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MitteilungVeröffentlicht am 22. Mai 2026

Schweizer Haus der Kultur, Forschung und Diplomatie in Athen

Am 22. Mai 2026 wurde die neue Schweizer Botschaft in Athen, das «Schweizer Haus der Kultur, Forschung und Diplomatie», eröffnet. Diese innovative Plattform vereint Diplomatie, wissenschaftliche Forschung und Kultur unter einem Dach.

EDA-Vorsteher Ignazio Cassis und sein Amtskollege Ioannis-Michail Loverdos durchtrennen mit einer Schere ein rotes Band.

Die Schweiz und Griechenland unterhielten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erste diplomatische Kontakte, als beide Länder ihre Freiheit und Unabhängigkeit in einem Kontext tiefgreifender geopolitischer Umwälzungen behaupten mussten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eröffneten sie konsularische Vertretungen, und 1917 nahmen sie offiziell diplomatische Beziehungen auf, als Griechenland eine diplomatische Vertretung in Bern eröffnete. Heute pflegen die Schweiz und Griechenland enge diplomatische Beziehungen. Die Zusammenarbeit ist sowohl auf bilateraler als auch auf multilateraler Ebene von gemeinsamen Werten und dem Willen geprägt, gemeinsame Herausforderungen solidarisch anzugehen.

Ein gemeinsames Schweizer Haus in Griechenland, das Diplomatinnen und Diplomaten, Archäologinnen und Archäologen sowie Kunstschaffende beherbergt, ist eine ausserordentliche Quelle der Inspiration.

Bilaterale Beziehungen weit über die Diplomatie hinaus

1964 wurden Schweizer Universitäten eingeladen, sich an den Ausgrabungen in der antiken Stadt Eretria auf Euböa zu beteiligen. Die erste archäologische Mission der Schweiz wurde gegründet und nahm ihre Arbeit auf. Daraus entstand 1975 die Schweizerische Archäologische Schule in Griechenland (ESAG), die einzige ständige archäologische Mission der Schweiz im Ausland.

Seit über 50 Jahren haben Generationen von Archäologinnen und Archäologen, Studierenden und Forschenden aus Schweizer Universitäten mitgeholfen, die Überreste des antiken Eretria freizulegen. Weitere Forschungsprojekte bestehen in anderen Teilen Griechenlands, etwa in Attika, auf Ägina und in Antikythera. Die über 50-jährige Forschungspartnerschaft zeichnet sich durch eine geteilte Leidenschaft und zahlreiche Entdeckungen aus. Das menschliche, wissenschaftliche und kulturelle Abenteuer hat das Verständnis der griechischen Welt geprägt und den Dialog zwischen der Schweiz und Griechenland bereichert. Diese Aktivitäten, die vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF), von Schweizer Universitäten (u. a. der Universität Lausanne, wo sich der Sitz der ESAG befindet), dem Kanton Waadt und von Stiftungen unterstützt werden, tragen zur Stärkung der Beziehungen zwischen der Schweiz und Griechenland bei.

Das Schweizer Haus in Athen markiert eine neue Etappe in den diplomatischen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern, deren Wurzeln bis zu den ersten philhellenischen Komitees reichen, die im 19. Jahrhundert während des griechischen Unabhängigkeitskriegs in der Schweiz gegründet wurden.
Sylvian Fachard, Professor für klassische Archäologie an der Universität Lausanne und Direktor der ESAG

Die Kultur bildet seit jeher ein starkes Bindeglied zwischen der Schweiz und Griechenland. Griechenland gilt als Wiege der europäischen Kultur, und seine inspirierende Kraft ist ungebrochen. Die in Griechenland sehr aktive Schweizer Kulturinstitution Flux Laboratory, die im Bereich der darstellenden Kunst tätig ist, führt regelmässig Aktionen an ungewöhnlichen Orten durch, um Althergebrachtes in Frage zu stellen und neue Perspektiven zu eröffnen, oft mit einer starken sozialen Komponente. Sie ermöglicht überraschende Interaktionen und Synergien sowohl mit der Diplomatie als auch mit der Archäologie.

Ein gemeinsames Schweizer Haus in Griechenland, das Diplomatinnen und Diplomaten, Archäologinnen und Archäologen sowie Kunstschaffende beherbergt, ist eine ausserordentliche Quelle der Inspiration. Indem wir Diplomatie, Wissenschaft und Kultur unter einem Dach vereinen, tragen wir Sorge für die Zukunft und bleiben gleichzeitig mit der Geschichte verbunden.

