Wie die OSZE unter Schweizer Vorsitz Wahlen in Bosnien und Herzegowina begleitet
30 Jahre nach den ersten Nachkriegswahlen in Bosnien und Herzegowina übernimmt die Schweiz erneut eine wichtige Rolle: Während des Schweizer Vorsitzes 2026 begleitet die OSZE das Land auf dem Weg zu den Parlamentswahlen 2026. Die OSZE unterstützt die Wahlbehörden mit Ausbildung, Beratung zu neuen Technologie und Massnahmen gegen Wahlbetrug – mit dem Ziel, Transparenz, Rechtsstaatlichkeit und institutionelle Stabilität nachhaltig zu stärken.

Als die Schweiz 1996 erstmals den Vorsitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) innehatte, spielte die Organisation eine wichtige Rolle bei der Organisation und Überwachung der ersten Wahlen in Bosnien und Herzegowina nach dem Dayton-Friedensabkommen. Die Abstimmungen damals galten als entscheidender Schritt zur Stabilisierung des vom Krieg gezeichneten Landes. Drei Jahrzehnte später begleitet die Schweiz als amtierende OSZE-Vorsitzende auch dieses Jahr Bosnien und Herzegowina auf dem Weg zu den Parlamentswahlen im Oktober in einem politisch fragilen Umfeld, das erneut hohe Anforderungen an Transparenz, Rechtsstaatlichkeit und institutionelle Stabilität stellt.
Seit über 30 Jahren arbeitet die OSZE in Bosnien und Herzegowina eng mit staatlichen Stellen, der Zivilgesellschaft und internationalen Partnern zusammen. Diese Zusammenarbeit hat wichtige Fortschritte ermöglicht. Doch die politische Lage bleibt angespannt.
Vor diesem Hintergrund bleibt die Rolle der OSZE wichtig. Die OSZE-Mission in Bosnien und Herzegowina unterstützt die Zentrale Wahlkommission (CEC) in vier Bereichen: beim Kapazitätsaufbau der Wahlverwaltung, bei der Einführung neuer Wahltechnologien, bei der Wähleransprache sowie bei der Stärkung institutioneller Mechanismen zur Bekämpfung von Wahlbetrug.
Im Rahmen des «Election Integrity Project» hat die OSZE in den vergangenen Monaten intensiv in die Ausbildung von Wahlverantwortlichen investiert. Über 4’300 Personen wurden an 107 Standorten im ganzen Land geschult. Zusätzlich wurden 250 biometrische Geräte zur Wähleridentifikation beschafft und ein Pilotprojekt im Distrikt Brčko umgesetzt, bei dem in 138 Wahllokalen biometrische Identifikations- und Authentifizierungssysteme getestet wurden.
Mit Blick auf die Parlamentswahlen 2026 in Bosnien und Herzegowina ist vorgesehen, neue Wahltechnologien landesweit einzuführen. Die OSZE unterstützt die CEC daher nicht nur technisch, sondern auch beratend, unter anderem durch den Einsatz von zwei internationalen Experten für Wahltechnologie sowie durch die Weiterentwicklung von IT-Anwendungen im Rahmen einer E-Voting-Plattform.

Parallel dazu setzt die OSZE-Mission auf gezielte Kommunikation mit Wählerinnen und Wählern, insbesondere für Erstwählerinnen und Erstwähler, Frauen und Menschen mit Behinderungen. Zudem unterstützt sie die Justiz dabei, wirksamer gegen Wahlbetrug vorzugehen und Streitigkeiten im Wahlprozess effizient zu klären.
Das Büro für demokratische Institutionen und Menschenrechte (ODIHR) der OSZE hat seit dem Ende des Krieges 13 Wahlen in Bosnien und Herzegowina beobachtet, zuletzt im November 2025 in der Republika Srpska.
Die Schweiz betont als OSZE-Vorsitzende, dass funktionierende und rechenschaftspflichtige Institutionen das Rückgrat demokratischer Regierungsführung und langfristiger Stabilität bilden. Sie ruft alle politischen Akteure dazu auf, den verfassungsrechtlichen Rahmen zu respektieren, Polarisierung zu vermeiden und die Integrität der bevorstehenden Wahlen aktiv zu schützen.
Glaubwürdige Wahlen sind weit mehr als ein technischer Prozess: Sie sind Ausdruck politischer Reife und Voraussetzung für Frieden und Stabilität.
Bilaterale Beziehungen Schweiz–Bosnien und Herzegowina
Seit 1995 begleitet die Schweiz Bosnien und Herzegowina auf dem Weg Richtung europäische Integration. Ihr Einsatz konzentriert sich auf inklusive politische und gesellschaftliche Reformen, den Aufbau leistungsfähiger Institutionen und öffentlicher Dienstleistungen, die Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung sowie die Stärkung des Gesundheitssystems.
Ein wichtiger Bestandteil dieses Einsatzes ist beispielsweise das Projekt Strengthening of Vocational Education and Training (SVET), das die Berufsbildung mit Fokus auf digitale und grüne Kompetenzen stärkt. Es soll junge Menschen gezielt auf den Arbeitsmarkt vorbereiten und Unternehmen qualifizierte Fachkräfte sichern. SVET ist Teil des umfassenderen Beschäftigungs- und Wirtschaftsprojekts, das von der Schweiz und Deutschland kofinanziert und von der GIZ umgesetzt wird. Die SVET-Komponente selbst wird von der Schweiz finanziert und läuft von 2023 bis 2026.
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