Bessere Arbeitsmarktintegration durch Stärkung der staatlichen Arbeitsvermittlungsstellen

Projekt abgeschlossen
An der Jobmesse in Tuzla erhalten Jugendliche Informationen zur Stellensuche.
An der Jobmesse in Tuzla, die das Projekt zusammen mit einer privaten Arbeitsagentur realisierte, erhalten Jugendliche Informationen zur Stellensuche. © DEZA

Ziel des «Youth Employment Project» (YEP) ist eine bessere Integration junger Frauen und Männer insbesondere aus benachteiligten Bevölkerungsgruppen in den Arbeitsmarkt. Bei diesem Projekt wird eng mit den staatlichen Arbeitsvermittlungsstellen zusammengearbeitet, damit diese ihr Angebot und insbesondere ihre Kapazität, Jugendliche erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu integrieren, verbessern können. Das Projekt YEP soll auch die Politik von Bosnien und Herzegowina im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit positiv beeinflussen.

Land/Region Thema Periode Budget
Bosnien und Herzegowina
Beschäftigung & Wirtschaftsentwicklung
Bildung
Schaffung von Arbeitsplätzen
Bildungspolitik
Alltagsfähigkeiten
01.10.2011 - 31.03.2016
CHF 3'600'000

Schwierige Ausgangslage: hohe Jugendarbeitslosigkeit, komplexe politische Struktur, schwache Arbeitsvermittlungsstellen und entmutigte junge Frauen und Männer


In BiH sind fast 60% der Jugendlichen zwischen 15 und 24Jahren arbeitslos. Die staatlichen Arbeitsvermittlungen sind nicht in der Lage, wirksame, kundenorientierte Leistungen anzubieten und den arbeitslosen Jugendlichen die Hilfe zu bieten, die sie benötigen. Vor allem benachteiligte Jugendliche haben keinen Zugang zu geeigneten Unterstützungsmechanismen. Für sie ist es deshalb schwierig, den Einstieg in die Arbeitswelt zu schaffen.

Für die geringe Effizienz der Arbeitsvermittlungen gibt es vielfältige Gründe: Einerseits fehlt es diesen Stellen an Personal, weshalb die Mitarbeitenden mit administrativen Aufgaben überlastet sind, andererseits verkompliziert die komplexe politische Struktur des Landes die Prozesse: Dass auf Staats-, Entitäts- und Kantonsebene insgesamt 13 Institutionen in die Arbeitslosenproblematik involviert sind, wirkt bremsend auf jegliche Bemühungen.
Als Folge dieser Situation haben die jungen Erwachsenen kein Vertrauen in die bestehenden Systeme und Institutionen. Sie empfinden ihre Lage als hoffnungslos und werden immer mutloser und passiver.

Aktueller Schwerpunkt des YEP-Programms: die staatlichen Arbeitsvermittlungsstellen


Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in BiH und insbesondere für die Integration junger Erwachsenen in den Arbeitsmarkt ist es aus den erwähnten Gründen enorm wichtig, die Wirksamkeit und die Ergebnisse der Arbeitsvermittlungsstellen zu verbessern.

Während der Fokus des Projekts in den bisherigen Phasen auf verschiedenen kleinräumigen, lokalen Interventionen lag, die hauptsächlich durch NGOs und private Arbeitsvermittlungsagenturen umgesetzt wurden, soll das Projekt nun Einfluss auf das gesamte Arbeitslosensystem nehmen. Deshalb stehen in der aktuellen Phase des Projekts die staatlichen Arbeitsvermittlungsstellen im Mittelpunkt. Ein besonderes Augenmerk der Beschäftigungsförderung in ländlichen Gebieten, wo die Bevölkerung einen schlechteren Zugang zu Unterstützungsmechanismen hat und häufig von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen ist.

Entsprechend soll das Projekt die Integration junger Frauen und Männer in den Arbeitsmarkt verbessern, insbesondere für benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Dazu werden drei zusammenhängende Resultate angestrebt:

1) Aufbau der Kapazitäten der Arbeitsvermittlungen. Im Zentrum stehen die Stärkung des internen Managements der Vermittlungen und ihrer Fähigkeit, passende Stellen für Arbeitslose zu finden.

