Auf dem richtigen Weg in eine nachhaltige Zukunft?

Judith Schenk, Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit, Post-2015 Team

11. Mai 2015 - An der öffentlichen Veranstaltung am 8. Mai 2015 im Rahmen des nationalen Prozesses zur Post-2015 Agenda nahmen rund 150 Vertreterinnen und Vertreter aus Privatwirtschaft, Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wissenschaft teil. Die Veranstaltung zeigte, dass die Staatengemeinschaft auf gutem Weg ist, es zum Erreichen einer Nachhaltigen Entwicklung aber noch viel zu tun gibt.

Während eines von Michael Gerber moderierten Podiumsgesprächs diskutierten Dr. Jan Atteslander (Leiter Aussenwirtschaft, economiesuisse), Peter Niggli (Geschäftsleiter, Alliance Sud), Friedrich Wulf (Projektleiter Politik und Internationales, Pro Natura) sowie Dr. Peter Messerli (Direktor, CDE Universität Bern) über den Verhandlungsprozess und über die anstehenden Herausforderungen.

Das Podium.
Das Podium, von links nach rechts: Botschafter Michael Gerber, Dr. Jan Atteslander, Peter Niggli, Friedrich Wulf, Dr. Peter Messerli. © SDC

Ist die internationale Gemeinschaft auf Kurs?
Die Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass der aktuelle Vorschlag mit 17 Zielen für eine Nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) einen ambitionierten Zielkatalog darstellen. Jan Atteslander wies auf die grosse Herausforderung hin, eine so breite Agenda umzusetzen und vertrat die Ansicht, dass es effektiver wäre, sich auf eine geringere Anzahl Ziele zu konzentrieren. Friedrich Wulf entgegnete, dass die SDGs diverse Stränge im Bereich Nachhaltige Entwicklung verknüpfen. Bereits existierende Ziele im Bereich der Biodiversität oder des Klimas werden mit der umfassenden Post-2015 Agenda gestärkt. Diese inhaltliche Breite sei daher unvermeidlich.

Umsetzung als grosse Unbekannte
Peter Niggli äusserte die Ansicht, dass die Inhalte der SDGs nicht neu seien, die Agenda als Ganzes aber ehrgeizig und umfassend sei. Alliance Sud vertraue jedoch nicht darauf, dass die SDGs von den Regierungen ohne weiteres umgesetzt würden. Für eine erfolgreiche Umsetzung brauche es auch in der Zukunft gesellschaftlichen Druck durch die Zivilgesellschaft und andere politische Kräfte. Eine ambitionierte Post-2015 Agenda gebe diesen Akteuren ein schlagkräftiges Instrument in die Hand.

Die Herausforderung der Umsetzung sprach auch Peter Messerli an. Aus seiner Sicht ist die aktuelle Diskussion zu den SDGs ein normativer Dialog, welcher im besten Fall in eine starke Zielorientierung münde. Wie man die Ziele aber erfolgreich umsetzen könne, sei noch immer eine grosse Unbekannte. Es gäbe Zielkonflikte und stellten sich grosse Fragen, beispielsweise im Bereich der Neuausrichtung der Landwirtschaft oder der Energiewende.

Wer soll für die Finanzierung aufkommen?
Angesprochen auf die Frage der Finanzierung der SDGs betonte Jan Atteslander, dass der grösste Entwicklungsantrieb nach wie vor eine offene Wirtschaftspolitik sei. Länder, welche in den letzten Jahrzehnten stabile Investitionsrahmenbedingungen geschaffen hätten, seien heute Teil der globalen Weltwirtschaft und verzeichnen grosse Entwicklungsfortschritte. Des Weiteren sei es evident, dass es für die Entwicklung eines Landes einen allgemeinen Zugang zu funktionierenden Finanzdienstleistungen brauche, damit sich das gesamte wirtschaftliche Potenzial entfalten könne.

Peter Niggli zeigte Verständnis, dass die Diskussionen zur Entwicklungsfinanzierung nach wie vor einer Nord-Süd Logik folgen. Solange der Norden seine Versprechen im Bereich Entwicklungszusammenarbeit und Technologietransfer nicht einhalte, könne man nicht erwarten, dass der Süden mehr Eigenverantwortung übernehme.

Auch die Schweiz steht in der Pflicht
Auch die Schweiz wird zum Erreichen der Ziele beitragen müssen. Die politische und ökonomische Vernetzung der Welt erfordert, dass Herausforderungen gemeinsam angegangen werden. Peter Messerli hielt in diesem Kontext fest, dass die Schweiz den grössten Teil der Konsumgüter importiere, während ein Grossteil der Schweizer Wertschöpfung vom globalen Wirtschaftssystem abhänge.

Auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft
Auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft im Kursaal am 8. Mai 2015. © SDC