Vom Krieg vertriebene Bäuerinnen und Bauern erarbeiten sich eine wirtschaftliche Perspektive

Projekt abgeschlossen
Marktsituation in Darfur im Sudan.
Kleinbäuerinnen und Kleinbauern werden im Rahmen des Wiederaufbauprogramms von UNDP mit Zwischenhändlern in Kontakt gebracht, die die Produkte auf grösseren Märkten anbieten. © UNDP © UNAMID

Seit über 13 Jahren herrschen im Sudan schwere Konflikte, die die Menschen zur Flucht zwingen und ihre wirtschaftlichen Grundlagen zerstören. Die DEZA unterstützt ein Wiederaufbauprogramm der UNO im Sudan, mit dem unter anderem die wirtschaftliche Situation von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern verbessert wird.

Land/Region Thema Periode Budget
Sudan
Humanitäre Hilfe & DRR
Landwirtschaft und Ernährungssicherheit
Wiederaufbau und Wiedereingliederung
Förderung von landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette (bis 2016)
01.04.2016 - 31.12.2017
CHF 1'000'000

Die bewaffneten Konflikte zwischen der sudanesischen Regierung, der Opposition und ethnischen Gruppierungen haben gemäss der UNO bislang 3,1 Millionen Sudanesinnen und Sudanesen innerhalb des Landes vertrieben; davon 2,6 Millionen in Darfur und mehr als 550‘000 in Süd- und Westkordofan sowie Blue Nile. In den ersten Monaten des Jahres 2016 ist die Zahl intern Vertriebener wegen neuer Notsituationen weiter angestiegen, insbesondere in Darfur.

Die Bevölkerung Sudans ist auf humanitäre Hilfe angewiesen, einerseits aufgrund des Kriegs, andererseits wegen wiederholter Naturereignisse  wie Dürren und Überschwemmungen, die Mangel- und Unterernährung verursacht haben.

Über Sammelfonds trägt die Schweiz dazu bei, dass Nothilfeprojekte rasch finanziert werden können. Gleichzeitig ist eine längerfristige Wiederaufbauhilfe notwendig, da Lebensgrundlagen und Ressourcen zerstört wurden. In diesem Sinne richtet die DEZA seit 2011 einen Beitrag an das Wiederaufbauprogramm der Entwicklungsagentur der UNO in Darfur (Darfur Livelihoods and Recovery Programme des United Nations Development Programme, UNDP).

Eine Komponente dieses Programms ist auf die Integration von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in die Wertschöpfungskette ausgerichtet. Die Menschen werden dabei unterstützt, ihre Lebensgrundlagen in traditionellen Marktbereichen wie Honig, Hibiskus, Erdnüsse, Häute oder Felle wiederherzustellen. 

 

Imkerinnen und Imker verbessern ihre Produkte

Der Schweizer Beitrag fliesst u.a. in die Sparte Honig, ein Teil des Bereichs Wertschöpfungskette im Wiederaufbauprogramm der UNDP. Von 2011 bis 2015 stieg die Anzahl der Haushalte in Imkerverbänden von 52 auf 3327 an. Im Jahr 2015 erhielten mehr als 2500 Imker-Haushalte Unterstützung dabei, ihre Produktionsmethoden und Produkte zu verbessern, Zugang zu neuen Märkten und Finanzdienstleistungen zu erhalten, Marktstrategien kennenzulernen und Nebenprodukte zu nutzen, z.B. Wachs. Dadurch konnten sie ihr Haushaltseinkommen erhöhen.

Neben einer sicheren Existenz für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern ist auch Friedenssicherung ein Ziel des Wiederaufbauprogramms von UNDP. Das eine wird durch das andere erreicht: sichere Lebensgrundlagen für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern tragen dazu bei, Konflikte z.B. zwischen Nomaden und sesshaften Bauern zu reduzieren.

Die Geschichte des Imkers Abdul-Aziz

Der 50-jährige Sudanese Abdul-Aziz Mohammed Salih musste wegen der Konflikte in seinem Land mit Frau und Kindern sein Dorf Bindisi in Zentral-Darfur verlassen. Er fand in einem Lager für Binnenvertriebene Zuflucht. Nach einigen Monaten entschied er sich, wieder in sein Dorf zurückzukehren und die Landwirtschaft sowie die Imkerei wieder aufzunehmen.

2013 kam er zum Honig-Projekt von UNDP und nahm an allen Fortbildungsveranstaltungen teil. Seither erzeugt er mehr Honig und Wachs. Diese bereitet er für den Verkauf auf Märkten in der näheren und weiteren Umgebung auf.

«Seit ich mit Hilfe des Wertschöpfungsprojekts meine Imkerei betreibe, in der ich Honig und Wachs erzeuge und verarbeite, kann ich meine Familie ernähren. Ich verkaufe meine Produkte auf dem lokalen Markt und auch weiter entfernt in Nyala, Khartum und Omdurman», sagt er.

Der Schwerpunkt der Schweizer Kooperationsstrategie Sudan 2013–2017 liegt in den drei Bereichen Nahrungssicherheit und Existenzsicherung, Grundversorgung (Gesundheit, Wasser und sanitäre Einrichtungen) sowie Menschliche Sicherheit (Menschenrechte). Die DEZA unterstützt Projekte in Darfur, Südkordofan und Blue Nile, kann bei Bedarf aber rasch auch in anderen Regionen tätig werden.