Warum braucht es ein Ziel zu Frieden und inklusiven Gesellschaften? Argumente aus Honduras

Thomas Jenatsch, Programmbeauftragter der DEZA für Zentralamerika

7. April 2015 - Entwicklung und Sicherheit sind unzertrennbar wie die zwei Laufräder eines Fahrrads. Dies zeigt ein Blick nach Honduras. Deshalb unterstützt die Schweiz die Integration eines Ziels zu Frieden und inklusive Gesellschaften in die Post-2015 Agenda.

Honduras ist das Land mit der weltweit höchsten Gewaltrate. Darunter leiden alle Bürgerinnen und Bürger des Landes. Doch die Armen trifft es doppelt: Einerseits, weil 85% der Gewaltopfer aus minderprivilegierten Bevölkerungsgruppen stammen. Anderseits, weil staatliche Mittel vom Sozialbereich in den Sicherheitssektor umgelenkt werden, was vor allem die Armen trifft. Die hohe Unsicherheit drosselt auch das Wachstum der Binnenwirtschaft. Die Weltbank schätzt, dass die Unsicherheit Honduras rund 10% seines jährlichen Volkseinkommens kostet.

Illustration von Ziel 16 zu Frieden und inklusiven Gesellschaften.
Der Vorschlag der Open Working Group on SDGs enthält ein Ziel zu Frieden und inklusiven Gesellschaften, welches von der Schweiz unterstützt wird. © UNO

 

Was können Entwicklungsakteure im Bereich Entwicklung und Sicherheit tun?

In ihrer Studie «Crime and violence in Central America – a developmental challenge» von 2011 fordert die Weltbank Handeln auf drei Achsen: 1. Präventionsprogramme, 2. Sicherheits- und Justizreform zur Stärkung der Rechtsstaatlichkeit und 3. Regionale und internationale Zusammenarbeit.

Seit 2013 arbeitet die DEZA in Honduras entlang zweier dieser drei Achsen. In Zusammenarbeit mit der Interamerikanischen Entwicklungsbank engagiert sie sich für die Reform der nationalen Polizei, deren Ausbildung verbessert, Kontrollmechanismen verstärkt und deren Mandat stärker auf Prävention und Bürgernähe fokussiert wird. Im Bereich der Gewaltprävention setzt sich die DEZA für niederschwellige und arbeitsmarktgerechte Berufsbildungsangebote für Jugendliche in gewaltgeprägten Quartieren ein.

Weltbank Studie:
«Crime and violence in Central America – a developmental challenge» (PDF, Anzahl Seiten 45, 7.9 MB, Englisch)

Erfahrungen aus dem Armenviertel Campo Cielo

Wie notwendig und anspruchsvoll diese Aufgabe ist, zeigt ein Besuch am Rande von Tegucigalpa in einem Armenviertel namens Campo Cielo - Himmelsfeld. Für die meisten der 10‘000 Einwohner grenzt das Viertel allerdings weniger an den Himmel als an die Hölle: Vier verschiedene Jugendbanden liefern sich täglich Revolvergefechte im Kampf um die Vorherrschaft im Viertel. «Das Schlimmste ist, dass wir uns daran gewöhnt haben», sagt eine Einwohnerin. Einer von vier Jugendlichen ist in Banden involviert, die von Erpressung und dem Drogenkleinhandel leben. «Der Zulauf zu den Banden hat zugenommen, seit die Wirtschaft in der Krise steckt und sich die Jobaussichten für Jugendliche verdüstert haben», berichtet eine Sozialarbeiterin.

Die DEZA betreibt in Campo Cielo über lokale Anbieter Kurse für angehende Auto- und Motorradmechaniker, Computer- und Schneiderkurse sowie einen Lehrgang für Tortenbäcker. «Wir nehmen auch Jugendliche, die über keinen Schulabschluss verfügen. Entscheidend ist die Motivation», sagt Kursleiter Don Fernando. Die Resultate geben ihm Recht. Manche Kursabgänger arbeiten heute als Mechaniker auf eigene Rechnung. Andere leben vom Verkauf ihrer Torten und selbstgeschneiderten Kleider. Sein Fazit: «Wer eine Möglichkeit sieht, sein Leben auf legale Weise in Würde zu bestreiten, widersteht viel eher dem Lockruf des raschen Geldes, das die Jugendbanden versprechen. »

Frieden und inklusive Gesellschaften in der Post-2015 Agenda

Campo Cielo ist eines von vielen Engagements der DEZA im Bereich der Gewaltprävention. Gewachsen ist das Programm aus der Erkenntnis, dass Entwicklungshilfe nur dann relevant bleibt, wenn sie einen Beitrag zur Lösung der Kernprobleme des Landes leistet. In Honduras und vielen anderen fragilen Regionen ist dies die hohe Unsicherheit. Aus diesem Grund setzt sich die Schweiz aktiv für ein eigenständiges Ziel zu Frieden und inklusive Gesellschaften in der Post-2015 Agenda ein. Denn Entwicklung und Sicherheit sind unzertrennbar wie die zwei Laufräder eines Fahrrads.