Erhöhte Sicherheit für die kroatische Bevölkerung in minenverseuchten Gebieten


Ein Entminer befreit ein Wiesenstück von Minen
Die Schweiz schafft mit dem Entminungsprojekt in Kroatien ein sicheres und geschütztes Umfeld für die Bevölkerung in minenverseuchten Gebieten. © CROMAC

Minen und andere explosive Kriegsrückstände sind ein gefährliches Erbe des Kroatienkriegs von 1991-1996 und beeinträchtigen die Sicherheit der lokalen Bevölkerung. Die wirtschaftliche und soziale Integration von Minenopfern ist eine Herausforderung für die Gesellschaft. Die Schweiz unterstützt im Rahmen des Schweizer Erweiterungsbeitrags mit 3 Millionen CHF Massnahmen zur Beseitigung von Minen und zur Besserstellung von Minenopfern sowie deren Familien. Die Lebensqualität der Bevölkerung in den von Minen kontaminierten Gebieten wird somit verbessert.

Land/Region Thema Periode Budget
Kroatien
Öffentliche Sicherheit erhöhen
01.06.2017 - 10.12.2024
CHF 3'000'000

Hinweis: Die Texte in allen Rubriken, mit Ausnahme «Erreichte Resultate», beschreiben die Situation vor Projektbeginn.

In Kroatien liegt schätzungsweise eine Fläche von 368 km² vor, die mit rund 32'000 explosiven Kriegsrückständen kontaminiert ist. Neben der Gefahr für die Bevölkerung verhindern diese Minen die Nutzung von Wald- und Agrarflächen. Die verminten Flächen sind aufgrund der Bewaldung schlecht zugänglich und die Entminungsarbeiten sind geld- und zeitintensiv. Auf der Grundlage internationaler Verträge sollte Kroatien ursprünglich bis März 2019 alle Antipersonenminen vernichtet haben. Diese Frist wurde nun bis 2026 verlängert, da die Minenräumung trotz grosser nationaler Investitionen und finanzieller Unterstützung aus der EU nur langsam voranschreitet. Kroatien ist deshalb auf externe Unterstützung angewiesen.

Rekordschnelle Entminung im Wald von Kotar-Stari Gaj

Die Schweiz konnte bereits erfolgreich zur Beschleunigung der Minenräumung beitragen. Im September 2018 entschärften 294 kroatische Minenräumer im Wald von Kotar-Stari Gaj eine Fläche von 1,8 km². Dabei wurden 3585 zurückgelassene Sprengkörper aus dem Kroatienkrieg entschärft. Durch umfangreiche Planungsbemühungen des kroatischen Zentrums für Entminung (CROMAC) und grossem personellem Einsatz konnte die von der Schweiz finanzierte Räumung ohne Zwischenfälle in einer Rekordzeit von nur 39 Tagen erfolgen. Vergleicht man diese Zahl mit dem jährlichen Durchschnitt entschärfter Minen in ganz Kroatien (2000-3000 Minen pro Jahr) wird deutlich, wie effizient die Entminungen im Rahmen des Schweizer Projekts vollzogen wurden. Mit 9567 entschärften explosiven Kriegsresten im Jahr 2018 hat CROMAC somit die bisherige Höchstzahl erreicht. Die definitive Freigabe der entminten Flächen für eine produktive Nutzung erfolgt, wenn umliegende Flächen ebenfalls entmint worden sind.

Mehr zivile Minenopfer nach dem Krieg als während des Kriegs

Das durch den Schweizer Erweiterungsbeitrag entminte Waldgebiet Kotar-Stari Gaj liegt 60 km südlich der kroatischen Hauptstadt Zagreb und grenzt an Bosnien. Das Gebiet gilt als eines der gefährlichsten Minengebiete Kroatiens, da die Minenfelder direkt an Wohngebiete grenzen. Nach dem Krieg waren mehr zivile Opfer zu verzeichnen als während des Kriegs. Seit 1991 sind allein in diesem Wald 31 Menschen durch Minen getötet und 45 schwer verletzt worden. Ein monumentaler Grabstein gedenkt vor Ort einem tödlich verunglückten 33-jährigen Minenräumer. Unfälle im Zusammenhang mit Minen erfolgen in dieser Umgebung am häufigsten bei der Abholzung, der Landbewirtschaftung und auf der Jagd.

Auch die beiden Anwohner, Dragomir Brkic und Ivica Portner, haben die lebensbedrohliche Gefahr der Minen unmittelbar erfahren. Brkics Vater wurde als Zivilist in diesem Waldgebiet schwer verletzt und sein Bein musste amputiert werden. Portner hatte einen Freund, der bei der Entminungsarbeit tödlich verunglückt ist. Brkic und Portner waren früher selbst als Entminer tätig. Heute machen sie die Qualitätskontrolle von beendigten Entminungsgebieten. Sie beteuern, dass die Ängste der lokalen Bevölkerung gegenüber entminten Gebieten nicht einfach durch die Minenräumung getilgt sind. Die negativen Erfahrungen über Jahre hinweg bleiben mehrere Generationen präsent.

Eingliederung der Minenopfer in die Gesellschaft und Wirtschaft

Neben der physischen Entminung und der Aufklärungsarbeit ist die Opferhilfe ein wichtiger Pfeiler eines gesamten Massnahmenpakets beim Betreiben von «Mine-Action». Das schweizerisch-kroatische Projekt beinhaltet eine Komponente zur Unterstützung der Opfer und deren Familien. Bis zum Zeitpunkt des Projektabschlusses im Jahr 2024 soll eine nationale Datenbank mit Bedarfsanalyse der Minenopfer umgesetzt sowie Massnahmen zur wirtschaftlichen und sozialen Integration der Betroffenen ausgearbeitet werden.

Aufklärungsarbeit führt zu einer Senkung der Opferzahl

Seit 2017 gab es in Kroatien keine minenbezogenen Unfälle mehr. Einer der Hauptgründe dafür ist die geleistete Aufklärungsarbeit zu den Minenrisiken. In ganz Kroatien sind über 12’300 Minenwarnschilder aufgestellt. Zudem kann sich die Bevölkerung über das App «Misportal» von CROMAC mittels Detailkarten über gefährliche Gebiete informieren.

Zwei Minenräumer vor Schildern
Dragomir Brkic und Ivica Portner wohnen in den umliegenden Dörfern des im Rahmen des Erweiterungsbeitrags entminten Waldgebiets und haben deren Quali-tätskontrolle durchgeführt. Sie selbst waren früher als Entminer tätig. © DEZA
Frau benutzt Minen-App
Das App «Misportal» von CROMAC informiert über verschiedene Minentypen in Kroatien. © DEZA