Address by the Federal Councillor Ignazio Cassis at the Ambassadors and International Network Conference 2018 (it,de,fr)

20.08.2018

Basel, 20.08.2018 - Check against delivery

Speaker: Head of Department, Ignazio Cassis

Signora Presidente del CdS di Basilea Città, cara Elisabeth
Signora Segretaria di Stato, cara Pascale
Signor Segretario di Stato, caro Roberto
Signor Segretario generale, caro Markus
Signora Direttrice e signori Direttori del DFAE
Signori Addetti alla difesa
Signore Ambasciatrici, Signori Ambasciatori
Care collaboratrici e cari collaboratori del DFAE
Signore e Signori

1. Chi sono

Benvenuti a questa giornata! Una preziosa opportunità per me, per conoscervi. E forse anche per voi, per farvi un’idea di me in modo più diretto e non filtrato da quanto si legge e si sente dire. E’ un grande piacere incontrarvi!

Nel sistema svizzero – diversamente da molti altri Paesi - i ministri non sono un’emanazione della “linea”. Spesso i miei colleghi stranieri hanno alle spalle una lunga carriera diplomatica. L’essere ministro è allora l’ultima tappa, il coronamento della carriera. Sono professionisti al servizio del Primo Ministro o Presidente. Non così in Svizzera, dove ci sono 7 “primi ministri” – ancorché ognuno solo per un settimo – che agiscono insieme da 170 anni in un organo collegiale.

La prima costatazione è dunque questa: non sono un diplomatico! Non ho studiato relazioni internazionali, non conosco in dettaglio le attività consolari e nemmeno ho condotto progetti di cooperazione internazionale. Sono una persona aperta, diretta, che ha scelto tardi di entrare in politica per amore della Svizzera e per il desiderio di contribuire a plasmare il futuro del nostro Paese.

Sono cresciuto in una famiglia di estrazione modesta, dove si conosceva bene l’importanza di andare diritti al nocciolo della questione. Una famiglia che mi ha insegnato ad assumere responsabilità, a rispettare gli altri e a impegnarmi per le mie idee, senza temere il confronto.
Rappresento una cultura minoritaria del nostro Paese, fiera di esserlo, anche perché creatasi con fatica in secoli di storia. L’italianità non è la semplice traduzione in lingua italiana della cultura romanda o svizzero-tedesca, ma un insieme di valori specifici. L’assenza di questa Svizzera dal Consiglio federale per quasi due decenni ha sicuramente impoverito la diversità politica svizzera.

Gli studi di medicina e di salute pubblica mi hanno educato all’approccio scientifico, al pensiero rigoroso. La relazione medico-paziente mi ha insegnato a esplorare l’essere umano nel suo funzionamento individuale ma anche collettivo. Come medico cantonale ho scoperto i segreti del funzionamento dell’amministrazione pubblica. Ho poi avuto il privilegio di approfondire queste dinamiche nel Parlamento federale e di trasmetterle nell’insegnamento universitario.

Eccomi qui, incaricato di organizzare e proporre al Consiglio federale la politica estera della Svizzera. Con il sostegno di un Dipartimento sparso su tutto il pianeta, di oltre 5’000 collaboratrici e collaboratori, il 10% dei quali di carriera diplomatica, e cosciente della responsabilità di utilizzare al meglio i circa 3 miliardi di franchi che i cittadini del Paese annualmente ci affidano.


2. Die Spielregeln

Viele Leute fragten sich zu Beginn: Welche Vorstellung hat Bundesrat Cassis von der Aussenpolitik? Andere fragten sich, ob ich das Departement führen würde oder mich durch so viele Fachleute würde führen lassen. Dabei musste ich schmunzeln! Das sind ja die üblichen Angangsfragen bei jedem neuen Bundesrat - und in jedem Departement. Welcome to Switzerland 

Meine Antwort ist relativ einfach:

1. Zuerst führe ich mein Departement mit dem Gesamtbundesrat. Die strategischen Entscheide werden ja vom Kollegium getragen. Da wir in der Schweiz keine GroKo haben - sondern eine VollKo (Vollkoalition) – ist kein genaues Koalitionsprogramm möglich.
Jede Woche bringen die Bundesräte ihre Ideen in die Sitzungen hinein; heraus kommen Kompromisse. Jede Sitzung ist eine Art politischer «Stresstest», der sich im Parlament und in der Bevölkerung bewähren muss. Das Legislaturprogramm des BR ist das Resultat dieser Spielregeln.