Unter einem Dach vereint

Die Schweiz setzt im Ausland seit Langem auf Plattformen, die Kultur, Innovation, Forschung und Dialog vereinen. Beispiele dafür sind das House of Switzerland bei Olympischen Spielen und Weltausstellungen, das Schweizer Institut in Rom und neu auch der Palazzo Trevisan in Venedig. Im Mai 2025 unterzeichneten Bundesrat Ignazio Cassis und Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider in Venedig eine Vereinbarung über die Nutzung des Palazzos als integrierte Plattform für Kultur, Innovation, Forschung und Nachhaltigkeit unter der Schirmherrschaft des EDA.

Auf diesem Modell beruht auch das Schweizer Haus in Athen, in dem neben der Schweizer Botschaft auch die Schweizerische Archäologische Schule in Griechenland und das Flux Laboratory untergebracht sind.

Seine Architektur orientiert sich an den Athener Innenhöfen der Antike, die als Ort der Begegnung und Interaktion genutzt wurden. Das Schweizer Haus wird somit die Zusammenarbeit zwischen Politik, Forschung und Kultur fördern.

Die Fassade des Schweizer Hauses für Kultur, Forschung und Diplomatie im Athener Stadtteil Plaka.

«Archäologinnen und Archäologen, Kunstschaffende sowie Diplomatinnen und Diplomaten betreiben alle Diplomatie»

Der wissenschaftliche und kulturelle Austausch ist Teil der Diplomatie. Er stärkt das gegenseitige Vertrauen langfristig und schafft Raum für Dialog, wo traditionelle Kanäle manchmal an ihre Grenzen stossen. «Die Herausforderung bestand darin, eine Idee, ein Narrativ für eine neue Schweizer Präsenz in Griechenland zu schaffen. Archäologinnen und Archäologen sind unsere Botschafter, Kunstschaffende sind unsere Botschafter und Diplomatinnen und Diplomaten sind Botschafter. Wir alle betreiben Diplomatie», sagt Stefan Estermann, der Schweizer Botschafter in Griechenland.

Das Schweizer Haus befindet sich im Herzen der Plaka, des historischen Zentrums von Athen, in Sichtweite der Akropolis. Es soll ein offener, zugänglicher und lebendiger Ort werden, wie es diesem Quartier entspricht.

Für Sylvian Fachard, Professor für klassische Archäologie an der Universität Lausanne (UNIL) und Direktor der Schweizerischen Archäologischen Schule in Griechenland, markiert das Schweizer Haus in Athen «eine neue Etappe in den diplomatischen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern, deren Wurzeln bis zu den ersten philhellenischen Komitees reichen, die im 19. Jahrhundert während des griechischen Unabhängigkeitskriegs in der Schweiz gegründet wurden.» Damals wurde der Grundstein für eine moderne, tiefe und dauerhafte Verbindung gelegt, die durch einen kontinuierlichen politischen, kulturellen und wissenschaftlichen Austausch gefördert wird. Das Schweizer Haus ist Ausdruck dieser Verbindung.»

Patrick und Cynthia Odier, die die Stiftung Fluxum und das Flux Laboratory gegründet haben und präsidieren, haben das Schweizer Haus mitinitiert und teilen seine Vision. «Dieses Projekt ist wirklich einzigartig, weil es verschiedene Arten von Kreisen schafft. Es ist auf Nähe und Alltäglichkeit ausgerichtet.»

Das Schweizer Haus wurde am 22. Mai 2026 anlässlich des Besuchs von Bundesrat Ignazio Cassis in Griechenland eröffnet. Bei der Einweihung hielt der Vorsteher des EDA an der Seite des griechischen Vize-Aussenministers Ioannis-Michail Loverdos eine Rede. Botschafter Stefan Estermann, ESAG-Direktor und UNIL-Professor Sylvian Fachard, Cynthia Odier, die Gründerin und künstlerische Leiterin des Flux Laboratory, sowie Botschafter Jacques Ducrest, der Leiter der Abteilung Internationale Beziehungen im Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), ergriffen ebenfalls das Wort. Der Anlass wurde von einem künstlerischen Programm umrahmt.

In einem internationalen Kontext, der sich durch zahlreiche globale Herausforderungen auszeichnet, zeugt die Schaffung des Schweizer Hauses der Kultur, Forschung und Diplomatie in Athen von einem modernen und interdisziplinären Verständnis von Diplomatie. Dieses steht auch im Einklang mit den Zielen der Aussenpolitischen Strategie 2024–2027.

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