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MitteilungVeröffentlicht am 14. April 2026

«Im Sudan gibt es keinen sicheren Ort mehr»

Seit dem 15. April 2023 – also seit genau drei Jahren – tobt im Sudan ein bewaffneter Konflikt zwischen der sudanesischen Armee (Sudanese Armed Forces, SAF) und ihrer früheren Hilfstruppe, den Rapid Support Forces (RSF). Zehntausende Menschen haben ihr Leben verloren. Rund 33 Millionen Menschen, das entspricht zwei Dritteln der Bevölkerung, sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, 13 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Die Schweiz leistet Hilfe insbesondere bei der Ernährungssicherheit, beim Schutz der Zivilbevölkerung, bei der Unterstützung der vertriebenen Personen und bei der Friedensförderung, wie Valérie Liechti, Chefin der Abteilung Afrika bei der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), im Interview erläutert.

Vier Personen stehen in einem Hof, der von einer Mauer umgeben ist, und sprechen miteinander. Valérie Liechti ist die zweite Person von links.

Am 15. April 2026 findet in Berlin eine Konferenz statt, an der unter anderem über die Hilfe für die vom Krieg im Sudan betroffenen Menschen beraten wird. Wo ist die Hilfe derzeit am dringendsten?

Die am stärksten betroffenen Regionen sind Darfur, Kordofan und der Bundesstaat Blauer Nil, wo es seit einiger Zeit zu anhaltenden Auseinandersetzungen kommt. Diese Konflikte haben auch grenzüberschreitende Auswirkungen, insbesondere in Ägypten, im Tschad und im Südsudan. Diese Regionen sind am dringendsten auf Hilfe angewiesen. Es braucht Lebensmittel, Trinkwasser und minimale Wasser- und Sanitärversorgung. Die zahlreichen Herausforderungen werden durch die Kämpfe und die Verstösse gegen das humanitäre Völkerrecht verschärft, und zu den ersten Opfern gehört die Zivilbevölkerung.

Valérie Liechti sitzt an einem Tisch und spricht.

Welche Folgen hat der Krieg für die Menschen im Land?

Man muss bedenken, dass der Konflikt bereits über 1000 Tage dauert und dass sich die Krise laufend verschlimmert. Laut dem Humanitären Aktionsplan 2026 zählt der Sudankonflikt zu den schlimmsten humanitären Krisen der Welt. Von den geschätzten 50 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern sind mehr als 33 Millionen auf Hilfe angewiesen – das sind zwei Drittel der Landesbevölkerung. Auch die humanitären Helferinnen und Helfer sind stark gefährdet, wie ich bei einer humanitären Mission im November 2025 feststellen konnte. Man kann sagen, dass es im Sudan keinen sicheren Ort mehr gibt. Die Angriffe auf die Zivilbevölkerung nehmen zu: Wasserinfrastruktur, Krankenhäuser, Schulen, Märkte – alles wird ins Visier genommen. Allein 2026 gab es bereits mehr als 500 zivile Opfer. Dieser Konflikt führt gleichzeitig zu drei Arten von Krisen.

Welche Krisen sind das?

Die erste ist eine extreme Ernährungskrise, von der rund 22 Millionen Menschen betroffen sind. Dazu kommt der mangelnde Zugang zu Trinkwasser, was sich unter anderem auf die Hygiene auswirkt und die Ernährungskrise weiter verschärft.

Die zweite ist eine Schutzkrise. Die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung ist massiv. Namentlich wird gegen Frauen und Mädchen sexuelle Gewalt als Kriegswaffe eingesetzt. Schätzungen zufolge sind derzeit mehr als 12 Millionen Personen gefährdet. Während meiner letzten Reise in den Tschad im vergangenen Monat bestätigten mir humanitäre Akteure, dass die in die tschadischen Lager geflohenen Menschen stark traumatisiert sind, auch wenn sie selbst nicht Opfer von Gewalt waren. Die Schutzkrise betrifft also nicht nur die direkten Opfer, sondern ganze Gemeinschaften.

Über 13 Millionen Menschen wurden bereits zur Flucht gezwungen. 9 Millionen wurden innerhalb des Sudans vertrieben, 4 Millionen haben in den Nachbarländern Zuflucht gefunden.

Und die dritte Krise?

