Schutz vor häuslicher Gewalt in Tadschikistan

Projekt abgeschlossen
 Fünf Schauspielerinnen und Schauspieler stellen eine Alltagsszene dar.
Theater ist in tadschikischen Dörfern eine beliebte Ausdrucksform, um auf die oft unbeachteten Missstände bezüglich häuslicher Gewalt aufmerksam zu machen. © DEZA

In der grösstenteils ländlichen Bevölkerung Tadschikistans ist häusliche Gewalt weit verbreitet. Zusätzlich zur erlittenen Gewalt sind die Frauen auch stark von der generellen Straflosigkeit betroffen. Vor diesem Hintergrund engagiert sich die DEZA für ein Umdenken und unterstützt konkret verschiedene Einrichtungen, die den Opfern von Gewalt Hilfe anbieten.

Land/Region Thema Periode Budget
Tadschikistan
Menschenrechte
Konflikt & Fragilität
Governance
Menschenrechte (inkl. Frauenrechte)
Psychosoziale Beratung (bis 2016)
Weiterentwicklung von Recht und Rechtsprechung
01.09.2012 - 30.09.2016
CHF 4'080'000

In Tadschikistan werden Männer, die ihre Partnerinnen schlagen, selten verhaftet oder strafrechtlich belangt. Noch mehr Anlass zur Sorge geben Studien, denen zufolge die Hälfte der tadschikischen Frauen körperliche Übergriffe eines Mannes gegen seine Frau als annehmbar betrachten. Aus diesen Gründen setzt sich die DEZA für die Verhütung häuslicher Gewalt ein, die in Tadschikistan leider noch sehr verbreitet ist.

Tadschikistan verabschiedete 2013 ein Gesetz zur Bekämpfung häuslicher Gewalt und ratifizierte das UNO-Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau. Allerdings bleibt zum physischen und juristischen Schutz der betroffenen Frauen noch viel zu tun. Das Engagement der DEZA verfolgt drei Hauptziele: 

  • Verringerung der Akzeptanz von häuslicher Gewalt
  • Unterstützung bei der Umsetzung des Gesetzes über häusliche Gewalt
  • Verbesserung des Zugangs zu psychosozialer und juristischer Hilfe für die Opfer von Gewalt  

Sensibilisierungskampagne

Angesichts der aktuellen Situation in Tadschikistan ist es ein vorrangiges Ziel, ein Umdenken in der Gesellschaft zu bewirken. Seit das Land 1991 die Unabhängigkeit erlangte, werden Frauen in mancherlei Hinsicht diskriminiert: wenn sie Arbeit suchen, wenn sie bei einer Schwangerschaft ärztliche Betreuung benötigen oder wenn sie alleine für die Familie sorgen müssen, während ihre Ehemänner im Ausland sind und eine besser bezahlte Arbeit suchen. Die Familie des Ehemanns gibt dafür mitunter der Frau die Schuld und übt Gewalt aus. Dabei kann es sich um physische, psychologische oder wirtschaftliche Bedrohungen handeln.

Angesichts dieser Umstände unterstützt die DEZA seit 1999 eine ganze Reihe von Aktivitäten zur Sensibilisierung der Bevölkerung. Dazu zählen Informationskampagnen, Aufklärungsvideos, Zeichentrickfilme und Ausbildungsangebote für die Polizei, für Gesundheitsfachleute und Dorfchefs. Auch religiöse Würdenträger spielen eine wichtige Rolle, denn sie können erheblichen Einfluss auf Verhaltensänderungen nehmen.

Die genannten Initiativen lassen erste Ergebnisse erkennen. 2010 betreuten die Empfangszentren und die von der DEZA unterstützten NGO 1499 Fälle häuslicher Gewalt. Zwei Jahre später betrug die Anzahl 1712, was zweifelsohne darauf zurückzuführen ist, dass sich die Frauen vermehrt ihrer Rechte bewusst wurden.

Das Gesetz anwenden

Aufklärungsarbeit ist das eine, die konkrete Unterstützung von Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, das andere. Das 2013 erlassene Gesetz verspricht zwar eine grundsätzliche Anerkennung der Frauen, bewirkt jedoch noch keine automatischen Schutzmassnahmen. Die DEZA arbeitet mit der tadschikischen Kommission für Frauenfragen und Familienangelegenheiten und drei Ministerien zusammen (Inneres, Gesundheit und Bildung), um die Bemühungen des Staates und der Zivilgesellschaft zur wirksamen Anwendung des Gesetzes und des Aktionsplans zu koordinieren.

Die Abteilung Menschliche Sicherheit (AMS) des EDA unterstützt das Engagement der DEZA mit ihrem Know-how. Die Schweiz ist ein wichtiger Partner der tadschikischen Behörden, wenn es darum geht, den Rechtsstaat und die Menschenrechte durch neue politische Massnahmen und Reformen zu stärken.

Hilfe für Opfer

Die DEZA unterstützt vor Ort mehrere NGO sowie zwei Krisenzentren, die Opfer häuslicher Gewalt mit psychosozialer und juristischer Hilfe betreuen. 2014 erhielten 2500 Personen (davon 80 % Frauen) psychosoziale Hilfe. 60 Fälle von Gewalt wurden rechtlich verfolgt und praktisch immer zugunsten der Opfer entschieden.

Mehr als 90 % der Ehefrauen, die sich an eine von der DEZA unterstützte Einrichtung wandten, konnten sich der Gewalt entziehen und dank der Unterstützung eine neues Leben beginnen.

Diese erfreulichen Zahlen lassen einen nachhaltigen Trend erwarten, denn die DEZA setzt sich auf nationaler und lokaler Ebene dafür ein, dass der Staat schrittweise die Opferbetreuung übernimmt, namentlich durch spezialisierte Einheiten in Spitälern oder Zentren der primären Gesundheitsversorgung. Im Hinblick darauf werden Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Polizistinnen und Polizisten, Psychologinnen und Psychologen sowie Gesundheitsfachleute ermutigt, sich aktiv mit der Problematik der häuslichen Gewalt auseinanderzusetzen.