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MitteilungVeröffentlicht am 12. September 2026

«Die Schweiz ist eine langfristige Reformpartnerin von Bosnien und Herzegowina»

Die Schweiz feiert gemeinsam mit Bosnien und Herzegowina im September 2026 das 30-jährige Bestehen ihrer diplomatischen Beziehungen und internationaler Zusammenarbeit. Seit drei Jahrzehnten unterstützt die Schweiz Bosnien und Herzegowina in seinen Reformbemühungen. Die Feierlichkeiten in Sarajevo würdigen diese langjährige Partnerschaft unter dem Leitmotiv «time, trust, innovation» – der Schweizerische Botschafter in Sarajevo, Gabriele Derighetti, berichtet.

Schweizerischer Botschafter in Sarajevo, Gabriele Derighetti.

Die Schweiz und Bosnien und Herzegowina (BiH) schauen auf 30 Jahre bilaterale Beziehungen zurück. Was prägte die Beziehung der beiden Länder am stärksten in dieser Zeit?

Vertrauen, Respekt, gegenseitiges Interesse und enge Verbindungen zwischen den Menschen, unter anderem durch die Diaspora, waren die prägendsten Faktoren. Gleichzeitig hat sich unsere Partnerschaft in dieser Zeit deutlich weiterentwickelt: Am Anfang, nach dem Krieg, war es der Einsatz der Schweiz in der humanitären Hilfe und dem Wiederaufbau, heute ist die Schweiz eine langfristige Reformpartnerin von BiH.

Die Schweiz ist vor Ort aktiv in den Bereichen gute Regierungsführung und lokale Demokratie sowie in der Berufsbildung, der Wirtschaftsentwicklung, dem Gesundheitswesen und dem Migrationsmanagement. Dabei geht es um mehr, als einzelne Projekte zu unterstützen. Es geht um die Begleitung von BiH auf dem europäischen Weg, um nachhaltige Lösungen und Staatsaufbau. Dazu kommt die militärische Präsenz der Schweiz in der EUFOR, die ein wichtiger stabilisierender Faktor des Landes ist.

Mit dem politischen Willen zu Reformen verfügt BiH über ein erhebliches Potenzial für eine weitere europäische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung.

Seit Beginn der Zusammenarbeit im Jahr 1996 hat die Schweiz BiH rund 614 Millionen Franken zur Verfügung gestellt; diese wurden mehrheitlich in den neunziger Jahren für den Wiederaufbau eines durch den Krieg völlig zerstörten Landes eingesetzt. Die Schweiz zeigte ihre Solidarität konkret, beispielsweise in der Minenräumung und bei der Suche nach vermissten Personen. In den letzten 20 Jahren förderte die Schweiz Projekte, die zu wichtigen Reformen und zum Staatsaufbau beigetragen haben: Menschen in BiH haben Zugang zu besseren Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten erhalten, Unternehmen wurden gestärkt und Arbeitsplätze geschaffen, staatlichen Institutionen wurde bei der Umsetzung von wichtigen Reformen geholfen.

Für mich ist es die Kombination aus langfristigem Engagement, konkreten Ergebnissen und engen zwischenmenschlichen Beziehungen, die unsere Partnerschaft so besonders macht.

Drei Personen stehen in einem Raum um ein grosses Stadtmodell von Sarajevo und diskutieren.

Das Leitmotiv der Feierlichkeiten zum 30-jährigen Jubiläum lautet: Zeit, Vertrauen und Innovation «time, trust, innovation». Können Sie das etwas erläutern?

Diese drei Worte beschreiben die Entwicklung unserer Partnerschaft sehr treffend. Für echten und nachhaltigen Wandel braucht es Zeit. Die Schweiz zeichnet sich durch langfristiges Engagement aus und ist bereit, ihre Partner so lange zu begleiten, bis gute Ideen zu nachhaltigen Lösungen heranreifen. Ein solcher Ansatz schaffte über die Jahre hinweg Vertrauen zwischen unseren Ländern, Institutionen, Fachleuten und Menschen. Vertrauen ermöglicht Innovation, was bedeutet, Bestehendes zu hinterfragen, sich neuen Herausforderungen anzupassen und neue Formen der Zusammenarbeit zu suchen.

So hat sich unsere Partnerschaft seit dem Wiederaufbau nach dem Krieg hin zu systemischen Reformen entwickelt und umfasst heute zunehmend wirtschaftliche Zusammenarbeit, Handel, Investitionen und Wissensaustausch. Ein gutes Beispiel dafür ist das kürzlich in Sarajevo stattgefundene Wirtschaftsforum, bei dem über 100 Vertreterinnen und Vertreter schweizerischer und bosnisch-herzegowinischer Unternehmen, Institutionen und der Diaspora zusammenkamen. Auf dem Forum wurde die Schweizerisch-Bosnisch-Herzegowinische Handelskammer gegründet. In unserem Podcast «Svica.ba» präsentieren wir in diesem Jahr die Menschen und Geschichten, die hinter drei Jahrzehnten Zusammenarbeit stehen, auf eine andere Art und Weise.

Welches sind die grössten zukünftigen Herausforderungen von Bosnien Herzegowina?

Sich als stabiler, funktionsfähiger und wettbewerbsfähiger Staat weiterzuentwickeln und die notwendigen Reformen auf dem europäischen Weg in spürbare Ergebnisse für den Alltag der Bürgerinnen und Bürger umzusetzen. Dies bedeutet vor allem die Stärkung der Rechtsstaatlichkeit und der Institutionen, die Verbesserung der öffentlichen Dienstleistungen sowie die Schaffung eines besseren Umfelds für Wirtschaft, Investitionen und junge Menschen.

Die Schweiz wird auch in Zukunft ihre Erfahrungen in den Bereichen lokale Demokratie, Berufsbildung, Wirtschaftsförderung und öffentliche Dienstleistungen teilen. Es gibt jedoch kein Modell, das sich einfach von einem Land auf ein anderes übertragen lässt. BiH muss Lösungen finden, die zu seinem Kontext passen.

Von entscheidender Bedeutung wird sein, ob man Vielfalt als Stärke nutzt und bei politischen Differenzen Lösungen durch Dialog und Kompromissbereitschaft und mit Respekt vor den Institutionen erarbeitet. Mit dem politischen Willen zu Reformen verfügt BiH über ein erhebliches Potenzial für eine weitere europäische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung.

Ferdinand Hodler – eine besondere Verbindung zwischen der Schweiz und Sarajevo

Anlässlich der 30-jährigen Partnerschaft zwischen der Schweiz und Bosnien und Herzegowina organisiert die Schweizerische Botschaft in Sarajevo Mitte September 2026 ein Festprogramm, das Schweizer und bosnische Kunstschaffende, Institutionen, Partnerinnen und Partner und Bürgerinnen und Bürger zusammenbringt.

Ein zentraler Programmpunkt der Feierlichkeiten ist die Neuinterpretation einiger Werke von Ferdinand Hodler durch den zeitgenössischen Schweizer Künstler Simon Berger mit seiner aussergewöhnlichen visuellen Technik. In Sarajevo befinden sich mehrere Werke von Hodler, die während des Krieges gerettet wurden. Die Schweiz half beim Wiederaufbau der Kunstgalerie, in der die Werke heute untergebracht sind.

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