Gültig am:
Publiziert am: 05.12.2017

Reisehinweise für Libanon

Diese Reisehinweise entsprechen der aktuellen Lagebeurteilung des EDA. Sie werden laufend überprüft und bei Bedarf angepasst.
Beachten Sie auch die nebenstehenden länderunabhängigen Reiseinformationen und die Fokus-Themen; sie sind Bestandteil dieser Reisehinweise.

Grundsätzliche Einschätzung

Der persönlichen Sicherheit ist grosse Aufmerksamkeit zu schenken. Von Reisen in einzelne Landesteile wird abgeraten.

Den komplexen Verhältnissen in der Region muss stets Rechnung getragen werden. Bestimmte Ereignisse und Konflikte in Nachbarländern können die Sicherheitslage in Libanon beeinflussen. Der bewaffnete Konflikt in Syrien wirkt sich weiterhin auf Libanon aus. Er hat gewisse politische und religiöse Spannungen verstärkt, insbesondere aufgrund der Ankunft von über einer Million Flüchtlingen. Die weitere Entwicklung bleibt ungewiss und kann sich rasch ändern.

Im ganzen Land besteht das Risiko von terroristischen Akten, vor allem in den südlichen Quartieren von Beirut und in Tripoli. Zum Beispiel hat am 12. November 2015 ein Doppelanschlag im südlichen Quartier von Beirut, Bourj al Barajneh, dutzende Todesopfer und über 200 Verletzte gefordert. Am 10. Januar 2015 forderte ein Anschlag in Tripoli mehrere Todesopfer.
Wiederholt sind Attentate auf religiöse und politische Ziele verübt worden, die auch unbeteiligte Opfer gefordert haben, zum Beispiel am 19. November 2013 vor der iranischen Botschaft und am 27. Dezember 2013 in der Nähe des Parlaments. Nach solchen Ereignissen, wie auch bei politischen Spannungen, kann es im ganzen Land zu lokalen Ausschreitungen, Demonstrationen und Strassenbarrikaden kommen. Dabei kann es auch zu vereinzelten Schiessereien zwischen Anhängern verschiedener politisch-religiöser Lager kommen sowie zu Verkehrsbehinderungen.

Vereinzelt kommen Entführungen vor, die in der Regel einen kriminellen Hintergrund haben. Am häufigsten betroffen sind libanesische und syrische Staatsangehörige in der Region Akkar (Norden) und in der Bekaa-Ebene.

Beachten Sie auch die Rubrik
Terrorismus und Entführungen

Informieren Sie sich vor und während der Reise in den Medien über die aktuelle Lage. Befolgen Sie die Anweisungen der lokalen Behörden und Ratschläge von ortsansässigen Geschäftspartnern und Bekannten. Meiden Sie Demonstrationen jeder Art.

Spezifische regionale Risiken

Bei der Beschreibung von Gefahrenzonen handelt es sich um ungefähre Angaben; Risiken lassen sich nicht auf exakt umrissene Gebiete einschränken.

Beirut: Meiden Sie die südlichen Quartiere der Stadt. Sie waren wiederholt Ziel von Anschlägen. Benutzten Sie ausschliesslich die Hauptstrasse, um vom Flughafen nach Beirut zu gelangen.

Saïda (Sidon): Vereinzelt kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Bei einem Überfall Militanter auf einen Armeeposten und dem anschliessenden Schusswechsel sind am 23. Juni 2013 mehrere Personen ums Leben gekommen. Von Reisen nach Saïda wird abgeraten.

Flüchtlingslager: Die Spannungen sind hoch und können sich aus geringem Anlass in Gewalttaten entladen. Von Besuchen der Flüchtlingslager und deren Umgebung wird aus Sicherheitsgründen abgeraten.

Südlibanon: Das Risiko von nicht explodierten Bomben und Minen ist hoch. Ausserdem finden in diesem Gebiet laufend Truppenverschiebungen statt. Im libanesisch-israelischen Grenzgebiet sind die Spannungen sehr hoch. Mit Ausnahme der Stadt Sur (Tyr) wird von Reisen ins Gebiet südlich des Litani-Flusses bis zur israelischen Grenze abgeraten.

