Gültig am:
Publiziert am: 17.02.2017

Reisehinweise für Guatemala

Diese Reisehinweise entsprechen der aktuellen Lagebeurteilung des EDA. Sie werden laufend überprüft und bei Bedarf angepasst.
Beachten Sie auch die nebenstehenden länderunabhängigen Reiseinformationen und die Fokus-Themen; sie sind Bestandteil dieser Reisehinweise.

Grundsätzliche Einschätzung

Bei Reisen nach Guatemala ist der persönlichen Sicherheit grosse Aufmerksamkeit zu schenken. Die Kriminalitätsrate ist sehr hoch.

Seit dem Ende des Bürgerkrieges 1996 hat sich das Land noch nicht vollständig von dessen Folgen erholt: Das soziale Gefälle ist gross. Latente soziale Spannungen können sich landesweit ohne grosse Vorwarnung in lokale, gewaltsame Zusammenstösse entladen. Oftmals sind Rohstoffförderungsprojekte der Grund dafür. Bei Unruhen wie auch zur Bekämpfung krimineller Gruppen kann durch die Regierung kurzfristig der Ausnahmezustand über einzelne Gebiete verhängt werden.

Die Gewaltkriminalität ist sehr hoch. Auf die Justiz und die Sicherheitskräfte ist kaum Verlass.

Bei Streiks, Demonstrationen und Strassenblockaden kann es zu Gewaltanwendung kommen. Auch Verspätungen und Behinderungen des Reiseverkehrs sowie Versorgungsengpässe können die Folge sein. Meiden Sie Demonstrationen jeder Art.
Im Falle von Strassensperren und Streiks bleibt den Reisenden nichts anderes übrig, als sich lokal über alternative Reisemöglichkeiten zu erkundigen und gegebenenfalls die Normalisierung der Lage abzuwarten. Die schweizerische Botschaft in Guatemala City hat bei Blockaden nur eng begrenzte - je nach Situation gar keine - Möglichkeiten zur Unterstützung der Ausreise aus den betroffenen Regionen.

Berücksichtigen Sie diese Faktoren bei der Reiseplanung, und planen Sie genügend Zeit und finanzielle Mittel ein.
Informieren Sie sich vor und während der Reise bei Ihrem Reiseveranstalter und/oder der Tourismusbehörde INGUAT /ProAtur über die aktuelle Lage und die Durchführbarkeit der geplanten Reise.

Das Risiko von terroristischen Anschlägen kann auch in Guatemala nicht ausgeschlossen werden. Die Rubrik Terrorismus und Entführungen macht auf die Risiken des Terrorismus aufmerksam.
Terrorismus und Entführungen

Spezifische regionale Risiken

Bei der Beschreibung von Gefahrenzonen handelt es sich um ungefähre Angaben; Risiken lassen sich nicht auf exakt umrissene Gebiete einschränken.

Gesamtes Grenzgebiet zwischen Mexiko und Guatemala:
Das gesamte Grenzgebiet zu Mexiko wird als sehr gefährlich eingestuft, da sich dort der Drogen- und Menschenhandel konzentriert. Dieses Gebiet umfasst auch den Nationalpark Laguna del Tigre, die Sierra de Lacandon (Piedras Negras) und deren Umgebung. Die wichtige Grenzstadt Tecùn Umán gilt als Kriminellenhochburg.
Von Reisen ins gesamte Grenzgebiet zu Mexiko wird abgeraten

Guatemala City: Raubüberfälle auf Touristen werden in der ganzen Stadt und ihrer Umgebung verübt. Meistens sind die Täter bewaffnet. Auch in den besser situierten Residenz- und Geschäftszonen kommen Überfälle vor. Lassen Sie grosse Vorsicht walten.

Departemente Huehuetenango, San Marcos, Alta Verapaz und Baja Verapaz: In diesen nehmen Drogenproduktion und -handel immer mehr zu. Bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und kriminellen Gruppierungen können vereinzelt auch unbeteiligte Personen in Mitleidenschaft ziehen. Strassensperren und Kontrollen sind häufig. Lassen Sie grösste Vorsicht walten, und erkundigen Sie sich bei einer lokalen Vertrauensperson oder den lokalen Behörden über die aktuelle Lage. Besondere Vorsicht ist in den Departementen, in welchen Rohstoffförderungsprojekte angesiedelt sind, angebracht. Dort ist die Konfliktbereitschaft sehr hoch. Dabei können auch Ausländer in Mitleidenschaft gezogen werden

