Internationale Zusammenarbeit

Tag der Hülsenfrüchte: Auf den Spuren von Yakina

Wie Bohnen den Unterschied machen: Mit Hilfe eines innovativen Ansatzes bekämpft die Panafrikanische Bohnenforschungsallianz PABRA in Burundi die Mangelernährung, verbessert die Ernährungssicherheit, beflügelt die Privatwirtschaft und fördert zugleich Frauen. Folgen Sie anlässlich des Internationalen Tags der Hülsenfrüchte der Bohne Yakina von der Stange bis in den Kindermund.

Rot-melierte Bohnen in der Nahaufnahme.

Die rot-melierte Bohne des Typs MAC44 bringt nicht nur den doppelten Ertrag wie herkömmliche Bohnen, sie ist auch schnell gekocht, schmeckt gut und ist reich an Spurenelementen. © PABRA

Wissen Sie, was ein Bohnenkorridor ist? Damit ist nicht der Durchgang zwischen zwei Stangenreihen von Kletterbohnen im Gewächshaus gemeint und auch nicht das, was der Junior mit den Bohnen am Mittagstisch macht, wenn er sie nicht essen will.

Einen Bohnenkorridor nennt man den Weg, den eine Bohne zurücklegt, sowohl geographisch als auch durch alle Hände, die etwas mit der Bohne machen. Von der Pflanze bis hin zu ihrem Verzehr. Bohnen haben das Potential, Mangelernährung zu bekämpfen und zugleich die Ernährungssicherheit zu verbessern, die Privatwirtschaft zu beflügeln und die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben.

Dazu braucht es zuallererst einmal die richtigen Bohnen. Bohnen, welche Wetterextremen widerstehen, den lokalen Gegebenheiten angepasst und reich an wichtigen Spurenelementen wie Eisen und Zink sind und vor allem Bohnen, die einen hohen Ertrag bringen. Die Panafrikanische Bohnenforschungsallianz, kurz PABRA, arbeitet mit Partnern wie der Schweiz in 32 Ländern Afrikas seit über 20 Jahren daran, solche Sorten zu züchten. PABRA tut aber noch sehr viel mehr, sie verbreitet dieses Saatgut, macht Werbung dafür, gibt Schulungen, koordiniert Partner und fördert Kleinunternehmer. Überall entlang eines Bohnenkorridors wird das Wirken von PABRA und ihrer Partnerorganisationen spürbar.

Am besten lässt sich das veranschaulichen, wenn man einer einzelnen Bohne auf ihrem Weg entlang des Bohnenkorridors folgt. Nennen wir unsere Bohne Yakina.

Die Bohne Yakina

Eine burundische Kleinbäuerin zwischen ihren Stangenbohnen.
Eine Kleinbäuerin in Burundi besitzt durchschnittlich 0,2 Hektar Land und muss damit ihre Familie ernähren, das sind rund 12 auf 170 Meter. © PABRA

Yakina ist eine Kletterbohne des Typs MAC 44, rot-meliert, und wächst in den Hügeln um Mont Heha im Westen Burundis. Burundi ist ein Kleinstaat im Herzen Afrikas und eines der ärmsten Länder der Welt. Yakina wächst seit acht Wochen an dieser Stelle auf dem Land einer Kleinbäuerin, die etwa einen Fünftel Hektar bestellt. Die Bäuerin hat sich an einem Workshop von PABRA davon überzeugen lassen, eine der neuen Sorten auszuprobieren. Auch wurde sie in Sachen Aussaat, Pflege und Aufzucht der Bohnen geschult. Schon in ihrem ersten Jahr hatte sie fast doppelt so viel Ertrag erwirtschaftet wie mit den herkömmlichen Sorten.

Das Ende des Hungers und der Mangelernährung

Eine Gruppe Afrikanerinnen posiert mit gefüllten PICS-Säcken.
Hermetisch schliessende PICS-Säcke ermöglichen eine bessere und längere Lagerung der Bohnen. © PABRA

Sie und ihre Familie haben seither genug zu essen, keine Selbstverständlichkeit in Burundi. Auch geht es ihnen gesundheitlich besser. Die neuen Sorten enthalten wesentlich mehr Eisen und Zink, man nennt sie bio-fortifiziert, damit hat die jahrelange Mangelernährung ein Ende. Die Familie der Bäuerin hat nach der Ernte sogar noch etwas Geld übrig, womit sie sich ab und an einige Eier leisten können.

Es ist Erntezeit, Yakina hängt an ihrer Stange und geniesst die Sonne. Die Bäuerin und ihre Familie sind mit der Ernte beschäftigt. Dem ganzen Flecken Land und damit auch dem anderen Gemüse geht es besser, seit die Bäuerin Bohnen pflanzt. Das, weil Bohnen dem Boden Stickstoff zurückgeben, statt ihn auszulaugen. 

Nach der Ernte wird Yakina mit den anderen Bohnen getrocknet und danach in Säcke gefüllt. Früher wurden die Bohnen während der Lagerung oft von Schädlingen wie dem Speisebohnenkäfer angegriffen, was zu Panikverkäufen oder der Vernichtung ganzer Ernten geführt hat. Deshalb hat PABRA sogenannte PICS-Säcke eingeführt, Säcke, die sich hermetisch schliessen lassen. Herstellung und Vertrieb haben inzwischen lokale Unternehmen übernommen. PABRA hat zudem erwirkt, dass der burundische Staat die Säcke subventioniert. Somit sind die Säcke auch für entlegen Wohnende nicht nur zugänglich, sondern auch erschwinglich.