2. Dann führe ich das EDA mit Ihnen, geschätzte Damen und Herren. Sie sind meine Ressourcen! Sie stellen Ihr Knowhow dem EDA zur Verfügung und arbeiten an der Verwirklichung der strategischen Ziele. Das Primat der Politik ist dabei systemimmanent. Mir ist wichtig, dass im EDA eine transversale Arbeitsmethode verstärkt wird, die auf drei Säulen beruht: wissenschaftlicher Ansatz, Loyalität und Verantwortung.


3. Die Aussenpolitik

Die Aussenpolitik ist ein Mittel neben anderen, mit denen die Schweiz ihre Ziele umsetzt, wie sie in Artikel 2 der Verfassung verankert sind. Diese sind unsere «Mission», unsere «raison d’être». Sie sind der Auftrag, für den wir von den Bürgerinnen und Bürgern bezahlt werden.
Das Schweizervolk und die Kantone beauftragen die Eidgenossenschaft, die Freiheit und die Rechte des Volkes zu schützen und die Unabhängigkeit und Sicherheit des Landes zu wahren. Unsere Mission ist es auch, die gemeinsame Wohlfahrt, die nachhaltige Entwicklung, den inneren Zusammenhalt und die kulturelle Vielfalt des Landes zu fördern.
Die auswärtigen Angelegenheiten sind Sache des Bundes (Art. 54 Abs. 1); die Kantone sollen an der Vorbereitung aussenpolitischer Entscheide, die ihre Zuständigkeiten oder ihre wesentlichen Interessen betreffen, mitwirken (Art. 55 Abs. 1).
Weil es kein Bundesgesetz über die Aussenpolitik gibt, verfügt der Bundesrat über einen ziemlich grossen Handlungsspielraum und passt dementsprechend sein Handeln laufend an die geostrategische Entwicklung und an die innenpolitischen Erwartungen an.

Bei der Umsetzung verfügt er unter anderem über folgende Instrumente:
- die Guten Dienste des diplomatischen Korps,
- die konsularischen Dienstleistungen,
- die internationale Zusammenarbeit.

Diese müssen sich ihrerseits stets an die aussenpolitische Strategie anpassen. Die zentrale Frage ist also: welches ist die aussenpolitische Strategie des Bundesrats? Die geltende Strategie 2016-2019 kennen Sie ja.


Die Diskussion um die künftige Strategie hat dieses Jahr im Conseil de Direction begonnen. Strategische Ziele müssen – gemäss der gewöhnlichen normativen Führungslehre - aus einer Vision/Mission abgeleitet werden. Ist die Verfassung unser mission statement, dann muss dazu eine aussenpolitische Vision definiert werden.

Sie ist eine Leitidee, ein längerfristiges Zukunftsbild des Bundesrates, eine Art Big Picture. Sie soll eine Antwort auf die Frage liefern: «Wohin geht die Reise?» «Welche Chancen will die Schweiz nutzen und welche Risiken will sie eingehen?» Die Vision gibt uns eine Identität, zeigt für unsere Mitarbeitenden Bedeutung und Nutzen ihres Handelns auf und stiftet dadurch Sinn.

Mit einer solchen Vision können Akzente gesetzt werden oder, anders gesagt, strategische Ziele, die dazu dienen, unsere Tätigkeiten kohärenter zu strukturieren, damit sie wirksam und effizient erbracht werden können. Wir arbeiten zurzeit an einer Aussenpolitischen Vision 2028, die dem Bundesrat nächstes Jahr vorgelegt wird. Die aussenpolitische Strategie 2020–2023 wird bereits auf diese Vision ausgerichtet sein. Darauf basierend werden auch alle «Unterstrategien» ausgerichtet sein: von der IZA-Botschaft bis zu derjenigen über das internationale Genf.

Mit einem solchen Big Picture erwarte ich Klarheit, Struktur und Messbarkeit.
- Klarheit: um für Verständnis in der Bevölkerung zu sorgen.
- Struktur: um die Arbeit auf das Endziel zu fokussieren.
- Messbarkeit: um die Wirksamkeit und die Effizienz zu prüfen.