Bekaa-Ebene: Die Sicherheitslage in der Bekaa-Ebene hat sich durch den bewaffneten Konflikt in Syrien zunehmend verschlechtert. Es sind bewaffnete Gruppierungen aktiv, und Grenzüberschreitungen durch Kämpfer sind häufig. In und um die Stadt Ersal kam es Anfang August 2014 zu schweren Kampfhandlungen. Es kommt regelmässig zu bewaffneten Zusammenstössen zwischen der Armee und militanten Gruppierungen, vor allem in und um Ersal, Ras Baalbek und Qaa. Spannungen zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen, aber auch innerhalb einzelner Gemeinschaften, können sich in bewaffnete Konfrontationen oder Anschläge entladen. Im Juni 2016 forderten Selbstmordanschläge in Qaa mehrere Todesopfer und Verletzte.
Im März 2011 wurde in der Nähe von Zahlé in der südlichen Bekaa-Ebene eine Gruppe ausländischer Touristen entführt und vier Monate lang festgehalten. Seither sind mehrere Entführungen bekannt geworden, zum Beispiel jene von fünf Ausländern im Mitte Juli 2015. Besonders die Zahl von Entführungen mit hohen Lösegeldforderungen hat zugenommen. Dieses Risiko besteht weiterhin. In der Bekaa-Ebene sind zahlreiche nicht explodierte Bomben und Minen vorhanden. Von Reisen in die Bekaa-Ebene wird abgeraten. Eine Ausnahme bildet das Gebiet am westlichen Rand der Ebene zwischen Zahlé und Kefraiya.

Nordlibanon: Es bestehen grosse Spannungen in der Region, die sich durch den Konflikt in Syrien und die Ankunft zahlreicher Flüchtlinge noch verschärft haben. Es kommt immer wieder zu bewaffneten Zusammenstössen zwischen verschiedenen politisch-religiösen Gruppierungen. Ende Oktober 2014 kam es im Stadtteil Bab al-Tebbaneh in Tripoli zu Kämpfen zwischen bewaffneten Islamisten und der libanesischen Armee, wobei zahlreiche Menschen getötet wurden. Am 10. Januar 2015 wurden mehrere Menschen bei einem Selbstmordattentat in einem Café im Stadtteil Jabal Mohsen in Tripoli getötet. Die Gefahr von weiteren Anschlägen und einer Eskalation ist gross. Von Reisen nach Tripoli und in die Region Akkar wird abgeraten.

Grenzgebiet zu Syrien: Der Konflikt in Syrien wirkt sich auf die Sicherheitslage entlang der Grenze aus. In den Gebieten in der Nähe der syrischen Grenze kommt es regelmässig zu Kämpfen zwischen extremistischen Gruppierungen und den libanesischen Streitkräften; Grenzüberschreitungen durch Kämpfer sind häufig. Von Reisen ins gesamte Grenzgebiet zu Syrien wird grossräumig abgeraten.

Ganzes Land: Informieren Sie sich bei den lokalen Behörden und/oder der Bevölkerung über das örtliche Risiko von Minenfeldern und nicht explodierten Bomben.
Lebanon Mine Action Center

Kriminalität

Die Kleinkriminalität hat zugenommen. Beachten Sie die üblichen Vorsichtsmassnahmen, und benutzen Sie wenn möglich Hoteltaxis oder telefonisch bestellte Taxis.

Verkehr und Infrastruktur

Die unvorhersehbare Fahrweise vieler Verkehrsteilnehmer sowie die oft mangelhafte Ausschilderung der Strassen bereiten ausländischen Automobilisten gewisse Schwierigkeiten. Für Reisen mit einem Personenwagen ist es deshalb empfehlenswert, ein Auto mit Chauffeur zu mieten und sich an die Hauptstrassen zu halten.

Besondere rechtliche Bestimmungen

Gleichgeschlechtliche Handlungen sind strafbar. Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz werden schon bei geringsten Mengen und bei jeder Art von Drogen mit mehrjährigen Gefängnisstrafen geahndet.

Es ist unter anderem verboten, uniformierte Personen, militärische Einrichtungen, öffentliche Bauten (Flughäfen, Brücken usw.), strategisch bedeutende Gebiete und Installationen zu fotografieren. Es ist jedoch nicht immer klar, was alles unter diese Kategorien fällt. Fragen Sie im Zweifelsfall die lokalen Sicherheitskräfte um Erlaubnis oder verzichten Sie auf die Aufnahme.

Die Haftbedingungen sind wesentlich schwieriger als in der Schweiz.

