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Situation im Nahen und Mittleren Osten

Krise

Aktualisiert am 24. Apr. 2026

Stellungnahme der Schweiz und Informationen für Schweizer Staatsangehörige und Reisende in der Region.

MedienmitteilungVeröffentlicht am 26. April 2026

Auswertungsbericht 2025: Rassismusvorfälle aus der Beratungsarbeit

Bern, 26.04.2026 — Das Beratungsnetz für Rassismusopfer hat im Jahr 2025 insgesamt 1245 Beratungsfälle rassistischer Diskriminierung dokumentiert und ausgewertet. Das sind 34 Fälle mehr als im Vorjahr, was einer Zunahme um knapp 3% entspricht. Nach dem starken Anstieg von nahezu 40 Prozent im Jahr 2024 haben sich die Zahlen damit auf hohem Niveau stabilisiert. Die meisten Vorfälle ereigneten sich auch im Jahr 2025 im Bildungsbereich, am Arbeitsplatz sowie im öffentlichen Raum und in der Nachbarschaft. Sie betrafen am häufigsten Anti-Schwarzen Rassismus und Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit. Zudem zeigte sich wiederum eine deutliche Zunahme von Fällen von antimuslimischem Rassismus, während Antisemitismus auf konstant hohem Niveau blieb.

Die Stabilisierung der Fallzahlen verhinderte eine weitere Verschärfung der Belastung der Mitarbeitenden der Beratungsstellen. Der starke Anstieg von fast 40% im Jahr 2024 hatte viele an ihre Belastungsgrenze geführt, eine weitere Zunahme in diesem Ausmass wäre kaum zu bewältigen gewesen. Trotz der aktuellen Stabilisierung verharren die Fallzahlen weiterhin auf einem hohen Niveau. Gleichzeitig bleiben die personellen und finanziellen Ressourcen in den Beratungsstellen angespannt, da seit dem deutlichen Anstieg im Jahr 2024 in den meisten Fällen keine entsprechenden Aufstockungen erfolgt sind.

Im Jahr 2025 wurden mit 22% erneut der grösste Anteil der Fälle im Bildungsbereich gemeldet, insbesondere in der obligatorischen Schule. Dort betrifft ein Grossteil der Meldungen Anti-Schwarzen Rassismus (41%), gefolgt von antimuslimischem Rassismus (25%) und Ausländerfeindlichkeit (20%).

Der Lebensbereich Arbeitsplatz folgt mit 17% und verzeichnet mit einem Anstieg von drei Prozentpunkten die deutlichste Zunahme. So meldete sich eine Frau, die bei Ihrer Arbeit in der Pflege von einer Patientin massiv rassistisch beschimpft und zudem fälschlicherweise des Diebstahls beschuldigt wurde. Der Arbeitgeber unterstützte die Frau weder gegenüber der Patientin noch gegenüber der Polizei. Solche falschen Anschuldigungen wurden in 15% aller Fälle gemeldet und treten damit relativ häufig auf. Noch häufiger sind rassistische Beschimpfungen, die in 25% aller Fälle gemeldet wurden. Zudem zeigt sich wiederholt, dass Autoritätspersonen wie Arbeitgebende oder Lehrpersonen bei rassistischen Vorfällen oft nicht konsequent eingreifen und die Betroffenen unzureichend schützen.

Die am häufigsten genannten Diskriminierungsmotive bleiben Anti-Schwarzer Rassismus (33%), Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit (30%), darauf folgt Antimuslimischer Rassismus mit 23%, der um 5 Prozentpunkte zugenommen hat. Weitere Motive sind Rassismus gegen Menschen aus dem arabischen Raum (9%), Rassismus gegen Menschen aus dem asiatischen Raum (8%) sowie Antisemitismus (5%).

Die im Bericht dokumentierten Fälle rassistischer Übergriffe zeigen nur die Spitze des Eisbergs. Für viele Betroffene ist Rassismus auch in der Schweiz allgegenwärtig und begleitet sie ihr ganzes Leben lang in unterschiedlichsten Situationen und Formen. Wenn wir als Gesellschaft Rassismus wirksam bekämpfen wollen, gelingt uns dies nur, wenn wir die Betroffenen und ihre Erfahrungen ernst nehmen. Darauf aufbauend braucht es gezielte und wirksame Massnahmen gegen Rassismus in allen Lebensbereichen.

Der Bericht kann auf Deutsch, Französisch und Italienisch unter www.network-racism.ch heruntergeladen und kann hier bestellt werden: Beratungsnetz für Rassismusopfer, Tel. 031 302 01 61, beratungsnetz@humanrights.ch.