Reform des slowakischen Berufsbildungssystems

Projekt abgeschlossen
Drei junge Bäckerlehrlinge zeigen selbstgebackenes Brot.
Die Ausbildung an der Berufsschule für Lebensmittelverarbeitung und Hoteldienstleistungen in Bratislava bereitet die Lehrlinge gut auf den slowakischen Arbeitsmarkt vor. © DEZA ©

Ziel dieses Projektes ist die Reform des slowakischen Berufsbildungssystems und beinhaltet eine bessere Ausrichtung der Ausbildungsprogramme auf die Anforderungen des slowakischen Arbeitsmarktes. Laut Statistiken liegt die Jugendarbeitslosenquote in der Slowakei bei ungefähr 30%. Dennoch klagen viele Branchen in der Slowakei, dass es schwierig sei, gut ausgebildetes Personal zu finden und wünschen sich einen grösseren Praxisbezug bei der Berufsbildung. Darum wird in diesem Projekt die Zusammenarbeit zwischen Berufsschulen, Branchenverbänden und Arbeitgeberorganisationen aktiv gefördert. Die Schweiz hat dabei eine Vorbildfunktion und spielt mit ihrer langjährigen Erfahrung im dualen Bildungssystem eine wichtige Rolle bei diesen laufenden Reformen.

Land/Region Thema Periode Budget
Slowakei
Wirtschaftswachstum fördern und Arbeitsbedingungen verbessern
VocationalTraining
Regionale Entwicklung und Beschäftigung
26.01.2012 - 31.03.2017
CHF 3'885'000

Hinweis: Die Texte in allen Rubriken, mit Ausnahme «Erreichte Resultate», beschreiben die Situation vor Projektbeginn.

Die Schweiz unterstützt eine auf den Arbeitsmarkt abgestimmte duale Berufsbildung in der Slowakei

In der Schweiz ist die dominierende Form der Berufsbildung eine gleichzeitige Ausbildung in einem Betrieb und einer Berufsfachschule. Dieses sogenannte duale Bildungssystem ist eine Stärke der Schweiz. Die schweizerischen Berufsschulen und das schweizerische Bildungssystem gelten als besonders gut und nahe bei den Erwartungen der Berufsbranchen und deren Unternehmen. Die Ausbildung orientiert sich an tatsächlich nachgefragten Berufsqualifikationen und an den zur Verfügung stehenden Arbeitsplätzen. Dank dieses engen Bezugs zur Arbeitswelt verfügt die Schweiz im Vergleich zu anderen europäischen Ländern über einen hohen Anteil an gut qualifizierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und eine tiefe Arbeitslosenquote.

Eine praxisbezogene Ausbildung erhöht die Chance n auf dem Arbeitsmarkt

Die Slowakische Republik kennt noch kein solches duales Berufsbildungssystem. Die Berufsschulen bilden Lehrlinge in Theorie und Praxis aus, manchmal ohne genau zu wissen, was die slowakischen Unternehmen von den Berufsschulabsolventen erwarten und wie sich der slowakische Arbeitsmarkt weiterentwickelt. So können Lücken zwischen den durch die slowakische Berufsbildung erworbenen Fähigkeiten und den Wünschen der Betriebe entstehen. Dies trägt zur hohen Arbeitslosigkeitsquote von insbesondere Jugendlichen bei, die noch nie eine Stelle besetzt haben. Dieses Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit dem slowakischen staatlichen Bildungsinstitut (SIOV) durchgeführt. Zudem garantiert das eidgenössische Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB) das für die Projektumsetzung benötigte Fachwissen.

Das Projekt beinhaltet folgende Aktivitäten: 

Wissensaustausch und Situationsanalyse: Eine slowakische Projektdelegation besuchte mehrere Schweizer Ausbildungsstätten, um sich vor Ort ein Bild des schweizerischen dualen Bildungssystems machen zu können. Im Gegenzug reiste eine Delegation des eidgenössischen Hochschulinstituts für Berufsbildung in die Slowakei. Vertreterinnen und Vertreter des staatlichen slowakischen Berufsbildungsinstituts (SIOV) haben die Berufsbildungssituation in der Slowakischen Republik in verschiedenen Bereichen untersucht und mit den Anforderungen des Arbeitsmarktes verglichen. Dabei kam eine Methode des eidgenössischen Hochschulinstituts für Berufsbildung (EHB) zur Anwendung. 

Wahl der Berufsorganisationen: Nach Gesprächen wurde eine Liste von geeigneten slowakischen Berufsorganisationen, welche eine Projektzusammenarbeit befürworten aufgestellt. Es handelt sich um Berufsorganisationen in den Branchen Chemie, Hochbau, Elektrotechnik, Lebensmittelindustrie und Gastgewerbe. Ihre Aufgabe ist es, die Bedürfnisse des Privatsektors einzubringen und Unterstützung zu leisten, damit die Anforderungen des Arbeitsmarkts in die Lehrpläne eingebracht werden.

Vermittlung schweizerischer Erfahrungen: Experten von sechs Berufsschulen in den Bereichen Technik, Chemie, Bäckerei-Konditorei, Glas, Bau und Coiffure wurden vom EHB ausgebildet. 

Entwicklung neuer Ausbildungsprogramme: Basierend auf den vorhergegangenen Analysen und in Absprache mit Berufsorganisationen wurden neue Ausbildungsprogramme („Curricula“) entwickelt und in der Praxis in verschiedenen Berufsschulen getestet und ausgewertet. Dabei werden auch Instruktoren und Berufschullehrer hinsichtlich der neuen Inhalte und Methoden der Programme geschult. Zur Verbesserung der Praxisbezogenheit werden zusätzliche und neuere Geräte und Maschinen zu Ausbildungszwecken zur Verfügung gestellt. Im Übrigen, werden Praktika in Unternehmen gefördert. 

Attraktivitätssteigerung des slowakischen Berufsbildungssystems: In Schulen wird auf die Vorteile und Vorzüge einer Berufsbildung hingewiesen, namentlich in Branchen in denen die Nachfrage nach Fachkräften das Angebot übersteigt. Um das Ansehen der Berufsbildung zu verbessern, werden gemeinsam mit der Regierung einige Anstrengungen unternommen: an Besuchstagen, Pressekonferenzen und Workshops wird über die Reformen informiert und landesweite Informationskampagnen zielen darauf hin, die Attraktivität der Berufsbildung zu steigern. Die beste Werbung für die Berufsbildung ist und bleibt jedoch der Erfolg der Abgängerinnen und Abgänger bei der Stellensuche.