«Die Post-2015 Agenda braucht eine Balance zwischen Wirtschaft, sozialer Gerechtigkeit und Umweltschutz»

 

Sibylle Bossart, Web-Redaktorin EDA-Information

18. August 2014 - Kitty van der Heijden, Direktorin der Denkfabrik World Ressources Institute Europe, hat am Koordinatorinnen und Koordinatorenseminar 2014 der DEZA in Martigny einen Plan der Post-2015 Agenda für eine nachhaltige Entwicklung skizziert. Notwendig sei, eine Balance zwischen den Säulen Wirtschaft, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz herzustellen sowie mit dem Privatsektor zusammenzuarbeiten.

«Wir sprechen darüber, wie wir zusammenleben; die nächsten Monaten stehen unter dem Motto ‚now or never‘»: So begann Kitty van der Heijden, verantwortlich für die europäischen Angelegenheiten des World Resources Institute (WRI), ihre Ausführungen zur Post-2015 Agenda. Es gehe darum, beim Übergang von den Millenniumszielen zur Post-2015 Agenda niemanden zurückzulassen.

Nicht nur Wachstum zählt
«Nachhaltige Entwicklung bedeutet, ein Gleichgewicht zwischen den Bereichen Wirtschaft, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz herzustellen.» Dies dränge sich in einer Zeit des konstanten Wandels auf, so die niederländische Ökonomin.

Im Bereich Wirtschaft hätten Entwicklungsländer im letzten Jahrzehnt ihren Rückstand auf andere Länder verkleinert, was ein gutes Zeichen sei. Die heutige Wirtschaft sei jedoch einseitig auf Wachstum ausgerichtet. Die Gewinne dieses Wachstums seien ungerecht verteilt und vernachlässigen ökologische Grundsätze. Die daraus resultierenden Probleme, insbesondere im Bereich Wasser, Energie, Luftverschmutzung oder Klimaerwärmung, treffen laut van der Heijden die armen Bevölkerungsgruppen besonders stark.

Herausforderungen und Verbesserungspotenzial sieht die Ökonomin in allen Bereichen. Notwendig sei ein integrierter Ansatz, welcher über das gängige Modell der Entwicklungszusammenarbeit hinausgehe und neben der sozialen und ökonomischen Dimension auch ökologische Herausforderungen einbeziehe.

 

Kitty van der Heijden, Direktorin des europäischen Büros des World Resources Institute Europe entwarf eine road map der Post-2015 Agenda.
Kitty van der Heijden, Direktorin des europäischen Büros des World Resources Institute Europe entwarf eine road map der Post-2015 Agenda.

Zusammenarbeit mit dem Privatsektor
Ein wichtiger Akteur zur Lösung dieser Herausforderungen sei der Privatsektor, so van der Heijden. Dieser gehe Probleme längerfristig an, was ein Vorteil sei. Es bestehe hoher Investitionsbedarf, um eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen und die Armut zu überwinden. Allein im Infrastrukturbereich – insbesondere für Wasser, Energie und Transport – betrage dieser für die Zeit zwischen 2010–2030 USD 100 Milliarden. Die offizielle Entwicklungszusammenarbeit (Official Development Assistance ODA), welche 2013 mit USD 135 Millionen so hoch wie nie war, kann nur einen kleinen Teil dieses Investitionsbedarfs abdecken.

Zum Schluss appellierte van der Heijden an die Zuhörerinnen und Zuhörer, umzudenken und neue Wege zu beschreiten. Sie tat dies mit einem Zitat des britischen Ökonomen John Maynard Keynes: «The difficulty lies not in the new idea, but in escaping from the old ones.»

Video Kitty van der Heijden: