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MitteilungVeröffentlicht am 24. April 2021

Schweiz und Multilateralismus: fünf Einblicke in die Diplomatie für Frieden

Der 24. April ist der Internationale Tag des Multilateralismus und der Diplomatie für Frieden. Dabei handelt es sich um zwei wichtige Prioritäten der schweizerischen Aussenpolitik, mit der die Schweiz zu einer friedlichen internationalen Ordnung beitragen will. Sie tut dies, indem sie ihren Mehrwert in die multilateralen Gremien und über das internationale Genf einbringt. Fünf Personen sprechen über ihr Engagement für den Frieden. Geschichten über Diplomatie, Mediation und Dialog.

Die UNO-Emblem wird auf die Fassade des Bundeshausespalastes projiziert.

Die Pandemie hat die Bedeutung des Multilateralismus bei der Bewältigung der globalen Herausforderungen, die in der Agenda 2030 beschrieben sind, noch deutlicher gemacht. Mit unterschiedlichen Instrumenten (gute Dienste, Konfliktprävention und -lösung, Mediation, Förderung des Dialogs usw.) trägt die Schweiz zu Frieden und Sicherheit in der Welt bei, einer ihrer aussenpolitischen Prioritäten.

Die Schweiz wird oft als Brückenbauerin bezeichnet, wenn es um ihr Engagement als Gaststaat, Vermittlerin oder Mitglied internationaler Organisationen geht. Aber was ist ihr Mehrwert auf multilateraler Ebene? Was machen Schweizer Expertinnen und Experten in den internationalen Organisationen? Die erste Station zur Vertiefung des Themas ist das internationale Genf, ein Ort für Friedensgespräche.

Genf: eine Dialog-Plattform

Auf dem Rasen des Gebäudes der Vereinten Nationen steht Anne-Lise Favre Pilet neben zwei UN-Agenten und einem Bombenspürhund.

«Wenn sich Konfliktparteien an einen Tisch setzen, ist das bereits ein Erfolg. Manchmal werden wichtige Ergebnisse erzielt, wie ein Waffenstillstand, die Einrichtung einer Übergangsregierung, die Öffnung humanitärer Korridore oder ein Gefangenenaustausch, Schritte weg vom Krieg und hin zum Frieden», sagt Anne-Lise Favre Pilet, Chefin der Sektion Sicherheit und allgemeine Angelegenheiten der Ständigen Mission der Schweiz beim Büro der Vereinten Nationen und den anderen internationalen Organisationen in Genf.

Die Stadt am Genfer See ist eine Begegnungsplattform für diejenigen, die den Verhandlungsweg suchen. In der Calvinstadt finden regelmässig Verhandlungsrunden statt. Darunter waren die Verhandlungen über das Atomabkommen mit dem Iran und in jüngster Zeit Gespräche zu Syrien, zum Jemen und zu Libyen. Die Dienstleistungspalette der Schweiz reicht von der einfachen logistischen Unterstützung bis zur Mediation. Die Sicherheit ist ein zentrales Anliegen.

Diplomatie für den Frieden und die Rolle der Mediation

Nahaufnahme von Luca Urech vor einer Karte von Syrien.

«Mit dem Civil Society Support Room in Genf wird die Zivilgesellschaft erstmals institutionell in einen UNO-Friedensprozess miteinbezogen. Das Schweizer Engagement für Syrien widerspiegelt nicht zuletzt den partizipativen Charakter unserer eigenen Demokratie», sagt Luca Urech, diplomatischer Mitarbeiter in der Abteilung Frieden und Menschenrechte des EDA.

In Genf ist über die Jahre ein eigentliches «Ökosystem» von Akteuren und Institutionen entstanden, die für den Friedensprozess in Syrien arbeiten. Die Schweizer Friedensdiplomatie setzt sich dafür ein, dass die Verhandlungen in Genf nicht nur den Konfliktparteien offenstehen, sondern auch der Zivilgesellschaft. Die Schweiz ist aufgrund ihrer Reputation als neutrale und unparteiische Vermittlerin gut aufgestellt. Das EDA setzt sich zusammen mit der ETH für die Professionalisierung der Friedensdiplomatie ein. Die Rolle des Mediatorin oder des Mediators wird zum Beruf.

Schweizer Diplomatinnen bei der UNO: Einsatz in Kolumbien

Natalie Kohli vor einem UN-Hubschrauber, der auf einer grünen Wiese hält.

«Ich bin kurz nach dem Schweizer UNO-Beitritt ins EDA eingetreten, und die UNO zieht sich gleichsam als roter Faden durch meine Karriere als Diplomatin. Die Schweiz hat einen ausgezeichneten Ruf und ein ausgewiesenes Profil in der UNO aufgrund ihrer Rolle als Brückenbauerin, ihres Engagements in einer breiten Palette von thematischen Dossiers sowie als Sitzstaat», sagt Natalie Kohli, Stabschefin der UNO-Friedensmission in Kolumbien (UNVMC).

In den internationalen Organisationen wie der UNO haben auch Schweizer Diplomatinnen zahlreiche Funktionen inne. Dort vertreten sie nicht die Schweiz, sondern bringen Werte, Expertise und Erfahrung als multilaterale Verhandler ein und leisten einen Beitrag zur Friedensagenda.

Frauen in Friedensprozessen

Talia Wohl steht in einem Raum und spricht während einer Präsentation.

«Die grosse Herausforderung ist, die grundlegenden, systemischen Fragen zu klären, die verhindern, dass Frauen effektiv und wirkungsvoll in der Prävention, der Bewältigung und der Lösung von Konflikten mitarbeiten können. Für den wirkungsvollen Einbezug von Frauen in Friedensprozessen braucht es vor allem politischen Willen», erklärt Talia Wohl, Mitarbeiterin in der Abteilung Frieden und Menschenrechte des EDA und Vertreterin der Schweiz im WPS Focal Points Network.

Frauen sind entscheidende Akteurinnen für Frieden und Sicherheit. Mit dieser Überzeugung engagiert sich die Schweiz für die Stärkung der Rolle der Frauen in Friedensprozessen und beteiligt sich an entsprechenden Initiativen regionaler und internationaler Organisationen wie der UNO, der OSZE oder der NATO. So haben sich beispielsweise auf Initiative des EDA mehrere Schweizer Diplomatinnen und Expertinnen für internationale Sicherheit in einem Netzwerk für Frauen in Friedensprozessen zusammengeschlossen (Swiss Women in Peace Processes, SWiPP). A propos Netzwerke: 2022 wird die Schweiz den Co-Vorsitz des Women, Peace and Security Focal Points Network übernehmen.

Konfliktprävention: die Rolle des Peace and Development Advisors

Claudia Marti spricht an einem Rednerpult l während einer Konferenz in Libyen..

«Ein zentraler Pfeiler der Rolle eines Peace and Development Advisors ist die Unterstützung nationaler Initiativen zur Konfliktprävention, Friedenskonsolidierung und Friedenserhaltung, die von nationalen Akteuren getragen und implementiert werden», Claudia Marti, Peace and Development Advisor, Office of the UN Resident Coordinator in Bolivien.

Die internationale Zusammenarbeit der Schweiz trägt zur Konfliktprävention und Friedensförderung in fragilen Staaten bei. Die Fragilität eines Staates äussert sich in seiner Unfähigkeit, die Sicherheit und die Grundversorgung der Bevölkerung zu gewährleisten sowie eine konstruktive Beziehung zur Bevölkerung aufzubauen.

Die DEZA ist an mehreren Fronten auf der multilateralen Ebene aktiv, mit wichtigen Akteuren wie den Vereinten Nationen und der Weltbankgruppe. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) spielt eine zentrale und katalytische Rolle bei der Stärkung der UN in ihrer Arbeit Fragilität zu bekämpfen und Konflikte zu verhindern – zum Beispiel durch die Unterstützung des Pools von Peace and Development Advisors (PDA) in Zusammenarbeit mit dem UN Department of Political and Peacebuilding Affairs (DPPA), deren Expertinnen und Experten in fragile Länder entsandt werden, um die Regierungen der Gastländer und das UN-System vor Ort zu beraten und zu unterstützen.

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