Unterstützung der Bemühungen der UNO für einen ungehinderten Zugang zu den Opfern der Ukraine-Krise


Ein Soldat öffnet den Schlagbaum und gibt den Weg frei für einen Lastwagen der Humanitären Hilfe der Schweiz.
2015 erreichten die von der DEZA gecharterten Lastwagen dreimal ohne Probleme die Einwohner beidseits der «Kontaktlinie» in der Ostukraine. © SDC

Die Krise in der Ostukraine dauert an, Millionen von Einwohnerinnen und Einwohnern fehlt es noch immer an Wasser und Medikamenten. Die vor Ort tätigen humanitären Organisationen sind bei ihren Hilfslieferungen mit vielerlei Hindernissen konfrontiert. Das UNO-Büro für die Koordination humanitärer Angelegenheiten ist bemüht, Lösungen zu finden. Die DEZA stellt dafür Geld und Experten zur Verfügung. Umgekehrt kann sie für ihre eigenen humanitären Operationen von den Dienstleistungen der Organisation profitieren.

Land/Region Periode Budget
Ukraine
01.01.2016 - 31.12.2016
CHF 300'000

In der Ukraine sind gut 3,1 Millionen Menschen infolge der seit zwei Jahre währenden Kämpfe auf humanitäre Hilfe angewiesen. Besonders gravierend ist die Situation im Osten des Landes, wo die Regierung in Kiew einerseits und bewaffnete Gruppen andererseits um die Gebietskontrolle kämpfen. Die einheimische Bevölkerung fürchtet um ihre Sicherheit, viele haben ihre Einkommensquellen verloren. Sie leiden auch unter einem begrenzten Zugang zu Wasser und zur Grundversorgung.

Die sporadisch aufflammenden bewaffneten Auseinandersetzungen sind auch für die humanitären Organisationen vor Ort eine Gefahr. Ausserdem müssen sie täglich zahlreiche bürokratische Hürden überwinden und im Osten des Landes sowohl mit Regierungsvertretern wie auch bewaffneten Gruppen in Verhandlungen darum ringen, dass der Bevölkerung geholfen werden kann.

Hierbei spielt das Büro für die Koordination humanitärer Angelegenheiten der UNO (OCHA) in der Ukraine eine zentrale Rolle. Die Organisation hat den Auftrag, bei Krisen oder Naturkatastrophen alle humanitären Aktivitäten der Geberländer, der multilateralen Organisationen und der NGO auf internationaler Ebene zu koordinieren. Die DEZA plant, das OCHA 2016 mit einem Gesamtbetrag von 3,6 Millionen Franken zu unterstützen.

Kontakt mit allen Konfliktparteien

«In der Ukraine-Krise kann der Zugang zu den Opfern vom guten Willen eines Einzelnen abhängen. Aus diesem Grund versucht das OCHA, mit allen Konfliktparteien in Kontakt zu bleiben», erklärt Mario Trutmann, der als Experte des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe im Auftrag der DEZA für die Organisation tätig ist. Mario Trutmann arbeitet als Beauftragter für humanitäre Angelegenheiten in Donezk, ganz in der Nähe der «Kontaktlinie», welche die beiden gegnerischen Lager im Osten des Landes voneinander trennt. 

«Die Verhandlungen für den Durchlass eines Konvois können in Form eines einfachen Telefonats an den Postenkommandanten eines der Checkpoints stattfinden», meint Mario Trutmann. «Die Situation in der Ostukraine ist aber extrem instabil und es passiert oft, dass Abmachungen für eine Hilfslieferung mehrfach neu ausgehandelt werden müssen.» 

Was für die Hilfslieferungen an die Bevölkerung gilt, gilt auch für die Akkreditierung der humanitären Organisationen. Das OCHA kennt die Situation aus eigener Erfahrung, denn im September 2015 wurde ihm verboten, die Hilfstätigkeiten in Luhansk im Osten des Landes fortzuführen, trotz Zusicherungen der lokalen, selbsternannten Behörden. Es mussten intensive Verhandlungen geführt werden, damit das OCHA und mit ihm auch andere UNO-Organisationen die Hilfsleistungen in Luhansk wieder aufnehmen durften.

Unterstützung für die Durchfahrt von humanitären Hilfskonvois aus der Schweiz

Die Schweiz durfte 2015 auf die Dienste des OCHA zählen, um gewisse Schritte zu erleichtern und die Durchfahrt mehrerer humanitärer Hilfskonvois auf beiden Seiten der «Kontaktlinie» zu sichern. Die von der DEZA gecharterten Lastwagen konnten ihre Destination dreimal problemlos erreichen. Die Konvois konnten die Bevölkerung der Region von Donezk mit Trinkwasser versorgen.

Koordination und Informationsaustausch

Das OCHA nimmt nicht nur eine Vermittlerrolle zwischen den verschiedenen zivilen und militärischen Akteuren in der Ukraine ein, sondern es sorgt auch dafür, dass die Aktivitäten der im Land präsenten humanitären Akteure bestmöglich koordiniert werden. Alle zwei Wochen findet in Kiew eine Sitzung mit Vertretern der Geberländer und der humanitären Organisationen statt. Der Inhalt der Gespräche wird anschliessend an den UNO-Sitz in New York weitergeleitet.

Das OCHA hat ferner die Aufgabe, alle sachdienlichen Informationen über ausgewiesene Bedürfnisse und durchgeführte humanitäre Operationen nach Sektoren (Wasser, Unterkunft, Nahrung, Gesundheit und Schutz der Zivilbevölkerung) und Ortschaften zu sammeln, zu ordnen und weiterzugeben. Der Organisation gelingt es in der Ukraine sogar, die Lage in den von bewaffneten Gruppen kontrollierten Gebieten ausführlich zu dokumentieren, obschon eine gewisse Zurückhaltung von Seiten dieser Gruppen besteht. Die Informationen sind für alle über eine eigens dafür geschaffene Internetplattform zugänglich.