Die dritte ist eine Vertreibungskrise. Über 13 Millionen Menschen wurden bereits zur Flucht gezwungen. 9 Millionen wurden innerhalb des Sudans vertrieben, 4 Millionen haben in den Nachbarländern Zuflucht gefunden. Der Tschad hat seit Beginn des Krieges im Jahr 2023 fast eine Million sudanesische Flüchtlinge aufgenommen. Im Südsudan sind es rund 500 000 Menschen – eine enorme Zahl für eines der ärmsten Länder der Welt. Ägypten beherbergt rund 1,5 Millionen Flüchtlinge sowie Migrantinnen und Migranten. Auch Äthiopien ist betroffen, insbesondere aufgrund der Spannungen an der Grenze zum Bundesstaat Blauer Nil.

Wie beeinflussen diese drei Arten von Krisen die internationale Zusammenarbeit der Schweiz im Sudan?

Die Schweiz war von Anfang an in diesen drei Handlungsfeldern aktiv. Wir waren bereits vor dem Konflikt im Sudan mit einem Kooperationsbüro in der Botschaft in Khartum präsent. Unser Programm bestand damals zu etwa 85 Prozent aus humanitärer Hilfe und zu 15 Prozent aus Entwicklungshilfe. Die Bereiche Ernährung und Schutz der Zivilbevölkerung gehörten stets dazu. Wir waren auch regional auf den Migrationsrouten von Äthiopien in den Sudan und weiter nach Ägypten und in den Mittelmeerraum tätig. Nach dem Ausbruch des Konflikts haben wir unser Engagement natürlich intensiviert.

Die Schweiz war von Anfang an in diesen drei Handlungsfeldern aktiv. Unser Programm bestand damals zu etwa 85 Prozent aus humanitärer Hilfe und zu 15 Prozent aus Entwicklungshilfe.

Im November 2025 stimmte das Parlament einem vom Bundesrat beantragten dringlichen Nachtragskredit für den Sudan in Höhe von 50 Millionen Franken zu. Wofür wurden diese Mittel konkret verwendet?

Die 50 Millionen Franken wurden auf die drei genannten und im Kreditantrag ans Parlament dargelegten Schwerpunktthemen aufgeteilt.

Dank dem Beitrag der Schweiz erhielten im Bereich der Ernährungskrise rund 300 000 Menschen eine Bargeldhilfe zur Deckung ihrer Grundbedürfnisse. Ein wesentlicher Teil des Nothilfepakets (rund CHF 14 Mio.) wurde dem Welternährungsprogramm (WFP) und dem UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) zur Verfügung gestellt. Diese Mittel kamen nicht nur den Menschen im Sudan, sondern auch jenen in den Nachbarländern zugute.

Was sprach für eine finanzielle Hilfe anstelle einer direkten Verteilung von Gütern an die notleidende Bevölkerung?

Es ging darum, die lokale Wirtschaftstätigkeit zu erhalten. In Kriegszeiten werden die Versorgungswege blockiert oder angegriffen und die Produktion wird gestört. Mit einer Bargeldhilfe, zum Beispiel in Form von Multi-Purpose Cash, können die Menschen gemäss ihren Prioritäten entscheiden, wie sie ihre dringendsten Bedürfnisse decken. Aus diesem Grund bevorzugen die Betroffenen meist eine Hilfe in Form von Bargeld. So lässt sich auch vermeiden, dass die falschen Zielgruppen erreicht oder die falschen Güter abgegeben werden. In der modernen humanitären Hilfe ist dieser Aspekt zu einem zentralen Element geworden. Ausserdem ist die Bargeldhilfe oft kosteneffizienter als die traditionelle Hilfe in Form von Sachleistungen.

Valérie Liechti sitzt an einem Tisch und spricht.

Sie haben die Unterstützung im Bereich der Ernährungssicherheit geschildert. Wie wurden die Mittel des Nothilfepakets für die anderen Krisenarten verwendet?

Für den Schutz der Zivilbevölkerung wurden 20 Millionen Franken eingesetzt. Das IKRK, dessen Kernkompetenz im Schutz der Zivilbevölkerung liegt, war ein zentraler Partner. Der Norwegian Refugee Council unterstützte seinerseits die am stärksten gefährdeten Personen (Frauen und Kinder, die Opfer sexueller Gewalt waren) mit psychosozialer Betreuung, rechtlicher Hilfe bei der Wiedererlangung von Identitätspapieren und Zugang zu sicheren Unterkünften.

Im Zusammenhang mit der regionalen Vertreibungskrise wurden den Nachbarländern über 16 Millionen Franken zur Verfügung gestellt, hauptsächlich über das UNHCR, Médecins Sans Frontières und Save the Children. In Ägypten ermöglichten diese Mittel die Registrierung von Flüchtlingen, so dass sie Zugang zum internationalen Schutzsystem erhielten. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) leistete über das UNHCR in Kairo einen zusätzlichen Beitrag. Im Tschad wurden in den Lagern Unterkünfte gebaut, die medizinische Betreuung sichergestellt und Hygieneartikel verteilt.

