Haltung der Schweiz zu den Protesten im Iran
Seit Mitte September 2022 setzen sich Tausende von Menschen auf den Strassen iranischer Städte für Frauenrechte und freie Meinungsäusserung ein und demonstrieren gegen die aktuelle Regierung in Teheran. Die iranischen Behörden haben auf die Proteste mit Gewalt reagiert. Die Schweiz verurteilt diese Reaktion und setzt sich auf bilateraler und multilateraler Ebene für die Achtung der Menschenrechte und eine Deeskalation ein. Eine Chronologie und Antworten zur Haltung der Schweiz.
Der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini löste Mitte September 2022 weitgreifende Proteste der iranischen Bevölkerung aus. Die Menschenrechtslage im Iran ist prekär für die Demonstrierenden: Hunderte Menschen kamen während der Proteste ums Leben und über 15'000 wurden festgenommen. Anfang Dezember kam es zu den ersten Hinrichtungen von Demonstrierenden.
Der Einsatz gegen die Todesstrafe und gegen Folter und für die Meinungsäusserungsfreiheit sind Prioritäten der Schweizer Menschenrechtsdiplomatie. Die Schweiz verurteilt entsprechend die Menschenrechtsverletzungen im Iran. Dazu zählen auch die übermassige Gewaltanwendung durch Sicherheitskräfte, die grossflächigen Einschränkungen des Internetzugangs und die Hinrichtungen im Rahmen der Proteste.
Sie ist regelmässig mit den iranischen Behörden in Kontakt und nutzt jede Gelegenheit, um sich gegen die Todesstrafe, für die Achtung der Menschenrechte und gegen die Anwendung von Gewalt einzusetzen.
Einsatz der Schweiz auf zwischenstaatlicher Ebene
September 2022
Am 20. September 2022, nur vier Tage nach dem Tod von Mahsa Amini, traf Bundespräsident Ignazio Cassis den iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi im Rahmen der UNO-Generalversammlung in New York. Der Bundespräsident brachte dabei seine Besorgnis über die Lage im Iran zum Ausdruck.
@ignaziocassis, Social Media Plattform X, 21.09.2022
Oktober 2022
Am 5. Oktober veröffentlichte die Schweiz auf Twitter ihre Position zur Situation im Iran, die sie seit Mitte September bei allen bilateralen Treffen und in multilateralen Gremien vertritt.
@EDA - DFAE, Social Media Plattform X, 05.10.2022
Am 26. September und am 18. Oktober hat die Schweiz den iranischen Geschäftsträger in Bern einbestellt und den Iran aufgefordert, gegenüber den Demonstrierenden Zurückhaltung zu üben und die Internetrestriktionen aufzuheben. Zur gleichen Zeit brachte die Schweizer Botschafterin in Iran den Fall von Mahsa Amini vor dem Vorsitzenden des Hohen Rates für Menschenrechte des iranischen Justizministeriums zur Sprache.
Dezember 2022
Die Schweiz hat Anfang Dezember die erste Hinrichtung eines Demonstranten umgehend öffentlich verurteilt.
@EDA - DFAE, Social Media Plattform X, 08.12.2022
Am 13. Dezember hat die Schweiz erneut beim iranischen Geschäftsträger in Bern und im iranischen Aussenministerium in Teheran interveniert. Dabei hat sie die jüngsten Hinrichtungen im Zusammenhang mit den Protesten scharf verurteilt und die iranischen Behörden aufgefordert, die Situation zu deeskalieren und die Hinrichtungen sofort einzustellen.
@FDFA Middle East & North Africa Division, Social Media Plattform X, 13.12.2022
Am 23. Dezember 2022 forderte der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten EDA, Bundespräsident Ignazio Cassis, den iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi persönlich dazu auf sicherzustellen, dass Iran seine internationalen Verpflichtungen einhält und die Hinrichtungen sofort einstellt.
Januar 2023
Anfang Januar 2023 wurden in Iran zwei weitere Personen hingerichtet. Das EDA verurteilte die Hinrichtungen in einem Tweet.
@SwissMFAStatSec, Social Media Plattform X, 07.01.2023
Einsatz der Schweiz auf multilateraler Ebene
Bereits am 26. September 2022 forderte die Schweiz im UNO-Menschenrechtsrat eine schnelle, unparteiische und unabhängige Untersuchung des Falls von Mahsa Amini.
Ähnlich erklärte sich die Schweiz auch am 26. Oktober im Ausschuss für soziale, humanitäre und kulturelle Fragen der UNO-Generalversammlung. Sie verurteilte bei dieser Gelegenheit öffentlich die gewaltsame Reaktion Irans auf die zivilen Proteste.
Die Schweiz unterstützte zudem eine Resolution des Menschenrechtsrats, die am 24. November an einer Sondersitzung zum Iran verabschiedet wurde. Die Resolution sieht die Einrichtung einer Fact-Finding-Mission vor, um die Beweise für Menschrechtsverletzungen zu dokumentieren und zu sichern.
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