Wie bist Du zum Grafikdesign gekommen? Wie sah dein Werdegang aus?Schon als Kind war ich sehr kreativ, meine Kindergartenpädagogin hat mich sogar einmal «Kleiner Picasso» genannt. Besonders meine Eltern, die in der Gastronomie arbeiten, haben mich immer beim Künstlerischen unterstützt. In der Volksschule habe ich in den Pausen oft kleine Skizzen für meine Klassenkamerad*innen gezeichnet. Im Gymnasium wurde das dann etwas weniger. Zum Glück hatte ich dort aber eine tolle Kunstlehrerin, die selbst die Ortweinschule in Graz besucht hatte und mir diese empfohlen hat. Weil ich mich auch sehr für Mode interessiere, habe ich zuerst überlegt, auf die Modeschule in Graz zu gehen. Dabei habe ich aber gemerkt, dass Nähen doch nicht ganz mein Ding ist. Deshalb habe ich die Aufnahmeprüfung für die Ortweinschule im Bereich Grafik- und Kommunikationsdesign gemacht und besuche sie jetzt schon seit vier Jahren.
Wie war es für dich, den Meistertitel für Grafikdesign bei den AustrianSkills zu gewinnen?
Es ist schon surreal, dass ich Staatsmeister bin. Ich versuche trotzdem mein Ding weiterzumachen. Die Anerkennung und der Titel sind toll, aber das bedeutet nicht, dass ich jetzt chillen kann. Ich habe den Meistertitel bekommen, weil ich immer viel dafür gearbeitet habe.
Wie kann man sich die AustrianSkills vorstellen und welche Aufgaben musstest du dort bewältigen?
Für Grafikdesign gibt es keinen Vorwettbewerb, ich wurde von den Lehrer*innen meiner Schule nominiert, um bei den AustrianSkills teilzunehmen. Die AustrianSkills fanden auf dem Messegelände in Salzburg während drei Tagen statt. An jedem Tag gab es eine andere Aufgabe, welche verschiedene Formen und Techniken verlangt. Am ersten Tag lag der Schwerpunkt auf Logo und Logo Animation, in der Aufgabenstellung war der Kunde ein Museum über Musik. Wir hatten zehn Minuten Zeit, um die Aufgabenstellung durchzulesen und offene Fragen klären zu können. Dann hatten wir insgesamt sechs Stunden Zeit, um an der Aufgabe zu arbeiten. Bei Grafikdesign ist ein Teil kreativ, aber auch ganz viel Technik wird gefordert: Man muss die Einstellungen und Programme wirklich gut kennen. Am zweiten Tag gab es eine Aufgabe, wo ich ein Editorial gestalten durfte, und am dritten Tag ging es um Verpackungs- und Posterdesign. Ich habe beim Gestalten viel Musik gehört, da Musik für mich unfassbar inspirierend ist. Besonders angesprochen hat mich das Verpackungsdesign, auch wenn ich, neben der Logo-Animation, gerade davor am meisten Respekt hatte.
Was hast Du durch den Wettbewerb über dich selbst gelernt?
Ich habe gelernt wie viel ich in kurzer Zeit schaffen kann. Jetzt bin ich auch selbstbewusster in den Sachen, die ich mache und das hat mein Vertrauen in mich gestärkt.
Mit welchem Medium oder Tool arbeitest Du am liebsten? Arbeitest Du lieber analog oder digital?
Ich habe keine Präferenz zwischen dem analogen oder digitalen Arbeiten, das eine ergänzt das andere sehr gut. In unserem Zeitalter ist das unperfekte Perfekte von Menschen und das Handgemachte unfassbar wichtig und deshalb macht mir das Malen an der Leinwand, besonders auf grossen Flächen, wo die Farbe selbst sprechen kann, viel Spass.
Mit welchem Medium oder mit welchen Materialien, Formaten etc. würdest Du dich gerne noch mehr auseinandersetzen?
Neben dem Arbeiten auf der Leinwand freue ich mich auf das Designen von Webseiten.
Welche Rolle spielen digitale Tools und KI bei deinem Prozess?
KI ist unfassbar mächtig, wenn man sie richtig einsetzt. In der Schule werden wir ermutigt, uns mit KI auseinanderzusetzen. Bei manchen Prozessen kann KI sehr hilfreich sein, trotzdem finde ich, dass der Prozess und die Geschichte hinter künstlerischen Arbeiten durch die KI verloren gehen (kann). Der Mensch will immer noch Arbeiten von Menschen sehen.
Woher nimmst Du deine Inspiration?
Ich schöpfe viel Inspiration aus meinem Alltag, ich schaue Vieles an und nehme viel auf. Einer meiner Lehrer sagte, die Ortweinschule ist die Schule des Sehens. Als Grafiker sehe und analysiere ich Sachen in meiner Umgebung und setzte das immer wieder in meinen Arbeiten um. Auch Mode und Modeskizzen inspirieren mich für meine Kunstwerke. Im März nehme ich an einem Experiment teil und versuche drei Wochen ohne Handy auszukommen. Dabei erhoffe ich mir, das Umfeld und die reale Welt noch besser wahrzunehmen.
Wie bereitest Du dich auf die WorldSkills in Shanghai vor?
Für die World Skills habe ich einen Experten in Grafik zugewiesen bekommen, der mich betreut. Ich habe einen Trainingsplan, wie ein Profisportler, wo verschiedene Events organisiert werden und wir Teambuilding machen. Ich werde wirklich gut vorbereitet. Ein Auslandstraining in Kanada ist auch vorgesehen, dort werden die vier Tage als Testdurchlauf vor den World Skills in Shanghai durchgespielt.
Was macht Shanghai für dich als Austragungsort besonders spannend?Shanghai ist eine riesige Stadt und ich freue mich und bin sehr dankbar, dass ich die Welt durch die WorldSkills entdecken kann. Auch auf das Kennenlernen und den Austausch mit neuen Kulturen freue ich mich besonders.
Was hast Du als Nächstes beruflich und kreativ vor?
Weil ich grade so viel Aufmerksamkeit von verschiedenen Personen bekomme, weiss ich momentan noch nicht, wohin mich die Zukunft bringen wird. Mein Traum ist es, im Kreativen zu bleiben und das Endziel ist es, Creative Director zu werden. Ich kann mir auch vorstellen, eine eigene Agentur zu haben oder bei einer bestehenden Marke mitzuwirken. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was alles noch passieren wird. Die kleinen Sachen nebenbei müssen auch noch erledigt werden. Bald komme ich ins letzte Schuljahr und muss meine Diplomarbeit schreiben, damit ich nächstes Jahr die Matura abschliessen kann.
Das Interview führte Rachelle Strub.