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Geschichten aus dem Osten und Süden auf Zürcher Theaterbühnen

Vom 18. August bis zum 4. September 2022 treten am Zürcher Theater Spektakel Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt auf. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) pflegt eine langjährige Partnerschaft mit dem Festival, um Kunstschaffende aus dem Osten und Süden zu unterstützen. Bühne frei für die kenianische Theatermacherin Wanjikũ Mwawuganga, die uns mit ihrem Stück in ihre Heimat mitnimmt.

Wanjikũ Mwawuganga sitzt auf der Bühne. Vor ihr stehen einige Objekte.

Künstlerinnen und Künstler regen mit ihren Werken eine wertvolle Diskussion über lokale und globale Herausforderungen an. © Steenie Njoroge.

Wanjikũ Mwawuganga tritt allein auf. Mit Fotografien, Stimmen und Geräuschen bringt sie Frauen aus ihrem Leben auf die Bühne, die mit ihr über Geburt und Mutterschaft sprechen. Ihre Teilnahme am Zürcher Theater Spektakel gibt uns Einblick in die Geschichte und Kultur von Generationen von kenianischen Frauen, Müttern und Töchtern.

Porträt von Wanjikũ Mwawuganga.
Wanjikũ Mwawuganga, Künstlerin aus Kenia. © Kimani Wandaka.

«Das Festival ermöglicht nicht nur den Austausch mit Kunstschaffenden aus der ganzen Welt, sondern auch mit grossen Talenten von meinem, dem afrikanischen Kontinent, die ich wahrscheinlich sonst nie kennengelernt hätte», sagt die Künstlerin. In Kenia gehört sie dem Maabara-Kollektiv an, einem Labor, das Theaterschaffenden einen sicheren Raum für ihre künstlerische Arbeit bietet und experimentelle Projekte fördert. «Dank der Unterstützung des Zürcher Theater Spektakels konnten wir im April dieses Jahres unser Programm für Nachwuchskünstlerinnen und -künstler mit einer ersten Gruppe starten», erzählt Wanjikũ Mwawuganga.

 In ihrem Solo «Roots» thematisiert die kenianische Theatermacherin ihre postnatale Depression und ihre Identitätssuche über vier Generationen von Frauen in ihrer Familie. «Nach der letztjährigen Aufführung in München fühlte ich die Schönheit der Verbundenheit mit Müttern aus unterschiedlichen Weltregionen. Ich hoffe, dass sich auch das Publikum in Zürich mit meiner Arbeit identifizieren kann», sagt sie weiter.  

Vom Theater zu lokalen und globalen Herausforderungen

Porträt von Christine Schneeberger.
Christine Schneeberger, stellvertretende Chefin Direktionsbereich Globale Zusammenarbeit der DEZA. © DEZA

Wanjikũ Mwawuganga betont auch, wie wichtig es sei, ihr Theaterstück dem schweizerischen und ganz allgemein dem europäischen Publikum zu zeigen, um es mit fernen und oft auch eher unbekannten Kulturen und Realitäten in Kontakt zu bringen. Mit ihren Kulturpartnerschaften wie derjenigen mit dem Zürcher Theater Spektakel will die DEZA Begegnungen und den Dialog mit und zwischen Kunstschaffenden aus dem Osten und Süden fördern. Die Länder, in denen die DEZA tätig ist, verfügen über wenig Mittel zur Förderung von Kunst und Kultur. Angesichts der globalen Herausforderungen ist es umso wichtiger, den Kunstschaffenden in diesen Weltregionen eine Stimme zu geben. «Künstlerinnen und Künstler regen eine wertvolle Diskussion über lokale und globale Herausforderungen an, die die Entwicklung des Einzelnen und der Gesellschaft begleitet. Den Zugang zu ihren Werken zu fördern bedeutet, Toleranz zu fördern und die kulturelle Vielfalt zu bewahren», sagt Christine Schneeberger, stellvertretende Chefin Direktionsbereich Globale Zusammenarbeit der DEZA. «Durch die Zusammenarbeit mit Kulturinstitutionen in der Schweiz erleichtert die DEZA diesen Kunstschaffenden nicht nur den Zugang zum internationalen Kulturmarkt, sondern stärkt auch die Kunstszene in ihren jeweiligen Ländern», fügt sie hinzu.  

Der Austausch zwischen den Verantwortlichen des Zürcher Theater Spektakels und den in verschiedenen Teilen der Welt tätigen DEZA-Mitarbeitenden ermöglicht Synergien bei der Themenwahl und der Zielsetzung. «Die Tätigkeitsfelder und die Erfahrung der DEZA-Mitarbeitenden stimmen mit unseren Interessen überein und führen zu neuen Kooperationen. Wir wollen nicht nur über Kunst sprechen, sondern auch über die Kunstschaffenden, ihre Geschichten und ihre sozialen und politischen Realitäten», erklären Sarah Wendle und Matthias von Hartz, beide in der Leitung des Zürcher Theater Spektakels. 

Mehr Visibilität für die Kunstschaffenden

Das Solostück von Wanjikũ Mwawuganga ist Teil der «Short Pieces», einem Format, bei dem das Publikum mehrere kurze Stücke an einem Abend sehen kann. Es steht namentlich Theaterschaffenden offen, die noch keine bühnenfertigen Werke haben, die ihre Arbeit aber mit dem Publikum und anderen Berufsleuten teilen wollen, um Feedback zu erhalten. «Kunstschaffende, die nicht über genügend Mittel oder Möglichkeiten für eine Theaterproduktion in ihren Ländern verfügen, erhalten so Zugang zum westlichen Markt für darstellende Künste. Viele Künstlerinnen und Künstler aus dem Süden und Osten haben dadurch an Sichtbarkeit gewonnen und Partnerschaften für weitere Projekte gefunden» erklären Sarah Wendle und Matthias von Hartz.

Neue Formen der Kunstproduktion

Porträt von Matthias von Hartz.
Matthias von Hartz, künstlerischer Leiter des Zürcher Theater Spektakels © Kira Barlach, Zürcher Theater Spektakel

Das Theater ist eine Plattform, die vieles ermöglicht. So definiert der künstlerische Leiter Matthias von Hartz das Theater. Selbst in äusserst schwierigen Zeiten, wie der Pandemie, ist seine Kraft spürbar. Die Pandemie bot Gelegenheit, neue Wege zu suchen, um das Kunstschaffen aus fernen Weltregionen in die Schweiz zu bringen: «Die Künstler Ogutu Muraya aus Kenia und Nashilongweshipwe Mushaandja aus Namibia entwickelten neue künstlerische Ausdrucksformen, um ihr Schaffen dem Festivalpublikum näher zu bringen, ohne in Zürich anwesend zu sein», erzählt der künstlerische Leiter. «Das deutsche Künstlerkollektiv LIGNA bat 13 Choreografinnen und Choreografen, namentlich aus dem Süden und Osten, Videos einzusenden, die vom Festivalpublikum selbst in den öffentlichen Raum der Stadt Zürich gebracht wurden» fasst er zusammen.

Die DEZA fördert mit ihren Kulturpartnerschaften nicht nur die künstlerische Arbeit, sondern auch die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für Kunstschaffende sowie Ausbildungsmöglichkeiten und den Zugang der Bevölkerung zu Kunst und Kultur.