Kulturelle Besonderheiten

Die grosse Mehrheit Bevölkerung gehört verschiedenen muslimischen und christlichen Glaubensbekenntnissen an; insgesamt werden 18 Religionsgruppen anerkannt. In ländlichen Gebieten ist das Leben noch oft traditionell geprägt. Passen Sie Verhalten und Kleidung den lokalen Gepflogenheiten an. Informieren Sie sich in Reiseführern, bei Ihrem Reisebüro oder vor Ort über die Verhaltensregeln und die genauen Bestimmungen. Denken Sie daran, dass während des Ramadans besondere Regeln und Vorschriften zu beachten sind.

Bei politischen Reden oder Familienfesten werden häufig Schüsse in die Luft abgefeuert. Dieser Brauch führt immer wieder zu teils tödlichen Verletzungen durch herunterfallende Patronen.

Im Falle einer Heirat zwischen Ausländer/in und Libanese/Libanesin muslimischen Glaubens sind gewisse islamischen Verhaltensregeln und Gesetze zu beachten. Ein schiitischer Ehemann hat beispielsweise das Recht, die Ausreise seiner Ehefrau und Kinder – unabhängig von deren Staatsangehörigkeit – ohne Begründung zu verhindern. Ausserdem hat jeder libanesische Ehemann (unabhängig seiner Religion/Konfession) das Recht, mittels eines Gerichtsprozesses oder einer Klage bei einem Gericht ein Ausreiseverbot für seine Ehefrau und Kinder zu erwirken.

Naturbedingte Risiken

Libanon liegt in einem Erdbebengebiet.

Sollte sich während Ihres Aufenthalts ein grösseres Erdbeben ereignen, melden Sie sich möglichst rasch bei Ihren Angehörigen und befolgen Sie die Anweisungen der lokalen Behörden. Sind die Verbindungen ins Ausland unterbrochen, kontaktieren Sie die Schweizer Botschaft in Beirut.

Medizinische Versorgung

Die medizinische Versorgung ist gewährleistet. Krankenhäuser verlangen meistens eine Vorschusszahlung, bevor sie Patienten behandeln.

Wenn Sie auf bestimmte Medikamente angewiesen sind, sollte Ihre Reiseapotheke einen ausreichenden Vorrat enthalten. Bedenken Sie jedoch: In vielen Ländern gelten besondere Vorschriften für die Mitnahme von betäubungsmittelhaltigen Medikamenten (z.B. Methadon) und Substanzen, mit denen psychische Erkrankungen behandelt werden. Erkundigen Sie sich gegebenenfalls vor der Abreise direkt bei der zuständigen ausländischen Vertretung (Botschaft oder Konsulat) und konsultieren Sie die Rubrik Reiselinks, wo Sie unter anderem weitere Informationen zu diesem Thema sowie generell zur Reisemedizin finden. Über die Verbreitung von Krankheiten und mögliche Schutzmassnahmen informieren Ärzte und Impfzentren.

Besondere Hinweise

Sie sind verpflichtet, sich jederzeit mit dem Reisepass ausweisen zu können.

Nützliche Adressen

Notruf Polizei: 112
Notruf Ambulanz: 125 (Zivilschutz) oder 140 (Rotes Kreuz)
Zollbestimmungen: Lebanese Customs

Schweizer Vertretungen im Ausland: Wenn Sie im Ausland in eine Notlage geraten, können Sie sich an die nächste Schweizer Vertretung oder an die Helpline EDA wenden.
Schweizer Botschaft in Beirut

Helpline EDA

Ausländische Vertretungen in der Schweiz: Auskunft über die Einreisevorschriften (zugelassene Ausweise, Visum etc.) erteilen die zuständigen ausländischen Botschaften und Konsulate. Sie informieren auch über die Zollbestimmungen für die Ein- und Ausfuhr von Tieren und Waren: elektronische Geräte, Souvenirs, Medikamente etc.
Ausländische Vertretungen in der Schweiz

Ausschluss der Haftung
Die Reisehinweise des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) stützen sich auf eigene, als vertrauenswürdig eingeschätzte Informationsquellen. Sie verstehen sich als nützliche Hinweise zur sorgfältigen Planung einer Reise. Das EDA kann Reisenden aber den Entscheid und die Verantwortung für die Vorbereitung und Durchführung der Reise nicht abnehmen.
Gefahrensituationen sind oft nicht vorhersehbar, unübersichtlich und können sich rasch ändern. Das EDA übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit der Reisehinweise und für die Richtigkeit des Inhalts von verlinkten externen Internetseiten. Es lehnt jede Haftung für allfällige Schäden im Zusammenhang mit einer Reise ab. Forderungen im Zusammenhang mit der Annullierung einer Reise sind direkt beim Reisebüro oder der Reiseversicherung geltend zu machen.