Rechtliche Verpflichtungen werden eingebaut und politische internationale Verbindlichkeiten – so genannte soft law – berücksichtigt.


4. La méthode de travail

En tant que représentantes et représentants diplomatiques, vous avez été investis d’un mandat fondamental, la mise en œuvre de notre stratégie de politique extérieure. Vous êtes les « messagers » de la Suisse, de ses valeurs et de ses institutions, et cela constamment, vingt-quatre heures sur vingt-quatre, sept jours sur sept. Une grande responsabilité et un honneur, qui vous demande une forte motivation pour être toujours à la hauteur.

Vous avez des privilèges liés au titre que vous portez et au statut dont vous bénéficiez. Vous vivez cette identité avec grande fierté et cela depuis le jour du concours diplomatique. Je suis conscient que ce choix personnel de carrière comporte également des défis, notamment dans votre vie quotidienne et dans celle de votre famille. Vous êtes soumis à la discipline des transferts, vos partenaires et vos enfants sont confrontés à de nombreux changements. En plus, vous êtes appelés à diriger une équipe que vous n’avez pas choisie. Ceci demande un effort continu et beaucoup de compétences sociales.

Mesdames, Messieurs les Ambassadeurs, je vous remercie pour tout ce que vous faites aux quatre coins de la planète et je vous encourage à me soutenir dans la réalisation de la stratégie du conseil fédéral. Ceci même – ou plutôt surtout – quand vous n’en partagez peut-être pas à 100% les buts. C’est justement dans ces moments-là que votre loyauté est mise à l’épreuve.

Je fais d’ailleurs le même exercice chaque semaine au conseil fédéral.


Unter Loyalität verstehe ich,
- dass Sie sich darum bemühen zu verstehen, was das Parlament, der Bundesrat oder ich von Ihnen erwarten;
- dass Sie sich kritisch damit auseinandersetzen;
- dass Sie offen, ehrlich und transparent die Diskussion darüber suchen und führen;
- dass Sie gefällte Entscheide und vorgegebene Stossrichtungen mittragen.

Ich erwarte nicht irgendeine blinde oder vorgespielte Loyaliltät zu mir als Person, sondern zu den Institutionen, für die Sie arbeiten - und die ich als Departementsvorsteher in ihrem Tätigkeitsbereich zu einem grossen Teil repräsentiere.


Venons-en maintenant aux deux autres aspects de la méthode de travailler ensemble qui me sont chers: l’approche scientifique et la responsabilité.

Par « approche scientifique » j’entends la capacité de remettre continuellement en question nos activités. Le questionnement critique est à la base de toute évolution: il n’y a pas de dogmes! Sortons de notre zone de confort, imaginons de nouvelles pistes pour atteindre les buts.

Bousculez les habitudes qui tuent l’innovation. Posons-nous sans arrêt la question de l’efficacité et de l’efficience. L'efficacité étant la mesure de notre capacité de parvenir aux objectifs fixés, l’efficience le rapport entre l’efficacité et les coûts. Si aucun objectif n’est fixé, parler d’efficacité et d’efficience n’a aucun sens ! Soyons clairs et structurés dans notre action. Et soyons-le aussi dans nos papiers: sans la clarté du langage, il est impossible d’expliquer les affaires internationales en Suisse et de créer la confiance. J’ai sollicité dès le départ des documents structurés et succincts avec autant de visualisations graphiques que possible.

Kurze Berichte, auf das Wesentliche fokussiert, sind nämlich deutlich schwieriger zu verfassen, ganz nach dem Motto «Ich schreibe dir einen langen Brief, weil ich keine Zeit habe, einen kurzen zu schreiben»!

Que ça soit le rapport de politique extérieure, le rapport national l’Agenda 2030 ou le message IZA au Parlement, le principe est le même !
Par « responsabilité » j’entends le fait d’« assumer » ! Ce n’est pas « la ligne » qui a écrit un document, c’est Monsieur X ou Madame Y. les collaborateurs peuvent se tromper, l’erreur est humaine et source d’amélioration. L’échec ne doit pas être caché : il nous permet d’évoluer. J’attends de la transparence dans nos projets, dans leur financement, dans leurs résultats. Je désire une culture qui connaisse la tolérance de l’erreur, non pas un Département paralysé par la terreur de la faute. Si votre liberté vous est chère, si vous voulez moins de bureaucratie sur votre poste de travail, assumez-en la responsabilité!

