Bessere Lebensbedingungen für Romas in der Slowakei

Projekt abgeschlossen
Zwei Mädchen geben sich die Hände.
Die Schweiz engagiert sich für einen besseren Zugang zu Bildung und setzt sich dabei vor allem für die soziale Integration von Roma-Kindern in das nationale Schulsystem ein. © DEZA DEZA

Integration der Roma in die Gesellschaft ist sowohl für die Slowakei als auch für die gesamte Region eine grosse Herausforderung. In der Slowakei werden die Roma und andere ethnische Minderheiten, die in Kosice und Presov im Nordosten des Landes rund 8.5 Prozent der Bevölkerung ausmachen, heute gegenüber der Bevölkerungsmehrheit benachteiligt. Sie wohnen in schlecht gebauten, oft heruntergekommenen Häusern und haben kaum Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung. Die schlechten Lebensbedingungen führen zu Langzeitarbeitslosigkeit und hoher Armut. Ein Projekt der DEZA im Rahmen des Erweiterungsbeitrags soll ihre Lebenslage verbessern.

Land/Region Thema Periode Budget
Slowakei
Soziale Sicherheit erhöhen
Sozialdienste für bestimme Zielgruppen
01.05.2012 - 30.06.2017
CHF 1'410'000

Hinweis: Die Texte in allen Rubriken, mit Ausnahme «Erreichte Resultate», beschreiben die Situation vor Projektbeginn.

Dreh- und Angelpunkt des DEZA-Projekts Community on the way to prosperity sind Gemeindezentren, die unter anderem Kurse und Weiterbildung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene anbieten. Fachleute begleiten und beraten sie in Fragen des Alltags, sei es bei den Finanzen oder beim Recht auf Gesundheitsversorgung. Bestehende Zentren in sieben Gemeinden werden rehabilitiert und drei neue Gemeindezentren befinden sich im Aufbau.

Community on the way to prosperity verfolgt konkret drei Ziele:

  • Soziale Dienstleistungen und Bildungsangebote
    Kinder im Vorschulalter können am Morgen den Kindergarten in den Gemeindezentren besuchen. Am Nachmittag stehen Lehrkräfte für Aufgabenhilfe und Stützunterricht zur Verfügung. Für erwachsene Roma werden Budget- und Finanzberatung angeboten. Sie werden über ihre Rechte aufgeklärt und erhalten Unterstützung beim Beantragen von Sozialhilfe. Daneben gib es zahlreiche Freizeitangebote: In Kursen im Bereich Theater und Musik, aber auch in Kunst, Literatur und Handwerk lernen Jugendliche Fähigkeiten und Ambitionen zu entwickeln. Spezialistinnen und Spezialisten reflektieren gemeinsam mit den Jugendlichen ihre Lebenshaltung. Sie fördern und begleiten aber auch diejenigen, die ein ehrgeiziges Ziel verfolgen und beispielsweise studieren wollen.
  • Verbesserung der Arbeitsfähigkeiten und Unterstützung bei der Stellensuche
    Weiterbildungskurse in IT und im Umgang mit Computern sowie Schreib- und Lesekurse für Analphabetinnen und Analphabeten sollen die Chancen der Roma auf dem Arbeitsmarkt erhöhen. Gleichzeitig werden sie bei der Arbeitssuche unterstützt. Mikrodarlehen ermöglichen Familien die Gründung eines eigenen Kleinunternehmens. Die Roma werden auch ermutigt, Ersparnisse für die Zukunft anzulegen. Als Anreiz wird ihnen das Sparkapital nach zwei Jahren verdoppelt.
  • Sensibilisierung und Verbesserung der Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden
    Mit den am Projekt teilnehmenden Gemeinden mit einem hohen Roma-Anteil und den Bezirken von Kosice und Presov werden Methoden zur Vermeidung von sozialem Ausschluss der Roma getestet und zur landesweiten Anwendung weitergegeben. Dabei fungieren die Leiter der Gemeindezentren sowie professionelle Mentoren und Tutoren als Ansprechpersonen und Vermittler zwischen Roma und Nicht-Roma. Sie spielen in der Projektumsetzung eine wichtige Rolle, namentlich auch als Lehrkräfte gegenüber den noch wenig erfahrenen Angestellten der Zentren der Behörden (Coaching, training of the trainers) sowie als Kontaktpersonen für die Behörden und als Entwickler neuer sozialer Dienstleistungen.

Herausforderungen

Eine besondere Herausforderung ist die Sprache. In der öffentlichen Schule ist die Sprache für die Romakinder eines der grössten Hindernisse. Sie verstehen kein slowakisch und die slowakischen Kinder nicht die Sprache der Roma. Deshalb ist die Zusammenarbeit mit dem Lehrpersonal zentral.

Eine weitere Herausforderung ist das Entwickeln von sozialen Diensten, die den Bedürfnissen der Roma tatsächlich entsprechen und es kann einige Zeit dauern bis diese Bedürfnisse eruiert sind und sich alle Beteiligten auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt haben. Es gilt Misstrauen zu überwinden und Vertrauen zu schaffen. Es braucht ferner auch Zeit und Überzeugungskraft, die Familien von den Vorteilen zu überzeugen, die eine Budgetplanung und das Anlegen von Ersparnissen bringen. Dafür braucht es oft das konkrete Beispiel, dass das Sparkapital nach zwei Jahren tatsächlich verdoppelt wird, bevor andere Familien zu sparen beginnen.

Erwartete Resultate des Projekts

Rund 11‘700 Personen in zehn Gemeinden mit Roma nehmen die Dienstleistungen von lokalen, speziell geschulten Beraterinnen und Beratern im Sozialbereich in Anspruch. Es sind Partnerschaften zwischen Gemeindebehörde, öffentlicher Schule, beauftragter Nicht-Regierungsorganisation und Gemeindezentren aufgebaut. Drei neue Gemeindezentren sind erstellt und eingerichtet und werden besucht; die bereits bestehenden sieben werden weiter ausgebaut. Ungefähr 2000 Familien nehmen an Sparprogrammen teil und nutzen Mikrodarlehen um sich langfristig ein geregeltes Einkommen zu sichern.

Die betroffenen Gemeinden haben sich vertraglich verpflichtet, für das Projekt gewisse Infrastruktur wie unentgeltliche Abfallentsorgung, Trink- und Abwasserversorgung zur Verfügung zu stellen.