Die künstlerische Praxis von Nicolas Cilins zeichnet sich durch ihren kollaborativen Charakter aus, bei der Menschen und Gemeinschaften aktiv in den kreativen Prozess miteinbezogen werden. Cilins Arbeit kann weder dem fiktionalen Kino noch dem Dokumentarfilm zugeordnet werden und bedient sich vor allem der formalen und autonomen Sprache des Mediums Film. Für deren Projekte weist Cilins den Protagonist*innen weder Rollen aus einem Drehbuch zu, noch dokumentiert they eine direkte Realität, vielmehr bewegen sich deren Filme und bewegte Bildinstallationen irgendwo dazwischen. Cilins Themen entfalten sich an wechselnden Schauplätzen innerhalb Europas; so auch in der Neuen Galerie der Künstler*innen Vereinigung Tirol mit der Rauminstallation Pathways, Encounters, Thresholds: Victoria Square.
Die Multi-Channel-Video- und Soundinstallation erstreckt sich über den gesamten Galerieraum und wurde so konzipiert, dass die Privatsphäre und Identität der Protagonist*innen, deren Leben sich um ein Netzwerk von Nachtbars rund um den Viktoriaplatz in Athen entfaltet, geschützt wird. Wie in einem Stadtgefüge navigieren die Besucher*innen zwischen den grossformatigen Projektionen, den Erzählstimmen und den projizierten Texten. Der Ausstellungsraum wird zu einer Kartografie sozialer Spannungsverhältnisse, in der die Besucher*innen angehalten sind sich hindurchzubewegen, zu pausieren und zu reflektieren. Mehrere persönliche Erfahrungsberichte sind in arabischer, farsischer, griechischer, französischer und deutscher Sprache zu hören und zu lesen während man* durch skulptural anmutendes technisches Equipment navigiert und Szenen eines urbanen Alltags beobachtet.
Nicolas Cilins (they/them) ist ein*e queere*r Konzept-, Video- und Performancekünstler*in aus Genf, Schweiz. Cilins Praxis entfaltet sich durch kollaborative Prozesse und situative Interventionen, wobei they sich mit Archiven und Übersetzungen – sowohl sprachlicher als auch kultureller Art – auseinandersetzt. Indem Cilins Verbindungen zwischen Individuen und Gemeinschaften fördert, untersucht they Situationen, die unsere Fähigkeit, kollektive Gemeinschaften zu bilden und füreinander zu sorgen, herausfordern.
Ausstellungsdauer:
13. Februar bis 18. April 2026
17. März 2026, 18 Uhr: Screening mit Nicolas Cilins
25. März 2026, 17:30 Uhr: Kuratorinnenführung mit Bettina Siegele
4. April 2026, 11:30 Uhr: Ausstellungsrundgang Kunst & Kaffee
15. April 2026, 19 Uhr: Präsentation Ausstellungskatalog