Erneuerbare Energiequellen für die neue Botschaft in Seoul

Aufnahme der Botschaft vom Innenhof aus. Im Hintergrund sind diverse Hochhäuser von Seoul zu sehen.
Die neue Schweizer Botschaft in Seoul ist zentral gelegen und ermöglicht Mitarbeitenden so, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. © BBL

2014 wurde die Schweizer Botschaft in Seoul, Südkorea, abgerissen und eine Übergangslösung wurde geschaffen. Seit Februar 2019 bietet das neue Botschaftsgebäude nun die Chance, nachhaltiges Arbeiten zu optimieren. Energie soll fortan aus Sonne und Geothermie produziert werden.

Bei der Planung sowie der Umsetzung des neuen Botschaftsgebäudes in Südkorea stand stets die Nachhaltigkeit im Vordergrund. So wurde bei den Bauarbeiten darauf geachtet, die Menge der gebrauchten Materialien sowie die Transportwege möglichst gering zu halten. Zudem konnte durch die ganzheitliche Planung und die Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten der Energiebedarf von Heizung, Lüftung und Klimaanlage massgeblich reduziert werden.

Sonne und Erde als Energiequelle

Die Botschaft nutzt alle vorhandenen erneuerbaren Energiequellen optimal aus: Für die Stromproduktion ist die hauseigene Fotovoltaikanlage zuständig und thermische Solaranlagen produzieren das benötigte Warmwasser.

Doch nicht nur die Wärme der Sonne wird als Energiequelle verwendet, auch geothermische Energie wird aktiv genutzt. Dies geschieht mittels Erdwärmesonden. Ein mit zirkulierender Wärmeflüssigkeit gefülltes U-förmiges Rohrsystem wird in ein Bohrloch in die Erde eingebaut. Mit diesen Sonden wird dem Untergrund Bodenwärme entzogen und an die Wärmepumpen weitergegeben. Mit der Nutzung dieser Geothermie wird zusätzliche, erneuerbare Energie produziert und aktiv genutzt. Mit der Solaranlage und der Wärmepumpe kann die Botschaft rund 75% ihres gesamten Energiebedarfs decken.

Auf den ersten Blick scheinen Investitionen in erneuerbare Energien in Südkorea wenig opportun, da die Strompreise derzeit tief sind. Fachleute rechnen in den nächsten Jahren aber mit einem Anstieg der Preise. Damit würden sich die Investitionen rasch auszahlen. Diese umfassenden Massnahmen lohnen sich also nicht nur im Sinne der Nachhaltigkeit, sondern auch finanziell.

Luftaufnahme des Botschaftsgebäudes. Die Solaranlagen auf dem Dach sowie die Gartenanlage sind ersichtlich.
Das neue Botschaftsgebäude in Seoul nutzt Solarenergie und Geothermie. Zudem wird die Gartenanlage ausschliesslich mit Regenwasser bewässert. © BBL

Weitere Schritte Richtung Nachhaltigkeit

Um Wasser zu sparen, wird für die Bewässerung der Gartenanlage und die Reinigung der Gebäude ausschliesslich Regenwasser genutzt.

Bereits bei der Auswahl der Baustoffe für das neue Gebäude wurde sehr auf recycelte Materialien geachtet: So besteht ein grosser Teil der Fassade aus Beton und Holz, beides Materialien, die wiederverwendbar sind.

Die Überlegungen zu mehr Nachhaltigkeit umfassen auch die Mobilität der Mitarbeitenden. Der Standort der neuen Botschaft wurde bewusst so gewählt, dass sich zwei Metrostationen in unmittelbarer Nähe befinden. Das erlaubt den Mitarbeitenden mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Zusätzlich verfügt die Botschaft über ein Hybridauto als Dienstfahrzeug.

Ein weiteres Merkmal des neuen Botschaftsgebäudes ist eine Zentralisierung aller Dienstleistungen. Das bedeutet, dass verschiedene Funktionen der Botschaft im gleichen Gebäude untergebracht sind, was zu einer Verringerung der Dienstwege führt. Dazu gehört auch das sogenannte Multi-Raum Konzept. Dieses erlaubt in Zukunft ein platzsparendes, verdichtetes Arbeiten.

Das neue Gebäude erreicht dank all seinen Massnahmen Minergie-ECO-Werte. Dabei werden die bekannten Minergie-Baustandards mit den Themen Gesundheit und Bauökologie ergänzt. Die gesundheitlichen Aspekte berücksichtigen Themen wie Tageslicht, Schallschutz oder Innenraumklima, die bauökologischen Aspekte Themen wie graue Energie oder nachhaltiges Gebäudekonzept.