2) Unterstützung für benachteiligte Jugendliche, insbesondere Langzeitarbeitslose und Jugendliche in ländlichen Gegenden, durch verschiedene Instrumente und Initiativen zur Stärkung ihrer Erwerbsaussichten und Hilfe bei der Stellensuche.

3) Einflussnahme auf die Politik zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, indem versucht wird, den Stellenwert dieser Problematik in der politischen Agenda des Landes zu erhöhen und die Bevölkerung zu sensibilisieren. Dass eine solche Wirkung erreicht wird, ist für nachhaltige Projektergebnisse entscheidend.

Kombination aus Bottom-up- und Top-down-Massnahmen: Einführung und Verbreitung innovativer Ansätze auf lokaler Ebene und Zusammenarbeit mit hochrangigen politischen Entscheidungsträgern


Einerseits wird beim YEP-Projekt eng mit den lokalen Arbeitsvermittlungsstellen zusammengearbeitet, um mit Unterstützung von NGO und privaten Stellenvermittlungen innovative Ansätze auf Pilotbasis einzuführen und später im ganzen Land anzuwenden. Unter anderem sollen Modellbüros, Performancemanagement und Job Clubs (siehe unten) dazu beitragen, die Methoden der staatlichen Arbeitsvermittlungsstellen zu verbessern.

Andererseits arbeitet das Projekt mit Führungskräften von staatlichen Vermittlungsstellen und Entscheidungsträgern zusammen, um politische Veränderungen zu initiieren und neue Strategien zu entwickeln. Massnahmen auf dieser Ebene sind nationale Foren über Jugendarbeitslosigkeit (siehe unten), Studienreisen und Sensibilisierungsaktivitäten.

Gute Ergebnisse dank starkem Engagement der staatlichen Arbeitsvermittlungen


Aufgrund der Arbeit in der ersten Projektphase sind die staatlichen Arbeitsvermittlungsstellen nun sehr bestrebt, ihre Kapazitäten weiterzuentwickeln und ihre Wirkung zu verbessern. Dank dieser fruchtbaren Zusammenarbeit und erfolgreichen früheren Pilotmassnahmen wurden im ersten Jahr der zweiten Phase bereits gute Ergebnisse erzielt:

  • Als aktive Massnahme gegen die Langzeitarbeitslosigkeit wurde ein landesweites Netzwerk von 16 Job Clubs aufgebaut, und das Profil der Verantwortlichen der Job Clubs wurde in die Organigramme der Arbeitsvermittlungsstellen aufgenommen.
  • Zwei Stellenvermittlungen dienen als Modellbüros, in denen die Arbeitsmethoden, das interne Management und die Infrastruktur so optimiert werden, dass sie internationalen Standards genügen. Diese Vermittlungen werden dann als Beispiele verwendet und sollen Impulse für weitere Veränderungen im Beschäftigungssystem geben.
  • Das erste Forum für Jugendbeschäftigung wurde in Zusammenarbeit mit Jugend-NGOs organisiert, wobei der Fokus auf Good Practices und Erfolgsgeschichten im Bereich der Beschäftigung lag. Das Forum, an dem zahlreiche Akteure aus BiH teilnahmen, trug dazu bei, ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen.

Wichtigste Erkenntnis: Ein komplexer institutioneller Kontext erfordert spezifische Massnahmen auf allen Ebenen


Zu den wichtigsten Erkenntnissen gehört, dass in BiH mit Institutionen aller Ebenen gearbeitet werden muss und deren Besonderheiten zu berücksichtigen sind. Die Gültigkeit dieser Erkenntnisse beschränkt sich natürlich nicht auf das YEP-Projekt oder BiH. In einer institutionellen Umgebung, die so komplex ist wie in BiH, ist jedoch der Aufbau von Beziehungen mit den Institutionen auf Staats-, Entitäts- und Kantonsebene entscheidend für den Erfolg und die Wirksamkeit der Interventionen.