Departement Petén: Das ganze Departement wird als gefährlich eingestuft. Die Sicherheitskräfte bekämpfen kriminelle Gruppierungen in einer grossangelegten Offensive. Im Nationalpark Tikal und in der Nähe von Flores (einschliesslich in der Umgebung des Sees) wurden mehrere gewalttätige Überfälle auf Touristen (auch Vergewaltigungen) gemeldet. Besuchen Sie die Maya-Ruinen sowie die Naturschutzgebiete nur in Gruppen und in Begleitung eines offiziellen Führers und reisen Sie nach Möglichkeit im Flugzeug hin und zurück (Tourbus vom Flughafen bis zu den Ruinen vorhanden). Im Nationalpark Tikal wird zum Schutze der Besucher eine Touristenpolizei eingesetzt. Zudem organisiert die Touristenpolizei geschützte Fahrten zwischen dem internationaler Flughafen von Flores und Tikal. Trotzdem ist jederzeit äusserste Vorsicht geboten.

Grenzgebiete zu Belize (Departemente Petén und Izabal): Zwischen Guatemala und Belize bestehen langjährige Grenzstreitigkeiten. Im Grenzgebiet kann es zu lokalen Spannungen und Schiessereien kommen. Dabei können auch Zivilpersonen in Mitleidenschaft gezogen werden. Informieren Sie sich vor Reisen in die Grenzgebiete zu Belize bei den lokalen Behörden über die aktuelle Sicherheitslage.

Überlandstrassen: Auf folgenden Strassenabschnitten werden häufig Überfälle gemeldet und es ist grösste Vorsicht geboten:
Carretera Panamericana (auch Interamericana oder CA-1 genannt): vom Atitlánsee bis zur Hauptstadt
"alte" Strasse von Panajachel am Atitlánsee nach Guatemala City (über Patzún und Patzicia) sowie
Carretera del Pacifico (auch CA-2 genannt): ganze Länge.

Kriminalität

Guatemala hat eine sehr hohe Kriminalitätsrate: Taschendiebstähle, Entführungen zwecks Lösegelderpressung, Vergewaltigungen und andere Gewalttaten werden im ganzen Land und zu jeder Tageszeit verübt. Häufigkeit und Brutalität nehmen sogar noch zu. Meistens werden Schusswaffen eingesetzt. Auch Ausländer und ganze Reisegruppen bleiben nicht verschont. Sowohl Fussgänger als auch Automobilisten werden oft von bewaffneten Motorradfahrern überfallen. Bei den sogenannten Express-Entführungen wird das Opfer zu Bargeldbezügen mit der Kreditkarte gezwungen.

Aus La Antigua wird seit dem Frühling 2014 eine Zunahme von Vergewaltigungen und anderer krimineller Handlungen gemeldet.

Beachten Sie unter anderem folgende Vorsichtsmassnahmen:

  • Es wird generell davon abgeraten, das Land alleine zu bereisen. Angesichts der steigenden Zahl von Vergewaltigungen sind Frauen besonders gehalten, sich an diese Empfehlung zu halten.
  • Seien Sie nachts besonders vorsichtig und informieren Sie sich lokal auch bei Bekannten, Geschäftspartnern oder beim Sicherheitsbeauftragten des Hotels über die lokalen Gegebenheiten, und erkundigen Sie sich, ob es in der Umgebung Orte gibt, die gemieden werden sollten.
  • Tragen Sie keine Wertgegenstände (Schmuck, Uhren, teure Kameras), keinen Modeschmuck und nur wenig Geld auf sich.
  • Halten Sie die Autofenster geschlossen und die Türen verriegelt.
  • Leisten Sie bei einem Überfall keinen Widerstand, denn die Gewaltbereitschaft ist extrem hoch. Die Verbrecher schrecken auch vor Morden nicht zurück.
  • Nehmen Sie von Unbekannten keine Getränke oder Esswaren an. Vor allem in Bars und Nachtklubs kommt es vor, dass Getränke mit Betäubungsmittel versetzt werden, um das Opfer auszurauben oder zu vergewaltigen.
  • Meiden Sie isolierte Quartiere und einsame Gegenden.
  • Auf vielen Hauptverbindungsstrassen operieren straff organisierte und extrem gewalttätige Banden. Überfälle auf Busse in und ausserhalb der Städte kommen häufig vor. Unternehmen Sie nachts und während der Stosszeiten keine Überlandfahrten, und benutzen Sie keine öffentlichen Verkehrsmittel.
  • Nehmen Sie ausschliesslich Hoteltaxis oder telefonisch bestellte Radiotaxis (Taxi Amarillo). Für Flughafentransfers nutzen Sie mit Vorteil die hoteleigenen Transportangebote.
  • Setzen Sie Ihre Kreditkarte mit Vorsicht ein, denn missbräuchliche Manipulationen von Geldautomaten sind verbreitet.
  • Benutzen Sie vorzugsweise Bancomaten im Innern von Bankgebäuden oder Einkaufszentren. Beziehen Sie nur kleinere Beträge, da gerade Ausländer oft beobachtet werden.
  • Unternehmen Sie Wanderungen, Exkursionen und Off-Road-Touren ausschliesslich in Gruppen und in Begleitung eines vertrauenswürdigen lokalen Reiseführers. Achten Sie darauf, dass dieser bei der Tourismusbehörde INGUAT registriert ist.

Die Rechtsunsicherheit ist gross: Straftaten und Verbrechen bleiben meistens ungeahndet. Die Polizei leidet unter Korruption, Unerfahrenheit und Geldmangel. Es kommt vor, dass Überfälle durch Personen in Polizeiuniformen verübt werden. Das Justizsystem ist ineffizient und überlastet. Die Bevölkerung hat deshalb wiederholt Lynchjustiz angewendet.

Verkehr und Infrastruktur

Abseits der Hauptverkehrsachsen sind die Strassen in schlechtem Zustand. Die unberechenbare Fahrweise und der oft schlechte Zustand der öffentlichen Busse (sogenannte "Chicken-Bus") führen häufig zu schweren Verkehrsunfällen. Im ganzen Land sind Überfälle auf Busse häufig. Dabei kann es vorkommen, dass nebst dem Fahrer und seinem Helfer auch Fahrgäste in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die Strassenverhältnisse sind für Velotouren ungeeignet. Wegen der hohen Unfall- und Überfallgefahr wird von nächtlichen Überlandfahrten abgeraten, von Reisen mit dem Fahrrad wird generell abgeraten.

Ausflugsboote sind teilweise schlecht gewartet, und die Sicherheitsvorkehrungen sind mangelhaft.

Besondere rechtliche Bestimmungen

Juristische Verfahren und polizeiliche Ermittlungen verlaufen anders als in der Schweiz: Es muss mit langen Wartefristen gerechnet  und lokale Gegebenheiten Rechnung getragen werden. Die Dienste eines sorgfältig ausgewählten lokalen Anwalts sind unabdingbar.

Ausländische Fahrzeuglenker, die in einen Verkehrsunfall verwickelt sind, dürfen unter Umständen während der Dauer der gerichtlichen Untersuchungen und des Prozesses, die sich über Monate hinziehen können, das Land nicht verlassen. Auch bei finanziellen Streitigkeiten können Touristen/Geschäftsleute auf Veranlassung der Gegenpartei an der Ausreise gehindert werden.

Die Schweizer Botschaft in Guatemala kann nicht auf die Verfahren Einfluss nehmen. Siehe Rubrik Hilfe im Ausland.

Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz werden äusserst hart geahndet. Auch bei kleinsten Mengen und bei jeder Art von Drogen drohen Gefängnisstrafen zwischen 5 und 20 Jahren (Herstellung) und 12 bis 20 Jahren (Handel bzw. Besitz). Die Haftbedingungen sind sehr prekär: Minimale sanitäre Einrichtungen, Kriminalität, mangelhafte medizinische Versorgung, Schutzgeldzahlungen, überfüllte Zellen, schlechte Ernährung, Gewalt etc.

Kulturelle Besonderheiten

Begegnen Sie der Bevölkerung mit gebührendem Respekt und passen Sie Ihr Verhalten den lokalen Gepflogenheiten an. Fotografieren Sie Personen oder Personengruppen nur mit deren Einverständnis; andernfalls muss mit aggressiven Reaktionen gerechnet werden. Informieren Sie sich in Reiseführern, bei Ihrem Reisebüro oder vor Ort über die Verhaltensregeln

Naturbedingte Risiken

Guatemala liegt in einem Erdbebengebiet und zählt mehrere aktive Vulkane, zum Beispiel der Pacaya, Fuego und Santiaguito. Bei Exkursionen auf Vulkane ist grosse Vorsicht geboten und es ist unerlässlich, sich von einem kundigen Führer begleiten zu lassen. Erdbeben und Vulkanausbrüche können neben Verwüstungen auf dem Land auch Tsunami auslösen.
Pacific Tsunami Warning Center PTWC

Von Mai bis November muss mit Hurrikanen und starken Regenfällen gerechnet werden. Sie können Überschwemmungen, Erdrutsche und Infrastrukturschäden verursachen.

