Kühlen mit Solarenergie in Indien

Zweistöckiges Gebäude der Botschaftskanzlei mit Wasserbecken im Vordergrund.
Eine solare Kühlung ersetzt das bisherige System der alten Kompressionskältemaschinen in der Botschaftskanzlei Neu-Delhi. © BBL

In Neu-Delhi können die Temperaturen an einzelnen Tagen bis auf 48°C ansteigen. Entsprechend muss mit viel Energieaufwand gekühlt werden. Der Strom dafür stammt in Indien grösstenteils aus Kohlekraftwerken mit hohen Schadstoff-Emissionen. Die Schweizer Botschaft in Neu-Delhi hat nun im Einklang mit der Agenda 2030 und der Strategie Nachhaltige Entwicklung 20162019 des Bundesrats eine innovative Lösung für dieses Problem gefunden.

Nachhaltige Kühlung dank neuer Technologie

Eine solare Kühlung ersetzt seit 2014 das bisherige System der alten Kompressionskältemaschinen. Dabei wird zuerst in Sonnenkollektoren Wasser erwärmt. Eine Absorptionskältemaschine nutzt dann dieses aufgewärmte Wasser zur Produktion der Kälte, ganz wie ein gängiger Kühlschrank im Haushalt. Das System kühlt am meisten, wenn es am dringendsten gebraucht wird, d. h. wenn die Sonne am stärksten scheint. Die Wärme der Sonne dient der Kühlung und überwindet die Hitze! Die solare Kühlung funktioniert auch bei bedecktem Himmel, denn auch diffuse Strahlen können ausreichend absorbiert werden, um Kälteenergie zu produzieren. Mit diesem effizienten System können im Idealfall 134’000kWh Strom und 132 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Dies entspricht der Menge CO2- Emissionen, die eine Person verursacht, wenn sie 132mal von Zürich auf die kanarischen Inseln und zurück fliegt.

Nachhaltiges Bauen

Die Botschaft in Neu-Delhi zeichnet sich noch durch eine weitere Neuerung aus: Als das Visazentrum umgebaut werden musste, wurde dafür ein Provisorium erstellt. Die Verantwortlichen haben dabei auf eine nachhaltige Bauweise gesetzt: Für die Aussenmauern konnte ein neuartiger Zement verwendet werden, der von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne (EPFL) entwickelt worden war. Finanziert wurde das Projekt von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA). Dieser Baustoff mit der Bezeichnung «LC3» verbindet traditionelle Zementbestandteile mit Kalkstein und kalziniertem Ton. Dadurch wird bei der Produktion zirka 30% weniger CO2 ausgestossen als bei der Herstellung von herkömmlichem Zement. Durch das Abdichten des Dachs mit Isolationsmaterial, dem Einschluss von Luft in den Aussenwänden und den doppelt verglasten Fenstern gelingt zudem eine perfekte Isolation des Gebäudes. Spezielle Räume für Botschafts-Mitarbeitende und Projektpartnerinnen und -partner schaffen ausgezeichnete Voraussetzungen für Telefon- und Videokonferenzen; zahlreiche Flugstunden können damit eingespart werden. Diese Massnahmen haben eine Signalwirkung für nachhaltiges Bauen in Indien.

Sensibilisierung und Kommunikation zum Thema Nachhaltigkeit

Nebst grösseren baulichen Massnahmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit legt die Botschaft auch Wert auf ein nachhaltiges Verhalten der Mitarbeitenden. Sie weist z. B. bei Sitzungen darauf hin, sparsam zu drucken und energieeffiziente Elektrogeräte zu verwenden.

Aber nicht nur Mitarbeitende werden sensibilisiert: Die Botschaft kommuniziert ihr Nachhaltigkeitsengagement aktiv. Sie veröffentlichte Kurzfilme über die Energieeffizienzmassnahmen im Neubau des Kooperationsbüros und über die DEZA-Projekte zum Thema Klimaschutz.