Bolivien

Die schweizerische Entwicklungszusammenarbeit in Bolivien konzentriert sich auf die Bereiche Dezentralisierung und Menschenrechte, Anpassung an den Klimawandel sowie Arbeit und Einkommen. Die wachsende Verstädterung Boliviens stellt neue Herausforderungen an die Entwicklungszusammenarbeit. Neben der Entwicklung der ländlichen Gebiete geht es deshalb neu auch um die Verbesserung der Versorgung im periurbanen Raum.

Karte von Bolivien

Seit 2005 verzeichnet Bolivien ein Wirtschafts- und Einkommenswachstum, das namentlich auf die Exporte von Erdgas, Erdöl und Bergbauerzeugnissen zurückzuführen ist. Die vom Staat durchgeführten Sozialprogramme zur Umverteilung der Einnahmen führten zu einer Verringerung der Armut. Trotzdem bleibt Bolivien das ärmste Land Südamerikas. Rund die Hälfte der Bevölkerung lebt nach wie vor unter der Armutsgrenze (2011). Ein Grossteil arbeitet unter sehr schwierigen Bedingungen im informellen Sektor.

Die Schweiz setzt sich dafür ein, dass die zusätzlichen öffentlichen Mittel den am stärksten benachteiligten Menschen zugute kommen. Ländliche und periurbane Gebiete im Hochland und in den Andentälern stehen im Fokus der Bemühungen. Ihre Aktivitäten koordiniert die Schweiz mit anderen bilateralen Gebern sowie multilateralen Organisationen, die in Bolivien aktiv sind.

Dezentralisierung und Menschenrechte

Förderung von Autonomie und Mitwirkung auf kommunaler Ebene

Die schweizerische Entwicklungszusammenarbeit leistet einen wertvollen Beitrag im erfolgreich verlaufenden Dezentralisierungsprozess in Bolivien. Konkret trägt die Schweiz zur Verbesserung der Qualität der und des Zugangs zu den kommunalen Dienstleistungen bei, namentlich im Bildungs- und Gesundheitswesen.

Die Rechte der Frauen fördert die Schweiz durch die Unterstützung von Frauen in politischen Ämtern auf Kommunalebene und die Verbesserung des Zugangs von Gewaltopfern zu einem umfassenden Gemeinderechtsdienst («Servicio Legal Integral Municipal» SLIM). Zwischen 2008 und 2012 wurde dieser Rechtsdienst in siebzehn Gemeinden unterstützt.

Zur Verbesserung des Zugangs von benachteiligten Gruppen zur Justiz unterstützt die Schweiz beispielsweise die Bemühungen der Regierung zur Einrichtung alternativer Konfliktbeilegungsmechanismen. Die nationale Behörde für die amtliche Verteidigung («Servicio national de defensa pública»), deren Aufgabe der Schutz der Rechte der Angeklagten umfasst, ist ebenso Leistungsempfänger wie die Bürgerbeauftragtenstelle («Defensoría del pueblo»), deren Auftrag der Schutz der Menschenrechte ist.

Anpassung an den Klimawandel

Risikoprävention und Verbesserung der Widerstandsfähigkeit

Die schweizerische Entwicklungszusammenarbeit verfügt über reiche Erfahrung was den Umgang mit natürlichen Ressourcen anbelangt. Die nachhaltige Nutzung der Böden und eine integrale Bewirtschaftung der Wassereinzugsgebiete stehen im Zentrum der Bemühungen.

Das Projekt zur Verringerung des Katastrophenrisikos («Disaster Risk Reduction» DRR) hilft Bolivien bei der Bewältigung der Auswirkungen von Naturkatastrophen auf die Bevölkerung, die Infrastruktur und die Wirtschaft. Bis 2013 haben bereits 24 Gemeinden Mittel für die DRR in ihren Jahresbudgets vorgesehen.

In den Städten stellt die Umweltverschmutzung eine Gefahr für die Gesundheit der Bewohner dar. Besonders stark betroffen sind die ärmsten Bevölkerungsgruppen, Frauen und Kinder. Ab 2014 verstärkt die Schweiz ihre Bemühungen, mittelgrosse Städte bei der Bewältigung ihrer Umweltprobleme zu unterstützen.

