Die Post-2015 Agenda soll einerseits wenige, konkrete Ziele umfassen, und gleichzeitig alle zentralen Herausforderungen der Menschheit angehen. Welcher dieser beiden Ansprüche an die Post-2015 Agenda ist höher zu gewichten?

Seit 16 Monaten arbeitet die Staatengemeinschaft im Rahmen der Open Working Group on Sustainable Development Goals (OWG) an einem Vorschlag für eine neue Zielagenda für Nachhaltige Entwicklung. Das aktuelle Arbeitsdokument der OWG, welches deren Co-Präsidenten am 30. Juni 2014 veröffentlichten, umfasst 17 Ziele und weit über 100 Unterziele. Eine Reduktion der Ziele würde unausweichlich auf Kosten von einzelnen Anliegen gehen, weshalb sich die Staatengemeinschaft bei der Konsenssuche schwer tut.

Überarbeiteter Entwurf der Open Working Group on Sustainable Development Goals

Die Notwendigkeit einer fokussierten Agenda
Die Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) haben aufgezeigt, dass die Übertragung einer gemeinsamen Vision für Entwicklung in konkrete, zeitlich verbindliche Ziele das Erreichen dieser Vision wesentlich begünstigen kann. Mit der Schaffung der MDGs ist es gelungen, auf zentrale Herausforderungen zu fokussieren sowie die Ressourcen und das Engagement einer Vielzahl von Akteuren zu mobilisieren.

Die Notwendigkeit einer umfassenden Agenda
Die Post-2015 Agenda soll auf den guten Erfahrungen der MDGs aufbauen, und gleichzeitig einiges besser machen. Dazu gehört, die Wechselwirkungen zwischen sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung sowie ökologischer Nachhaltigkeit ausgewogen zu berücksichtigen. Zudem soll die neue Agenda auch Fragen der Gouvernanz und die Dimension Frieden und Sicherheit integrieren. Dies impliziert, dass zusätzlich zu den klassischen Armutsthemen wie Hunger, Bildung, Geschlechtergleichstellung und Gesundheit eine Vielzahl neuer Anliegen kommt, welche in den MDGs nicht berücksichtigt wurden (z.B. Migration, Rechtstaatlichkeit, Verringerung des Katastrophenrisikos, Biodiversität und nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion).

Auswege aus dem Dilemma?
Die Tatsache, dass der aktuelle Entwurf der OWG mehr Ziele umfasst als von den meisten Akteuren angestrebt, ist zu einem wesentlichen Teil auf den hohen Anspruch an die Agenda zurückzuführen. Einen einfachen Ausweg aus diesem Dilemma gibt es nicht. Im Hinblick auf die zwischenstaatlichen Verhandlungen stellt sich jedoch mehr denn je die Frage, welches der beiden berechtigten Anliegen – fokussiert oder umfassend – höher zu gewichten ist.

Besinnen auf den Hauptzweck!
Auf der Suche nach einem Ausweg sind die Entscheidungsträger gut beraten, sich in diesem Dilemma auf den Zweck der Agenda zu besinnen. Als neuer globaler Orientierungsrahmen für nachhaltige Entwicklung ist der Hauptzweck der Post-2015 Agenda, die Richtung der nationalen und internationalen Bemühungen vorzugeben und das Engagement aller Akteure auf die zentralen globalen Herausforderungen der kommenden 15 Jahre zu fokussieren. Diesen Zweck kann nur ein Rahmenwerk erfüllen, welches einen klaren Fokus hat und nicht überladen ist. Mut zur Lücke ist daher gefragt!