Psychische Gesundheit: ein vernachlässigter Aspekt der Entwicklungspolitik

Artikel, 06.04.2017

Der Zugang zu Dienstleistungen im Bereich der physischen und psychischen Gesundheit, eines der grundlegendsten Menschenrechte, ist für viele Menschen immer noch ein Luxus. Mit dem dritten Ziel für nachhaltige Entwicklung wird dieses Recht als Ganzes in den Vordergrund gerückt. Im Rahmen dieses Ziels werden der Zugang zur Gesundheitsversorgung sowie die Förderung der psychischen Gesundheit und die Prävention von psychischen Störungen gefordert.

Die Integration der psychiatrischen Dienste in die allgemeine Gesundheitsversorgung ermöglicht eine bessere Betreuung. © DEZA

Die psychische Gesundheit ist für die öffentliche Gesundheit eine Herausforderung, die oft vernachlässigt wird, insbesondere in Ländern mit mittleren und tiefen Einkommen. Gemäss Aktionsplan für psychische Gesundheit 2013–2020 der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO) erhalten etwa  80% der Menschen mit psychischen Störungen in diesen Ländern keine Behandlung. Das sind doppelt so viele wie in Ländern mit hohem Einkommen. Zudem werden die knappen Ressourcen, die für die psychische Gesundheit zur Verfügung stehen, mehrheitlich für psychiatrische Institutionen verwendet, obwohl ihre Ergebnisse medizinisch oft nicht befriedigend sind und sie zahlreiche Menschenrechtsverstösse zu verzeichnen haben.

Die Integration der psychiatrischen Dienste in die allgemeine Gesundheitsversorgung ermöglicht eine Verbesserung des Betreuungsangebots, das die Patientinnen und Patienten und das Gesundheitswesen dank seiner Gemeindenähe weniger kostet. In diese Richtung geht Bosnien und Herzegowina, das seit 1996 eine grosse Psychiatriereform durchführt. Die Schweiz unterstützt diese Bestrebungen seit 2010.

Stärkere Berücksichtigung der psychischen Gesundheit

Mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung ist die Notwendigkeit der Berücksichtigung der psychischen Gesundheit in den Fokus gerückt. Das dritte Ziel für nachhaltige Entwicklung soll «ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern.» Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn die allgemeine Gesundheitsversorgung allen zugänglich ist, das heisst, wenn alle Menschen und alle Bevölkerungsgruppen ein hochwertiges und kostengünstiges Angebot an Gesundheitsdienstleistungen, einschliesslich Psychiatrie, erhalten.

Ziel 3.4 bezieht sich zudem direkt auf die psychische Gesundheit. Es lautet: «Bis 2030 die Frühsterblichkeit aufgrund von nichtübertragbaren Krankheiten durch Prävention und Behandlung um ein Drittel senken und die psychische Gesundheit und das Wohlergehen fördern.»

Die allgemeine Gesundheitsversorgung bildet einen der Schwerpunkte der DEZA im Gesundheitsbereich. Die DEZA unterstützt diese nicht nur, indem sie das Dienstleistungsspektrum verbreitert und die Integration der Psychiatrie fördert, sondern vor allem, indem sie das Gesundheitswesen als Ganzes stärkt. Diese Stärkung ist eine unerlässliche Voraussetzung für die schrittweise Einführung der allgemeinen Gesundheitsversorgung,