Die Tatsache, dass die 50 Millionen Franken innert kürzester Zeit ausgegeben wurden, verdeutlicht nicht nur das Ausmass des Bedarfs, sondern auch die Finanzierungskrise in der internationalen Zusammenarbeit, welche erschwerend dazukommt.

Die Tatsache, dass die 50 Millionen Franken innert kürzester Zeit ausgegeben wurden, verdeutlicht nicht nur das Ausmass des Bedarfs, sondern auch die Finanzierungskrise in der internationalen Zusammenarbeit, welche erschwerend dazukommt. Der Humanitäre Aktionsplan 2026 für den Sudan sieht ein Budget von 2,8 Milliarden US-Dollar vor, von denen bislang nur 456 Millionen (16 %) gedeckt sind. Ausserdem betrifft die Finanzierungskrise auch unsere Partner: Das IKRK zum Beispiel wird konkret nicht mehr die erforderlichen Mittel haben, um Notfallkits für Vertriebene im Südsudan bereitstellen zu können.

Wie kann in einer Kriegssituation sichergestellt werden, dass die Hilfe wirklich bei den Menschen ankommt, die sie benötigen?

Dazu braucht es Teamarbeit. Die Abteilung Afrika der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) arbeitete eng mit den Kolleginnen und Kollegen der humanitären Hilfe und dem Team Multilaterales, dem Kooperationsbüro Sudan und der Subregion zusammen, um die geeigneten Partner zu identifizieren, das Parlamentsgeschäft zu verfassen und die Umsetzung zu überwachen. Die Aufteilung der Mittel (50 % für den Sudan, 50 % für die Nachbarländer) wurde in Absprache mit Personen festgelegt, die die Situation in der Region kennen und bereits etablierte Beziehungen zu lokalen und internationalen Partnern haben.

Um sicherzustellen, dass die Hilfe tatsächlich die Gemeinschaften erreicht, führt die Schweiz oft Feldmissionen durch – wahrscheinlich öfter als viele andere Akteure.

Finden auch Kontrollen vor Ort statt?

Ja, natürlich. Um sicherzustellen, dass die Hilfe tatsächlich die Gemeinschaften erreicht, führt die Schweiz oft Feldmissionen durch – wahrscheinlich öfter als viele andere Akteure. Diese Einsätze ermöglichen es, den Politikdialog über das humanitäre Völkerrecht aufrechtzuerhalten, den Zugang für humanitäre Akteure zu sichern und den direkten Kontakt mit den Partnern zu pflegen. Expertinnen und Experten des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH) werden zudem in internationale Organisationen in den Bereichen Wasser- und Sanitärversorgung, Gesundheit oder Schutz entsandt. Solche Einsätze vermitteln ein besseres Verständnis der Situation vor Ort.

Darüber hinaus unterstützt die Schweiz bewährte internationalen Partner – IKRK, WFP, UNHCR – sowie lokale Partner, die bereits vor dem Krieg tätig waren und die, wie z.B. die Sudanesische Rothalbmond-Gesellschaft, direkte und enge Beziehungen zu den Menschen vor Ort unterhalten. Diese Vernetzung stellt ebenfalls sicher, dass die Hilfe bestmöglich umgesetzt wird.

Friedensarbeit beginnt nicht erst, wenn der Krieg vorbei ist. Ebenso wartet man nicht bis zum Ende des Konflikts, um über den Wiederaufbau nachzudenken.

Wie fügt sich die Nothilfe in die humanitäre Hilfe ein?

Die Nothilfe trägt dazu bei, die Grundbedürfnisse der vertriebenen Familien zu decken: sichere Unterkunft, Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser, grundlegender medizinischer Versorgung und psychosozialer Unterstützung. Die Nothilfe stösst jedoch an ihre Grenzen, vor allem wegen der angespannten Finanzlage und der Krise, die keinerlei Anzeichen einer Entspannung zeigt.

Aus diesem Grund ist es wichtig, von Anfang an Massnahmen zur Stabilisierung und Stärkung der Resilienz zu ergreifen. Ich würde es mit dem Frieden vergleichen: Friedensarbeit beginnt nicht erst, wenn der Krieg vorbei ist. Ebenso wartet man nicht bis zum Ende des Konflikts, um über den Wiederaufbau nachzudenken. Konkret setzen wir uns für die Bildung von Kindern in Lagern, die Schaffung von Erwerbsmöglichkeiten – insbesondere für Frauen – sowie die Förderung von Voraussetzungen für eine schrittweise Wiedereingliederung ein. Es handelt sich also nicht um zwei aufeinanderfolgende Phasen, sondern um zwei verknüpfte Ansätze.