Voilà résumé en gros ces trois aspects de la méthode de travail : esprit scientifique, loyauté, responsabilité. J’y tiens beaucoup.

5. La carrière

De quelle diplomatie a-t-on besoin pour relever les défis du 21ème siècle? Lors de la finalisation de la réforme du personnel, j’ai souvent entendu parler de «diplomatie 2.0». J’avais compris que la direction politique allait lancer – peut-être déjà dans le cadre de cette BoKo – une réflexion en ce sens, ce que je salue favorablement!

Les trois carrières du DFAE – diplomatique, consulaire et de coopération internationale – ont chacune une riche histoire et peuvent s’enrichir réciproquement. La perméabilité des carrières est une évolution soutenue au Parlement, une transformation qui apporte des chances, mais également des défis. Nous allons continuer à favoriser la perméabilité des carrières en vue d’un Département ‘intégré’.

Vous le savez, il y aura une diversification des portes d’entrées pour accéder à la carrière diplomatique : le concours traditionnel restera, mais nous ajouterons un concours II, qui permettra à certains profils, et selon les besoins du département, d’entrer dans les carrières de politique étrangère.

Je saisis cette opportunité pour vous remercier du soutien que vous avez, en tant que cadres du département, apporté à la Direction des ressources pour aller de l’avant dans cette réforme.

6. Die Dossiers

Ich komme nun kurz auf drei Dossiers, welche für das EDA sehr wichtig sind oder immer wichtiger werden.
Das wichtigste Dossier ist zurzeit die Verhandlung mit der EU – ich möchte mich an dieser Stelle herzlich für die grosse Arbeit der DEA bedanken. Dass das Dossier mit grossen Schwierigkeiten verbunden ist, weiss jeder. Ich habe im Parlament selten eine Vorlage gesehen, welche so viele Veto-Player gleichzeitig tangiert. Es ist schwierig – aber es lohnt sich. Seit Amtsantritt sage ich: Machen wir unser Bestes – wenn es klappt, klappt es, wenn nicht – dann nicht. Wichtig ist, dass man es mit Engagement versucht!

Ein Dossier am nahen Horizont ist die nächste Botschaft für die internationale Zusammenarbeit. Hier ist mir wichtig, dem Parlament eine Botschaft vorzulegen, welche nicht mit «Ach und Krach» durchkommt – sondern eine gute Mehrheit in beiden Kammern auf sich vereinigt. Das heisst: Wir müssen die Wünsche des Parlaments antizipieren und nicht mit «business as usual» weitermachen. Die Botschaft muss stärker auf die Interessen der Schweiz ausgerichtet werden – u.a. im Bereich Migration.

Weiter am Horizont ist die UNO-Sicherheitsratskandidatur: Auch hier ist mir wichtig: Diese ist nicht Selbstzweck – wir machen das nicht aus Prestigegründen, sondern als Beitrag der Schweizer Professionalität im Dienste von Frieden, Sicherheit und Neutralität.
Das sind nur drei der vielen Geschäfte in der Pipeline unseres Departements – es werden aber drei schwierige Geschäfte. Um diese voranzubringen, müssen wir sie in der Bevölkerung verankern – sonst haben sie keine Chance. Das verlangt von uns allen einen starken Blick nach Innen – auch wenn wir im Ausland sind! Das meine ich, wenn ich sage: Aussenpolitik ist Innenpolitik.


7. Conclusione

Care collaboratrici, Cari collaboratori,

Nel limite delle possibilità ho incontrato tutti coloro che, passando da Berna, desideravano conoscermi. La porta è sempre aperta: chi non è ancora passato, è sempre il benvenuto. Mi rallegro di stringervi la mano e ascoltare le vostre esperienze, oggi o nelle prossime settimane.
Sono molto contento di avere il privilegio di dirigere questo Dipartimento e spero di poterlo fare abbastanza a lungo per conoscervi tutti personalmente!

Grazie per l’attenzione e buona conferenza!


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Federal Department of Foreign Affairs