Das Vermächtnis der Schweizer Zusammenarbeit in Vietnam

Artikel, 10.05.2017

Wie seit mehreren Jahren geplant, hat die DEZA ihre bilaterale Zusammenarbeit mit Vietnam per Ende 2016 offiziell beendet. In den letzten 25 Jahren wurden verschiedene erfreuliche Entwicklungen verzeichnet. In zahlreichen ländlichen Bezirken verfügt die Bevölkerung nun über ein Mitspracherecht.

Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner in einem Raum stimmen durch Handaufheben ab.
Hunderttausende Vietnamesinnen und Vietnamesen können bei der Ausarbeitung von kommunalen Entwicklungsplänen neu mitbestimmen und haben so eine Form der partizipativen Demokratie kennengelernt. © DEZA

Ende 2016 ging ein wichtiges Kapitel zu Ende: Die DEZA beendete ihre 25-jährige bilaterale Zusammenarbeit mit Vietnam. Für die weitere Kooperation ist das SECO zuständig, das Vietnam 2008 zu einem Schwerpunktland seiner wirtschaftlichen Zusammenarbeit erklärte. Die DEZA wird in Zukunft nur noch über Regionalprogramme und thematische Initiativen, insbesondere in den Bereichen Ernährungssicherheit, Wasserwirtschaft und Klimawandel, in Vietnam tätig sein. Die Abteilung Menschliche Sicherheit des EDA wird den Menschenrechtsdialog mit der vietnamesischen Regierung weiterführen. 

Weshalb hat die DEZA ihre bilaterale Zusammenarbeit in Vietnam beendet? Wie sieht die Bilanz aus? Vietnam ist 2010 in die Kategorei der Länder mit mittlerem Einkommen aufgestiegen, nachdem die Armutsquote erheblich gesenkt und die Institutionen des Landes gestärkt wurden. Angesichts anderer prioritärer Interventionsbereiche entsprach das Land den Kriterien der DEZA für ein langfristiges Engagement damit nicht mehr. Dank ihrem Rückzug kann die DEZA nun vermehrt Ressourcen in anderen Regionen einsetzen, namentlich in Afrika. 

Partizipative Demokratie

In den letzten 25 Jahren wendete die DEZA insgesamt 216 Millionen Franken für rund dreissig Projekte auf. Die erzielten Resultate sind sehr vielversprechend. Dies geht aus einer externen Evaluation hervor, die im Auftrag der DEZA erstellt wurde. Mehrere Projekte haben zur Entstehung einer partizipativen Demokratie in Vietnam beigetragen, zumindest in den Regionen, in denen die DEZA tätig war. Hunderttausende Einwohnerinnen und Einwohner von Dörfern können heute bei der Ausarbeitung kommunaler Entwicklungspläne mitbestimmen. Das ist ein Fortschritt in einem Land, das für seine sehr zentralisierte Regierungsführung bekannt ist. 

Die Bevölkerung konnte sich beispielsweise zu prioritären Investitionen auf lokaler Ebene äussern und beim Bau oder der Instandstellung von fast 3500 Infrastrukturanlagen (Strassen, Brücken, Kanalisationen, Kinderkrippen, Schulen, Toiletten, Kulturzentren) mitwirken.

Asia Brief «Zum ersten Mal können wir selber entscheiden, was wir wirklich wollen!» (PDF, Anzahl Seiten 4, 655.0 kB, Deutsch)

 

Rund zwanzig Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner mit Hacken bei den Erdarbeiten für eine Zufahrtsstrasse.
Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner bauen eine Zufahrtsstrasse, nachdem sie die lokalen Behörden von der Notwendigkeit dieser Investition überzeugt haben. © DEZA

Das Engagement der DEZA war mehr als eine vorübergehende Hilfestellung für ausgewählte ländliche Regionen in Vietnam. Es leitete einen tiefgreifenden Wandel hin zu einer Dezentralisierung der Staatsmacht ein. Die Behörden der Provinzen Cao Bang und Hoa Binh haben den von der DEZA befürworteten partizipativen Ansatz übernommen. Sie verwenden nun einen Teil ihres Budgets für Gemeindeentwicklungsfonds. Andere Provinzen dürften ihrem Beispiel folgen.

Bessere Vermarktung lokaler Produkte

Ein weiteres Vorzeigeprojekt der DEZA in Vietnam betraf die bessere Vermarktung von acht wirtschaftlichen Schlüsselprodukten, darunter Gewürze, Bambus, Tee und traditionelle Textilien. Dadurch konnten über 25ʼ000 Familien ein höheres Einkommen erzielen. Die Geschäftsstrategien für einen besseren Zugang zum nationalen und internationalen Markt, die den KMU und mehreren Regierungsbetrieben vorgeschlagen wurden, haben sich insgesamt bewährt. Die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der KMU wird auch im Rahmen der Zusammenarbeit des SECO ein Thema bleiben.

Asia Brief: «Bekämpfung anhaltender Armut in Vietnam durch besseren Marktzugang» (PDF, Anzahl Seiten 4, 1.3 MB, Deutsch)

Film: «Market Access for the Rural Poor» (en)

 

Eine traditionell gekleidete Frau pflückt Teeblätter.
Tee ist eines der landwirtschaftlichen Produkte, deren Vermarktung die DEZA in Vietnam unterstützte. © DEZA

Zudem unterstützte die DEZA zwischen 1992 und 2016 den Aufbau eines «Master of Business Administration»-Studiengangs, ein umfangreiches partizipatives Stadtentwicklungsprogramm, verschiedene Berufsbildungsprojekte und die Einrichtung von „One-Stop-Shops“ für Verwaltungsdienstleistungen. Einige Projekte waren dagegen weniger erfolgreich. Mangels überzeugender Ergebnisse musste zum Beispiel ein Projekt zur Stärkung der Kapazitäten und des Handlungsspielraums der Abgeordneten der Nationalversammlung und der Provinzparlamente eingestellt werden.

Asia Brief: «25 Jahre DEZA in Vietnam» (PDF, Anzahl Seiten 4, 1.1 MB, Deutsch)

Engagement der DEZA in Vietnam 1992–2016: Projekte nach Sektoren

Grafikdarstellung Statistik des Engagements der DEZA in Vietnam 1992–2016
©DEZA