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MitteilungVeröffentlicht am 11. Mai 2026

Digitales Internationales Genf: Gemeinsam für einen sicheren Cyberraum

Genf positioniert sich als globales Zentrum für die digitale Zukunft: An der zweiten Geneva Cyber Week tauschten sich die Teilnehmenden zur Förderung der globalen Zusammenarbeit im Cyberraum aus. Staatssekretär Alexandre Fasel erläutert im Interview die Chancen und Risiken der Digitalisierung, die Bedeutung nichtstaatlicher Akteure und wie das «Digitale Internationale Genf» die Zusammenarbeit im Cyberraum konkret vorantreiben soll.

Staatssekretär Alexandre Fasel sitzt an einem Schreibtisch.

Herr Fasel, das Thema der diesjährigen Geneva Cyber Week war die Förderung der globalen Zusammenarbeit im Cyberraum. Wie kann Genf dazu beitragen, diese Zusammenarbeit in die Praxis umzusetzen?

Genf verfügt von Natur aus über die Fähigkeit, die Zusammenarbeit auf globaler Ebene zu fördern. In der Öffentlichkeit ist die Stadt vor allem als Sitz der UNO und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz bekannt. Doch der Einfluss der Stadt geht weit darüber hinaus: Genf beherbergt zahlreiche Organisationen, Institutionen und Unternehmen, die in der Governance des Cyberraums und digitaler Technologien tätig sind, wie etwa Proton, das UNO-Institut für Abrüstungsforschung (UNIDIR), das Genfer Zentrum für die demokratische Kontrolle der Streitkräfte (DCAF) oder Infomaniak. Diese Akteure suchen gezielt nach einem Umfeld, in dem sie ihre Anliegen im Zusammenhang mit einem friedlichen Cyberraum einbringen können. Genau das bietet Genf: Der Cyberbereich wächst stark, und die räumliche Nähe der verschiedenen Akteure ermöglicht eine besonders dynamische Zusammenarbeit. Das EDA unterstützt diesen kollaborativen Ansatz, indem es Initiativen in Genf finanziert und begleitet.

Sie nahmen am Kamingespräch zum Digitalen Internationalen Genf teil. Was versteht man darunter?

Die Digitalisierung ist heute einer der wichtigsten globalen Wachstumstreiber. Sie verändert die Diplomatie und die Arbeit von Organisationen im Internationalen Genf grundlegend. Digitale Technologien sind auch entscheidend für das Erreichen der Ziele für nachhaltige Entwicklung und ermöglichen Fortschritte in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Armutsbekämpfung. Gleichzeitig gibt es Risiken: Cyberkonflikte sind heute Realität, und der Missbrauch digitaler Technologien ist unvermeidbar.

Die zentrale Frage ist daher, wie Staaten und die internationale Gemeinschaft mit der Digitalisierung umgehen – und was wir bereit sind zu akzeptieren und wo die Grenzen liegen. Genf war stets ein Ort für anspruchsvolle Debatten. Neu ist, dass Informations- und Kommunikationstechnologien weitgehend von nichtstaatlichen Akteuren besessen und betrieben werden, die in diese Debatte einbezogen werden müssen. Das Digitale Internationale Genf bringt alle Akteure zusammen, um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen und ihre Risiken zu begrenzen.

Genf soll der globale Ort sein, an dem Digitalisierung zum Wohl der Menschheit gestaltet wird.

Die Schweiz nimmt eine Führungsrolle bei der Gestaltung des Digitalen Internationalen Genfs ein. Wie sieht Ihre Vision dafür aus?

Genf soll der globale Ort sein, an dem über Digitalisierung zum Wohl der Menschheit diskutiert wird – und zwar unter Einbezug aller Akteure: kleiner und grosser Staaten, humanitärer Organisationen, der Zivilgesellschaft, Wissenschaft und der Privatwirtschaft. Es geht nicht darum, anderen vorzuschreiben, was richtig oder falsch ist, sondern darum, gemeinsame Werte zu definieren und umzusetzen. Ein Beispiel ist der von der Schweiz initiierte Geneva Dialogue, in dem nichtstaatliche Akteure ihre Verantwortung im Cyberraum diskutieren. Daraus ist das Geneva Manual hervorgegangen, das als Grundlage für weiterführende Diskussionen zwischen Staaten dient. Gleichzeitig stärken wir die digitalen Rahmenbedingungen in Genf, etwa durch die Schaffung eines Cybersecurity Centre für internationale Organisationen und NGOs sowie dem International Geneva AI Innovation Programme (IGAIP) zur Förderung von KI-Projekten für Organisationen im internationalen Genf. Zudem unterstützen wir Organisationen bei der Modernisierung ihrer digitalen Infrastrukturen. Diese Massnahmen ermöglichen es den Akteuren in Genf, effizient und wirkungsvoll zu arbeiten.