Empowerment durch Erfolg

Einen Teil der geernteten Bohnen behält die Bäuerin zur eigenen Versorgung zurück. Seit sie einen von PABRA organisierten Ernährungsworkshop besucht hat, kommen mehr und abwechslungsreichere Menüs auf den Tisch. Die Bäuerin ist sichtlich stolz auf ihr erworbenes Wissen und die Früchte ihrer Arbeit. Ihr neues Selbstvertrauen geht sogar soweit, dass sie sich bei Gesprächen um die Zukunft der Gemeinde aktiv einbringt. Das auch in Anwesenheit von Männern, keine Gewöhnlichkeit in Burundi.

Während in der patriarchalen Gesellschaft Burundis die Frauen dafür zuständig sind, dass Essen auf den Tisch kommt, sorgen sich Männer um die Beschaffung von Geld. Der Mann unserer Kleinbäuerin hat sich mit Hilfe seines Handys auf einer Bohnenplattform registriert, um die Bohnen seiner Frau zu verkaufen. Dank der von PABRA bereitgestellten Internetplattform erreicht er mehr Käufer und damit einen besseren Preis.

Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette florieren

Die Inhaberin mit Angestelltem und Kundschaft in ihrem Laden in Bujumbra.
Mehl aus bio-fortifizierten Bohnen ist beliebt, weshalb die Inhaberin ihren Betrieb Stück für Stück ausbauen konnte. © PABRA

Den Zuschlag erhält ein Unternehmen in der Hauptstadt Bujumbura, gegründet und geleitet von einer Frau. Das Unternehmen stellt Mehl her und wächst seit Jahren kontinuierlich. Angefangen als Einzelunternehmung im eigenen Hinterhof, verfügt das Unternehmen inzwischen über ein eigenes Gebäude und 17 Festangestellte. Gemahlen werden Mais, Soja und vor allem Bohnen der bio-fortifizierten Sorten. Yakina und ihre Geschwister werden in die neue, grössere Mahlmaschine geschüttet und verarbeitet, welche das Unternehmen dank von PABRA vermittelten Beiträgen aus der Schweiz finanzieren konnte.

Yakina ist jetzt Mehl und wird in der Kilopackung erworben und in eine Kinderkrippe in der Nähe gebracht. In der Krippe arbeiten Frauen, die ebenfalls Ernährungsworkshops von PABRA besucht haben und ein leckeres Porridge herstellen. Den Kindern, die sich über das Essen hermachen, schmeckt es jedenfalls.

Yakina ist an der letzten Station ihrer Reise angekommen.

Steckbrief PABRA – Panafrikanische Bohnenforschungsalianz

PABRA ist ein internationales Netzwerk aus Wissenschaftlern, Kleinbauern, Privatunternehmen, Regierungen, politischen Entscheidungsträgern und Vertretern der Zivilgesellschaft, das 32 Staaten in Afrika südlich der Sahara umfasst. Koordiniert wird dieses Netwerk durch CIAT, dem Zentrum für tropische Landwirtschaft der Beratungsgruppe für internationale Agrarforschung CGIAR. Hauptziel von PABRA ist die Verbesserung der Lebensbedingungen von Bohnenanbauern, welche oft Frauen sind. Erreicht wird dieses Ziel durch leistungsfähige Netzwerke, fundierte Forschung und verbesserte Saatgutsysteme. In ganz Afrika wurden bis anhin über 38 Millionen bäuerliche Haushalte erreicht und 200 Privatunternehmen im Bohnensektor gefördert.

Eines der am längsten währenden Programme der DEZA

Infografik zum Pojekt PABRA in Burundi.
Wie Bohnen den Hunger in Burundi besiegen. Die Resultate von PABRA lassen sich sehen. © PABRA

Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) unterstützt PABRA, respektive ihre Vorgängerorganisation, seit 1983. Das ist eines der am längsten währenden Engagements der DEZA. Mit gutem Grund: PABRA bringt greifbare Resultate, wie die Infografik zeigt. Das Projekt ist zudem im Einklang mit der Aussenpolitischen Strategie der Schweiz 2020–2023 (APS): Es schafft Arbeitsplätze für die Menschen vor Ort, bietet Antworten auf den Klimawandel und lindert die Ursachen von Migration.

Auch dank der Mitarbeit staatlicher Stellen wie der burundischen agronomischen Forschungsanstalt ISABU hat das Projekt in Burundi über 1,2 Millionen Kleinbauern erreicht, die inzwischen mit den verbesserten Bohnensorten arbeiten. Das sind 4,5 Millionen Menschen in den Familien dieser Kleinbauern, deren Ernährungslage sich bedeutend verbessert hat, deren Mütter und Töchter bestärkt wurden.

Es bleiben jedoch noch viele Herausforderungen, dabei sind der Klimawandel und der Bevölkerungsdruck unter den dringlichsten. Es gibt noch viel zu tun.

PABRA bleibt dran, und mit ihr die Schweizerische Entwicklungszusammenarbeit.

 

Wie Bohnen den Hunger in Burundi besiegen. Die Resultate lassen sich sehen. (PDF, 4.8 MB, Deutsch)

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