«Flirt» versammelt eine Auswahl von Werken der in Innsbruck lebenden Künstlerinnen Lea Abendstein und Isabel Peterhans und gewährt Einblicke in ihr künstlerisches In-Beziehung-Treten. Anstatt die Ergebnisse einer klar umrissenen Kooperation zu präsentieren, versteht sich die Ausstellung selbst als Mittel der Annäherung – als Teil eines ergebnisoffenen Prozesses. Im Hinarbeiten auf die Ausstellung entdeckten die beiden Künstlerinnen unerwartet viele Berührungspunkte in ihren Arbeitsweisen. Ein intensiver E-Mail-Austausch begleitete diesen Dialog. Kunst erscheint hier als relationale Praxis, Ausstellen als Methode, die die Grenzen des Eigenen und dessen, wer man zu sein glaubt, porös werden lässt. Wer sind wir, wenn wir uns nicht aufeinander einlassen, nicht verbunden sind? Wie kann der Aufbau einer tieferen Beziehung zur Welt gelingen? Verbundensein, so schreibt Kae Tempest, setzt das volle Annehmen und Erleben des gegenwärtigen Moments voraus. Kreativität kann dabei ein Weg sein, «um Verbundensein zu erreichen und sich mit denjenigen, die den Moment mit einem teilen, in einen Raum größerer Verbundenheit zu begeben.»
Im Eingangsbereich der Ausstellung sind die Besucher*innen eingeladen, sich auf diese Begegnung einzulassen – Schicht um Schicht zu betreten, zu durchdringen und abzulegen. Der Blick fällt auf helle Stoffbahnen, die von den Künstlerinnen mit Naturmaterialien eingefärbt wurden. Beschrieben mit zentralen feministischen und philosophischen Lektüren der Künstlerinnen und ergänzt durch Ausschnitte aus der E-Mail-Korrespondenz, fiktive Flirtgespräche sowie eine Auflistung an Selbst- und Fremdzuschreibungen, hängen die Stoffschichten hintereinander und formen einen Durchgang. Die Textfragmente gleichen verwischten Tätowierungen auf Hautschichten und verweisen auf das nachhaltige Gefühl, sich in den Worten einer anderen Person wiederzufinden und sie mit sich zu tragen.
Wird die Textilassemblage Seamless nicht unmittelbar zu Beginn durchschritten, entfaltet sich der Rundgang entlang eines chronologischen Fadens. Dieser führt von der Annäherung der künstlerischen Praxen über eine Verdichtung ihres kreativen Verbundenseins bis hin zu einem Ankommen. Dieses Ankommen markiert jedoch keinen Abschluss, sondern öffnet einen Raum für Intimität und Verletzlichkeit, in dem der Wunsch der Künstlerinnen nach einem gemeinschaftlicheren Dasein greifbar wird.
Isabel Peterhans absolvierte ein Studium der Visuellen Kommunikation mit Vertiefung Illustration an der Hochschule Luzern – Design Kunst Film sowie an der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem. Seit 2012 ist sie freischaffende Illustratorin, Künstlerin und Kunstvermittlerin; seit 2018 lebt sie mit ihrer Familie in Innsbruck. Ihre Arbeiten erscheinen in nationalen und internationalen Zeitschriften und Büchern.
Ausstellungsdauer:
13. März bis 9. Mai 2026