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MitteilungVeröffentlicht am 19. Dezember 2023

Rück- und Ausblick auf die Mitgliedschaft der Schweiz im UNO-Sicherheitsrat

Das Jahr 2023 im UNO-Sicherheitsrat war geprägt von verschiedenen Krisen. In den praktisch täglich stattfindenden Ratssitzungen fehlte kaum einer der Konfliktherde der Welt, von Haiti über den Sudan und die Ukraine bis zum Nahen Osten. Im vergangenen Jahr setzte die Schweiz gemäss den vom Bundesrat definierten vier Prioritäten Akzente, auf denen sie in der zweiten Hälfte ihrer Ratsmitgliedschaft 2024 aufbauen will.

Bundesrat Ignazio Cassis sitzt während der Schweizer Präsidentschaft am hufeisenförmigen Tisch des UNO-Sicherheitsrats.

Die Mitgliedschaft der Schweiz im UNO-Sicherheitsrat fällt in eine Zeit, in der die Welt immer mehr aus den Fugen zu geraten scheint. Der schon fast zwei Jahre andauernde Krieg gegen die Ukraine, die Gewalteskalationen im Nahen Osten, Nagorno-Karabach und im Sudan sowie die Staatsstreiche in Niger und Gabun haben die globale Instabilität weiter erhöht. Die Spannungen und das Misstrauen zwischen den Weltmächten, die mit diesen Krisen und Konflikten einhergehen, spiegeln sich auch am Tisch des Sicherheitsrats. Die Grossmächte bringen immer weniger Bereitschaft zur Zusammenzuarbeit und der Suche nach gemeinsamen Lösungen auf. Ein Beispiel dafür ist der Umgang des Sicherheitsrats mit dem Konflikt im Nahen Osten seit dem 7. Oktober. Von insgesamt sechs Resolutionsentwürfen, hat der Rat lediglich eine Resolution verabschiedet, die auf den humanitären Schutz von Kindern abzielt. Doch trotz dieser Herausforderungen trifft der Rat nach wie vor zu vielen Fragen wichtige Entscheide, zu so unterschiedlichen Kontexten wie Afghanistan, Jemen oder Somalia.

Infografik mit den wichtigsten Zahlen zu der Arbeit des UNO-Sicherheitsrats im Jahr 2023.

Im vergangenen Jahr hat sich die Schweiz gemäss ihrer vier thematischen Prioritäten («nachhaltigen Frieden fördern», «Zivilbevölkerung schützen», «Klimasicherheit angehen» und «Effizienz des Sicherheitsrats stärken») als aktives und konstruktives Ratsmitglied etabliert. Dies gelang auch dank ihrer Vorsitz- und Penholder-Rollen, während ihrer ersten Präsidentschaft im vergangenen Mai, aber auch in den Verhandlungsprozessen hinter verschlossenen Türen. Zentral war dabei das Vertreten ihrer Werte und Interessen. Dazu zählen unter anderem ihr Auftrag aus der Bundesverfassung sich für ein friedliches Zusammenleben der Völker einzusetzen, die Stärkung des humanitären Völkerrechts und der Menschenrechte sowie das Bauen von Brücken, um einen Beitrag zur Lösungsfindung im UNO-Gremium zu schaffen. Beispiele in welchen Bereichen die Schweiz 2023 konkret Akzente gesetzt hat, ist im Folgenden nach Priorität aufgeschlüsselt:

Ausblick auf die zweite Hälfte der Schweizer Ratsmitgliedschaft

«Ich bin zuversichtlich, dass es dem Team Schweiz im kommenden Jahr gelingen wird, auf bisherigen Erfolgen aufzubauen und nachhaltige Akzente zu setzen», sagt Thomas Gürber, Chef der Abteilung UNO und stellvertretender Staatssekretär im EDA.

Anknüpfungspunkte dafür gibt es genug: Im Bereich der Priorität «nachhaltigen Frieden fördern» will die Schweiz unter anderem die Rolle und Nutzung von anerkannten wissenschaftlichen Daten stärken und fördern. Dies steht in direktem Zusammenhang mit der Vorzeigeveranstaltung unter der Leitung von Bundesrat Cassis während der Schweizer Ratspräsidentschaft im Mai 2023. Damals unterstrich der EDA-Vorsteher die Bedeutung der Wissenschaft für den Aufbau von gegenseitigem Vertrauen zugunsten von Frieden und Sicherheit in der Welt.

Betreffend den Schutz der Zivilbevölkerung, begehen die Genfer Konventionen nächstes Jahr ihr 75-jähriges Bestehen. Sie sind der Kern des humanitären Völkerrechts für dessen Respekt sich die Schweiz als Depositarstaat in ihrer Aussenpolitik und auch in ihrer Arbeit im Sicherheitsrat weiterhin stark einsetzen wird.

Ich bin zuversichtlich, dass es dem Team Schweiz im kommenden Jahr gelingen wird, auf bisherigen Erfolgen aufzubauen und nachhaltige Akzente zu setzen.
Botschafter Thomas Gürber, Chef der Abteilung UNO und stellvertretender EDA-Staatssekretär

Im Bereich der Klimasicherheit wird sich die Schweiz auch nächstes Jahr dafür engagieren, dass sich der Sicherheitsrat weiterhin mit dieser Herausforderung befasst. Denn der Klimawandel bleibt die grösste systemische Bedrohung für die Menschheit, die insbesondere die Zivilbevölkerung in Konfliktregionen trifft. So wird der Einbezug der Klimaproblematik in Resolutionen zu geografischen Kontexten weiterhin ein Schwerpunkt der Schweizer Ratsarbeit bleiben.

Gleiches gilt für die Stärkung der Effizienz des Sicherheitsrats. In einer Zeit von omnipräsenten Krisen und Konflikten ist es wichtig, dass der Rat sein Mandat für Frieden und Sicherheit in der Welt wahrnehmen kann. So wird sich die Schweiz auch 2024 für Konsens und die Zusammenarbeit aller Ratsmitglieder einsetzen. Darüber hinaus möchte sie unter anderem dem Aspekt Rechtsstaatlichkeit der Sanktionsmassnahmen des Rats mehr Geltung verschaffen. Vor diesem Hintergrund wird die Schweiz auch im 2024 alles daran setzen, um ihrem Kandidatur-Slogan – ein Plus für den Frieden zu sein – gerecht zu werden.

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