Sind also auch längerfristige Projekte Teil der humanitären Hilfe?

Es ist eine Frage der Sichtweise. So ist die Abteilung Afrika der DEZA sowohl für die Koordination der Entwicklungszusammenarbeit als auch für die humanitäre Hilfe zuständig. Diese doppelte Zuständigkeit verschafft ihr eine grössere Wirksamkeit. Bereits vor der Krise bestand das Sudan-Programm zu 85 Prozent aus humanitärer Hilfe und zu 15 Prozent aus Entwicklungszusammenarbeit. Mit den 15 Prozent konnten wir also von Anfang an Aspekte der Resilienz und der Stabilisierung integrieren. Angesichts immer knapperer Budgets und immer komplexerer Krisen wird den humanitären Akteuren bewusst, dass sie die Wirkung jedes eingesetzten Frankens maximieren müssen. Das erfordert zwangsläufig die Einbindung lokaler Akteure von Anfang an, denn sie sind es, die auch nach dem Ende der Notlage weiterarbeiten werden.

Es besteht die reale Gefahr einer Ausweitung des Konflikts, insbesondere auf den Tschad, aufgrund der komplexen Verflechtungen zwischen dem Osten des Landes und Darfur.

Sie waren vor Kurzem im Tschad. Wie machen sich dort die Folgen des Krieges im Sudan bemerkbar?

Was ich im Tschad gesehen habe, zeigt sehr gut die regionalen Auswirkungen dieses Krieges. Der Zustrom von einer Million sudanesischer Flüchtlinge in ein Land, das bereits zu den ärmsten der Welt zählt, stellt die ohnehin schon äusserst fragilen ökonomischen, sozialen und sicherheitsrelevanten Systeme auf eine harte Probe. Die internationale Hilfe ist nicht nur aus humanitären, sondern auch aus politischen und sicherheitspolitischen Gründen unerlässlich. Selbst ein Land wie Ägypten, das über mehr Ressourcen verfügt, kann die Registrierung und den Schutz von Hunderttausenden von Flüchtlingen nicht allein und ohne das Fachwissen des UNHCR bewältigen.

Es besteht zudem die reale Gefahr einer Ausweitung des Konflikts, insbesondere auf den Tschad, aufgrund der komplexen Verflechtungen zwischen dem Osten des Landes und Darfur. Hier reicht humanitäre Hilfe allein nicht aus. Ein nachhaltiger politischer Dialog ist weiterhin unerlässlich, um einen Waffenstillstand zu erreichen.

Während Ihrer Missionen haben Sie auch mit humanitärem Personal gesprochen. Was bedeutet es für diese Personen, in einem Kriegskontext zu arbeiten?

Zum einen müssen wir sicherstellen, dass die Gelder sinnvoll eingesetzt werden, zum andern müssen wir uns aber auch um die Menschen kümmern, die vor Ort arbeiten. Dieser Aspekt wird oft vergessen. Nach einem Gespräch mit Freiwilligen des Sudanesischen Roten Halbmonds wurde mir bewusst, wie belastend diese Krise für sie ist. Der Wettstreit um Ressourcen zwischen den Hilfsorganisationen und das Ausmass der Gewalt, der sie täglich ausgesetzt sind, wirken sich auf ihre psychische Gesundheit aus. Nicht nur die betroffenen Gemeinschaften, sondern auch unsere humanitären Partner brauchen psychologische Unterstützung. Auch diese Verantwortung müssen wir ernst nehmen.

Es ist klar, dass die humanitäre Hilfe und die Entwicklungszusammenarbeit zum Friedensprozess beitragen.

An der Sudan-Konferenz in Berlin sollen auch Möglichkeiten für eine friedliche Beilegung des Konflikts diskutiert werden. Welche Rolle spielt die Schweiz bei der Friedensförderung?

Es ist klar, dass die humanitäre Hilfe und die Entwicklungszusammenarbeit zum Friedensprozess beitragen. Den Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung und wirtschaftlichem Austausch wiederherstellen, Opfern sexueller Gewalt helfen, ihr Leben wieder aufzubauen – all dies schafft die Grundlage für ein mögliches Zusammenleben. Khartum, einst eine vielfältige und pluralistische Stadt, hat stark gelitten. Der Wiederaufbau dieses sozialen Gefüges ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Frieden.