Es kommt vor, dass Ortschaften mehrere Tage von der Umwelt abgeschnitten sind. Beachten Sie die Wettervorhersagen sowie Warnungen und Instruktionen der lokalen Behörden, z.B. Absperrungen um aktive Vulkane, Evakuationsbefehle.
Instituto nacional de Sismologia, Vucanologia, Meteorologia e Hidrologia
Coordinadora Nacional para la Reduccion de Desastres
Weltorganisation für Meteorologie (WMO)

Sollte sich während Ihres Aufenthalts eine Naturkatastrophe ereignen, melden Sie sich möglichst rasch bei Ihren Angehörigen und befolgen Sie die Anweisungen der Behörden. Sind die Verbindungen ins Ausland unterbrochen, kontaktieren Sie die Schweizerische Botschaft in Guatemala City.

Medizinische Versorgung

Die medizinische Versorgung ist nur in Privatkliniken der Hauptstadt vollumfänglich gewährleistet, die sehr teuer sind. Krankenhäuser verlangen eine Vorschusszahlung (Bargeld, Kreditkarte) bevor sie Patienten aufnehmen und behandeln. Eigenes Verbandmaterial und Wegwerfspritzen können sich als nützlich erweisen.

Wenn Sie auf bestimmte Medikamente angewiesen sind, sollte Ihre Reiseapotheke einen ausreichenden Vorrat enthalten. Bedenken Sie jedoch: In vielen Ländern gelten besondere Vorschriften für die Mitnahme von betäubungsmittelhaltigen Medikamenten (z.B. Methadon) und Substanzen, mit denen psychische Erkrankungen behandelt werden. Erkundigen Sie sich gegebenenfalls vor der Abreise direkt bei der zuständigen ausländischen Vertretung (Botschaft oder Konsulat) und konsultieren Sie die Rubrik Reiselinks, wo Sie unter anderem weitere Informationen zu diesem Thema sowie generell zur Reisemedizin finden. Über die Verbreitung von Krankheiten und mögliche Schutzmassnahmen informieren Ärzte und Impfzentren.

Besondere Hinweise

Sie sind verpflichtet, sich jederzeit mit dem Reisepass (bzw. einer  durch die Schweizer Botschaft in Guatemala City oder einem guatemaltekischen Notar beglaubigten Fotokopie davon) ausweisen zu können.

Nützliche Adressen

Tourismusbehörde INGUAT / ProAtur: Notruf für Reisende, Informationen über die lokale Sicherheitslage und durch die Touristenpolizei begleitete Reisen: 1500 oder Tel: +502 2421 2810, prevencionturistica@inguat.gob.gt

Schweizer Vertretungen im Ausland: Wenn Sie im Ausland in eine Notlage geraten, können Sie sich an die nächste Schweizer Vertretung oder an die Helpline EDA wenden.
Regionales Konsularcenter in San José, Costa Rica
Schweizer Botschaft in Guatemala
Helpline EDA

Ausländische Vertretungen in der Schweiz: Auskunft über die Einreisevorschriften (zugelassene Ausweise, Visum etc.) erteilen die zuständigen ausländischen Botschaften und Konsulate. Sie informieren auch über die Zollbestimmungen für die Ein- und Ausfuhr von Tieren und Waren: elektronische Geräte, Souvenirs, Medikamente etc.
Ausländische Vertretungen in der Schweiz

Ausschluss der Haftung
Die Reisehinweise des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) stützen sich auf eigene, als vertrauenswürdig eingeschätzte Informationsquellen. Sie verstehen sich als nützliche Hinweise zur sorgfältigen Planung einer Reise. Das EDA kann Reisenden aber den Entscheid und die Verantwortung für die Vorbereitung und Durchführung der Reise nicht abnehmen.
Gefahrensituationen sind oft nicht vorhersehbar, unübersichtlich und können sich rasch ändern. Das EDA übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit der Reisehinweise und lehnt jede Haftung für allfällige Schäden im Zusammenhang mit einer Reise ab. Forderungen im Zusammenhang mit der Annullierung einer Reise sind direkt beim Reisebüro oder der Reiseversicherung geltend zu machen.