Schweizer Gemeinden unterstützen den Zugang zu sauberem Wasser im Süden


Einwohner von Nouakchott schaufeln einen langen Graben in die sandige Strasse, wo ein Abschnitt der neuen Wasserleitung der mauretanischen Hauptstadt gelegt werden soll. Ein kleines Mädchen sitzt am Strassenrand und schaut zu.
Im Rahmen der Partnerschaft zwischen Lausanne und Nouakchott konnte das Wasserverteilnetz der mauretanischen Hauptstadt um 50 Kilometer erweitert werden. © Service de l’eau de la ville de Lausanne © Service de l’eau de la ville de Lausanne

Solidarit’eau suisse unterstützt Projekte für einen besseren Zugang zu sauberem Trinkwasser in Entwicklungsländern. Schweizer Gemeinden und andere Körperschaften können auf einer von der DEZA initiierten Internet-Plattform Projektlisten einsehen und dort, wo sie sich stärker einbinden wollen, Kontakt mit ausländischen Partnern aufnehmen.

Land/Region Thema Periode Budget
Schweiz
Wasser
Governance
Trinkwasser und Siedlungshygiene (WASH) (bis 2016)
Wasserversorgung
Dezentralisierung
01.01.2016 - 31.10.2019
CHF 710'000

Der Zugang zu sauberem Wasser und zu sanitären Anlagen ist seit 2010 als Menschenrecht anerkannt und ein wesentlicher Teil der menschlichen Grundversorgung. In den letzten 25 Jahren stieg der Anteil der Weltbevölkerung, der ausreichenden Zugang zu Trinkwasser hat, von 76% auf 91%. Ungeachtet der immensen Fortschritte müssen weltweit noch immer nahezu 2,4 Milliarden Menschen – also jede dritte Person – ohne sanitäre Anlagen auskommen. Auch heute noch haben 2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. Dies führt zu grossen Herausforderungen im Bereich Hygiene und öffentliche Gesundheit.

Solidarit’eau suisse ist ein weiterer Beitrag der Schweiz, diesem Missstand in den bedürftigsten Regionen der Welt abzuhelfen. Auf der Website von Solidarit’eau können Schweizer Nichtregierungsorganisationen (NGO) ihre Projekte vorstellen. Wer sich als Partner an einer Projektfinanzierung beteiligen will, kann sich hier einen aktuellen Überblick verschaffen. Zur Qualitätssicherung werden sämtliche Projekte von unabhängigen Experten geprüft, bevor sie online gestellt werden. Die administrativen Kosten der Projekte werden vollumfänglich von den mit der Umsetzung betrauten NGO getragen. So erreicht jeder von Schweizer Partnern investierte Franken direkt die Menschen vor Ort.

Schweizerische Solidarität

82% des Wasserverbrauchs der Schweizerinnen und Schweizer entfällt auf landwirtschaftliche Erzeugnisse und Industrieprodukte, die im Ausland hergestellt und in die Schweiz importiert werden. Die Schweiz engagiert sich und zeigt sich solidarisch gegenüber den Ländern, welche über knappe Wasserressourcen verfügen.

Die Beiträge von Schweizer Gemeinden stellen derzeit die wichtigste Finanzierungsquelle von Solidarit’eau dar. Einige Gemeinden haben dabei innovative Ideen verwirklicht. So unterstützen 17 Gemeinden der französischen Schweiz eine Partnerschaft zwischen den Städten Lausanne und Nouakchott in Mauretanien. Ziel ist es, das Wasserversorgungsnetz der mauretanischen Hauptstadt zu verbessern. Die beteiligten Schweizer Gemeinden und ihre Wasserwerke geben pro Kubikmeter Wasser etwa einen Rappen an die Partnerschaft ab. Auf diese Weise konnten bereits über 1,7 Millionen Franken gesammelt werden.

Zusammenarbeit und Austausch zwischen Städten im Norden und Süden

Als das Projekt im Jahr 2009 lanciert wurde, verfügte nur ein Drittel der eine Million zählenden Bevölkerung von Nouakchott über fliessendes Wasser. Der Grossteil der Bevölkerung musste ihr Wasser an Tankwagen holen oder für teures Geld bei Strassenhändlern besorgen. Seitdem haben die beiden Partnerstädte zahlreiche sanitäre Anlagen installiert und ein über 50 Kilometer langes Leitungsnetz für die Wasserversorgung aufgebaut.

Sobald die Behörden die Städtepartnerschaft besiegelt hatten, haben die Wasserbetriebe die Strategie für die Projektumsetzung festgelegt. Seitdem treffen Ingenieure aus Lausanne und Nouakchott sich mehrmals pro Jahr, um aktuelle technische Frage zu klären und sich über Fachthemen auszutauschen. Über seinen finanziellen Beitrag hinaus ist Lausanne somit auch vor Ort aktiv und unterstützt den Know-how-Transfer zwischen den Mitarbeitenden der beiden Städte. Nouakchott trägt auch zur Selbstfinanzierung der Projekte in Höhe von mehr als 10% bei. Die Beteiligten bezeichnen die Erfahrung als sehr bereichernd, geht doch der Austausch weit über technische Fragen zum Wassernetz hinaus.