Internationale Zusammenarbeit und kontinuierlicher Wissensaustausch sind entscheidend für Cybersicherheit.

Mit welchen Chancen und Risiken der Digitalisierung haben sich die Teilnehmenden diese Woche beschäftigt?

Für die Cybersicherheits-Community sind die Grenzen klar: Einige Risiken ähneln jenen der physischen Welt, andere sind spezifisch digital – etwa Cyberangriffe oder Datenlecks. Besonders gefährdet sind verletzliche Bevölkerungsgruppen, wenn Systeme und Nutzer unzureichend vorbereitet sind, beispielsweise beim Schutz sensibler Daten in Krankenhäusern.

Zugleich bieten sichere Infrastrukturen, klare gesetzliche Rahmenbedingungen und ein nationaler Dialog über Cybersicherheit grosse Chancen. Die Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Expertinnen und Experten sowie Unternehmen ermöglicht effizientere Systeme, gegenseitiges Vertrauen, eine vereinfachte Kommunikation und einen besseren Zugang zu Informationen. Der allgemeine Konsens ist daher, dass internationale Zusammenarbeit und ein kontinuierlicher Informationsaustausch im Bereich Cybersicherheit entscheidend sind.

Vertrauen zwischen Staaten ist die Grundlage für ein sicheres und stabiles digitales Umfeld.

Die Schweiz setzt sich ja nicht nur mit der Geneva Week für Cybersicherheit ein, sondern das Thema ist auch eine Priorität der OSZE-Präsidentschaft…

Die Schweiz setzt sich auf internationaler Ebene für einen offenen, sicheren und freien Cyberraum ein – mit einem klaren Fokus auf Zusammenarbeit, Stabilität und Resilienz. Dieser Einsatz zeigt sich sowohl im Rahmen des OSZE-Vorsitzes als auch während der Geneva Cyber Week. Die rasante digitale Transformation hat jedoch das Risiko für Fehlwahrnehmungen, Fehleinschätzungen und Konflikte zwischen Staaten verstärkt. Der Aufbau von Vertrauen im Bereich der Cybersicherheit ist daher von entscheidender Bedeutung, da dieses die Grundlage für ein sicheres und stabiles digitales Umfeld bildet. Die Schweiz will nicht nur mit der Geneva Cyber Week, sondern auch während ihres OSZE-Vorsitzes aktiv dazu beitragen: Ende September organisieren wir eine OSZE-Cybersicherheitskonferenz in Zug, die sich der Deeskalation im Cyberraum widmet.

Welche Themen und Prioritäten werden die Entwicklung der Geneva Cyber Week in den kommenden Jahren prägen?

Die Geneva Cyber Week verfolgt weiterhin das zentrale Ziel, Zusammenarbeit und Resilienz im globalen Cyberraum zu stärken. In den nächsten Jahren wollen wir die Geneva Cyber Week fest auf der internationalen Agenda etablieren – als führende Plattform, auf der alle Akteure gemeinsam Lösungen zu den Herausforderungen der Digitalisierung diskutieren. Dabei möchten wir den Cyberraum nicht auf einzelne Aspekte reduzieren, sondern ganzheitlich angehen.

Natürlich existiert die Cyber Week nicht in einem Vakuum: Wir streben langfristige Partnerschaften mit ähnlichen Veranstaltungen an. Wir möchten die nächsten Geneva Cyber Weeks in einer Logik der Kontinuität mit den anderen Cyber Weeks weltweit verankern.

Geneva Cyber Week

Die Geneva Cyber Week wird vom Institut der Vereinten Nationen für Abrüstungsforschung (United Nations Institute for Disarmament Research, UNIDIR) und dem EDA organisiert und von der breiteren Digital- und Cybersicherheits-Community in Genf unterstützt. 1000 Teilnehmende – Entscheidungsträger, Branchenführer, Forschende und Vertreter der Zivilgesellschaft – aus verschiedenen Ländern nahmen an der diesjährigen, zweiten Ausgabe der Geneva Cyber Week zum Thema «Förderung der Zusammenarbeit im Cyberraum» teil.

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