Den Gletscherrückgang studieren, um diesem Phänomen Einhalt zu bieten

Projekt abgeschlossen
Das Abschmelzen der Gletscher (hier der «Gletscher 513» in Peru) hat zahlreiche negative Folgen für die Bevölkerung im Andenhochland und in den tiefer liegenden Ebenen. © CARE PERU

Der Rückgang der Andengletscher hat sich in den letzten Jahren beschleunigt. Die DEZA unterstützt ein gemeinsames Projekt von Fachleuten aus Peru und der Schweiz zur Dokumentation des Gletscherschwunds. Das Abschmelzen der Gletscher trifft die ländlichen Bevölkerungsgruppen, die zu den ärmsten Perus zählen, in ihrem Alltag. Dementsprechend wichtig ist es, sie in die Debatte über mögliche Risiken einzubeziehen.

Land/Region Thema Periode Budget
Peru
Klimawandel & Umwelt
Umweltpolitik
01.11.2011 - 31.12.2015
CHF 4'962'000

Die Gletscher in den Anden drohen wie jene in der Schweiz aufgrund der Klimaerwärmung eines Tages ganz zu verschwinden. Der Gletscherschwund hat heute schon gravierende Auswirkungen auf die Bevölkerung im peruanischen Andenhochland und in den tiefer liegenden Ebenen. Ihnen drohen Gefahren durch Ausbrüche von Gletscherseen, plötzliche Hochwasser, Erdrutsche und Lawinen. Der Gemüseanbau leidet unter der Verknappung der Wasserzufuhr.

Die DEZA unterstützt im peruanischen Hochland seit 2008 ein Programm zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels. Nun wurde beschlossen, eine Pilotstudie über die Entwicklung des «Gletschers 513» durchzuführen, der unweit der Provinzhauptsadt Carhuaz in Zentralperu liegt. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich die erhobenen Daten auf andere Gletscher anwenden lassen.

Drei Interventionsachsen

In das Projekt «Glaciares 513» sind zahlreiche Akteure involviert: das Departement für Glaziologie der Universität Zürich, peruanische Universitäten, nationale und lokale Behörden sowie die Bevölkerung. Das Projekt gliedert sich in drei Teilbereiche:

  • Erstellung von Plänen zur Wasserbewirtschaftung und Überwachung der Wasserressourcen in der Region sowie Aufbau eines Warnsystems
  • Ausbildung von peruanischen Glaziologinnen und Glaziologen
  • Allgemeine Stärkung der Kapazitäten und Förderung der Koordination zwischen den privaten und öffentlichen Akteuren, die von den Auswirkungen des Gletscherschwunds betroffen sind

Die Erstellung von Wasserbewirtschaftungsplänen soll einen Überblick über den Wasserbedarf der Bevölkerung (für Verbrauch und Bewässerung), die Gefahren von Naturkatastrophen sowie das Potenzial zur Nutzung der Wasserkraft im Zuge der Gletscherschmelze ermöglichen.

Stärkung der nationalen Kapazitäten

Der Schwerpunkt des von der DEZA unterstützten Projekts liegt auf der Stärkung der nationalen Kapazitäten. Auf akademischer Ebene wird in Peru ein Nachdiplomstudiengang in Glaziologie aufgebaut, in enger Zusammenarbeit mit mehreren Fachpersonen der Universität Zürich. 2011 gab es in Peru lediglich zwei Sachverständige für Gletscherforschung.

Gleichzeitig wird auch die ländliche Bevölkerung einbezogen. Die Mitwirkung der betroffenen Menschen und der lokalen Behörden am Planungsprozess und an den Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel ist zentral. Im Rahmen des Projekts werden die Bedürfnisse und Anliegen der lokalen Gebietskörperschaften durch Bürgerkomitees oder Schulen weitergeleitet.

Peruanische Bürgerinnen und Bürger folgen den Erläuterungen einer Fachfrau.
Das Projekt fördert die Mitwirkung der Bevölkerung am Planungsprozess und an den Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. © CARE PERU

Auf Seiten der Ärmsten

Hauptziel des Projekts «Glaciares 513» ist es, die Verletzlichkeit der Bevölkerungsgruppen im Andenhochland zu verringern. Der Gletscherschwund erhöht nicht nur das Risiko für Naturkatastrophen, sondern ruft auch Veränderungen der Ökosysteme des Hochgebirges (Wälder, Moore, Grasland) hervor, die Auswirkungen auf den Alltag der ländlichen Bevölkerung haben. Kleinbauern sind gezwungen, ihre Dörfer zu verlassen. Der Gletscherschwund trifft aber auch die Menschen in den tiefer liegenden peruanischen Küstengebieten, da dort die Wasserressourcen immer knapper werden.

Deshalb ist die Dokumentation der Auswirkungen der Klimaerwärmung von grosser Wichtigkeit für eine Anpassung an den Klimawandel. Die Provinzhauptstadt Carhuaz hat ein Alarmsystem aufgebaut, mit dem die Evakuierung bedrohter Dörfer rechtzeitig angeordnet werden kann. Im Hochland wurden Wasserspeicher angelegt, um etwaige Niederschläge zu kanalisieren und nutzbar zu machen. Die durch den Gletscherschwund verursachten Schäden und negativen Auswirkungen werden verringert, wenn die Entwicklungen vorhersehbar sind.

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