Für die politische Dimension (Verhandlungen, Diplomatie, Friedensprozesse) ist im Rahmen eines umfassenden Ansatzes der internationalen Zusammenarbeit der Schweiz die Abteilung Frieden und Menschenrechte (AFM) des EDA zuständig. Bei der Sudan-Konferenz in Berlin am 15. April 2026, die an die Konferenzen in Paris im Jahr 2024 und London im Jahr 2025 anschliesst, geht es um diese politische Dimension. Die Schweiz spielt hier eine wichtige Rolle, indem sie an die Notwendigkeit der Einhaltung des humanitären Völkerrechts erinnert und einen Waffenstillstand fordert. Auch wenn diese Möglichkeit heute noch ungewiss erscheint, darf sie nicht vernachlässigt werden.

Schweizer Unterstützung für die vom Krieg im Sudan betroffenen Menschen

Der Krieg zwischen den regulären Streitkräften des Sudan (Sudan Armed Forces, SAF) und den Rapid Support Forces (RSF) hat verheerende Folgen für die Menschen im Sudan. Er hat zehntausende Todesopfer gefordert und eine Hungersnot ausgelöst. Über 33 Millionen Menschen - rund zwei Drittel der gesamten Bevölkerung - sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Rund 13 Millionen Menschen sind auf der Flucht, davon über 4 Millionen in den Nachbarländern Ägypten, Südsudan, Tschad, Libyen und der Zentralafrikanischen Republik. Die Infrastruktur ist schwer beschädigt, die Gesundheits-, Bildungs- und Wirtschaftssysteme sind zusammengebrochen und die ethnischen Spannungen haben sich verschärft.

Konkrete Hilfe der Schweiz

Seit Kriegsausbruch hat die Schweiz rund 213 Millionen Franken zur Unterstützung der Bevölkerung im Sudan und in der Region eingesetzt. Dies umfasst auch den im Dezember 2025 vom Parlament bewilligten Nothilfekredit in Höhe von 50 Millionen Franken, den der Bundesrat beantragt hatte, sowie zusätzliche 23 Millionen Franken für das Jahr 2026. Die zusätzlichen Mittel setzte der Bund in Zusammenarbeit mit sieben internationalen Organisationen (UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, World Food Programme WFP, Médecins sans Frontières, Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten OCHA, Internationales Komitee vom Roten Kreuz IKRK, Save the Children und Norwegian Refugee Council) zur Bekämpfung von Hunger und Unterernährung, für den Schutz der Zivilbevölkerung in einem von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen geprägten Umfeld sowie für die Unterstützung der Vertriebenen im Sudan und in den Nachbarländern ein.

Unter anderem hat die Schweiz mit dem Nothilfekredit dazu beigetragen, dass die die folgende Hilfe geleistet werden konnte:

  • Im Sudan konnten knapp 4000 Menschen dank direkter Cash-Unterstützung mit Nahrungsmitteln und lebenswichtigen Gütern versorgen.
  • Im Sudan erhielten 2000 besonders gefährdete Menschen spezifische Schutzunterstützung; 42 von der Schweiz mitfinanzierte Community Centers verzeichneten über 60'000 Zugänge zu psychosozialer Unterstützung, rechtlicher Beratung und Schutzdiensten.
  • Im Südsudan wurden über 25'000 medizinische Konsultationen durchgeführt und rund 350'000 Menschen mit sicherem Trinkwasser versorgt.
  • Im Tschad wurde mit den Schweizer Beiträgen die Wasser- und Grundversorgung in Flüchtlingscamps stabilisiert, so dass pro Person und Tag durchschnittlich 12,6 Liter Wasser bereitgestellt werden konnten.
  • In überfüllten Lagern wurden Schutz- und Präventionskampagnen (darunter Cholera-, Masern- und Hepatitis-E-Impfkampagnen) durchgeführt, um den Ausbruch von Krankheiten zu verhindern.
  • Im Südsudan, in Ägypten und im Tschad wurde die Registrierung, die Erstversorgung und sichere Weiterleitung von sudanesischen Geflüchteten unterstützt, im Tschad ausserdem der Bau von über 8000 Unterkünften ermöglicht.
  • In der Zentralafrikanischen Republik tragen die Schweizer Beiträge dazu bei, den dringenden Nahrungsmittelbedarf der sudanesischen Flüchtlinge zu decken, die neu im Lager Korsi in Birao, einem besonders gefährdeten Grenzgebiet im Norden des Landes gelegen, angekommen sind. Das Lager beherbergt 27’000 sudanesische Flüchtlinge.

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