Arbeit und Einkommen

Erhöhung der Produktivität und wirtschaftliche Diversifizierung

Zur Förderung der Wirtschaftsentwicklung in ländlichen Gebieten erhielten bis 2013 rund 20`000 Produzenten Zugang zu Finanzdienstleistungen und anderen Diensten, dank denen sie die Produktion, Verarbeitung und Vermarktung ihrer Güter und Dienstleistungen verbessern konnten.

Die DEZA konzentriert sich auf die Optimierung von Wertschöpfungsketten ausgewählter Produkte. Insbesondere die öffentlich-private Zusammenarbeit entlang dieser Wertschöpfungsketten wird erfolgreich mittels speziell dafür geschaffenen Plattformen verbessert. Bis 2013 konnten über 8000 Produzenten für eine aktive Mitwirkung mobilisiert werden.

Im Bereich Fach- und Berufsausbildung bildete die DEZA zwischen 2009 und 2013 über 10000 Personen aus und führte für fast 5000 Personen kurze Schulungen durch, um ihre Chancen auf eine Anstellung, eine selbständige Erwerbstätigkeit und Einkommensmöglichkeiten zu verbessern.

Geschichte der Zusammenarbeit

Geschätztes Engagement dank langjähriger Bemühungen

Die schweizerische Entwicklungszusammenarbeit geniesst für ihr langjähriges und erfolgreiches Engagement in Bolivien hohes Ansehen. Seit 1969 ist die schweizerische Entwicklungszusammenarbeit in Bolivien aktiv, seit 1981 ist Bolivien Schwerpunktland der DEZA. Angesichts der Verstädterung Boliviens konzentriert sich die schweizerische Entwicklungszusammenarbeit seit 2013 nicht mehr nur auf die Entwicklung in ländlichen Gebieten, sondern auch auf die Verbesserung der Versorgung im periurbanen Raum.

Dokumente

Kooperationsstrategie Bolivien 2013–2016 (PDF, Anzahl Seiten 29, 883.1 kB, Deutsch)

Latin Brief 1/2015: (PDF, Anzahl Seiten 4, 652.8 kB, Deutsch)

Die DEZA fördert praxisnahe Berufsbildung:
«Wir brauchen mehr Elektriker und weniger Anwälte» (PDF, Anzahl Seiten 4, 652.8 kB, Deutsch)

Latin Brief Juli 2013: «Wir alle sind Gemeinde» - Wie die DEZA die Dezentralisierung in Bolivien unterstützt (PDF, Anzahl Seiten 8, 12.6 MB, Englisch)

Artisanal and Small-scale Gold Mining in Latin America and Asia (Mongolia) (en) (PDF, Anzahl Seiten 8, 12.6 MB, Englisch)
SDC experiences with Formalization and Responsible Environmental Practices

Eine Welt 4/2011 (PDF, 11.1 MB, Deutsch)


Nr. 4/2011: Der urbane Planet - Eine Reportage aus La Paz/El Alto

Latin Brief April 2010: Wie Bolivien die Biodiversität schützt und die Armut bekämpf (PDF, Anzahl Seiten 4, 547.3 kB, Deutsch)

t (PDF, Anzahl Seiten 4, 547.3 kB, Deutsch)

Eine Welt (PDF, Anzahl Seiten 36, 6.2 MB, Deutsch)


Nr. 4/2009: Finanzkrise / Reformen in Bolivien / Klimawandel und Menschenrechte

3 concrete Storys of ownership and local leadership of SDC in Bolivia, Benin and Nepal (en) (PDF, Anzahl Seiten 2, 836.7 kB)

Blog: Erfahrungsberichte aus Redaktionen
Die DEZA und die Schweizer Journalistenschule MAZ ermöglichen Schweizer Medienschaffenden Redaktionen in Ländern des Südens kennen zu lernen. In einem Blog erzählen die Journalisten und Fotografen von Ihren Erfahrungen in Bangladesch, Nepal, Laos, Bolivien und Tunesien.