Bilaterale Beziehungen Schweiz–Sudan

Die Schweiz spielte beim Abschluss des Waffenstillstandsabkommens, das 2002 zwischen der sudanesischen Regierung und der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung SPLM abgeschlossen wurde, eine aktive Rolle. Obwohl der Sudan über wirtschaftliches Potenzial verfügt, ist der Handel zwischen den beiden Ländern gering. Die Humanitäre Hilfe der Schweiz engagiert sich zwar im Sudan, der Staat ist aber kein Schwerpunktland der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA. 

Der Sudan, einst grösster Staat Afrikas, wurde am 9. Juli 2011 in zwei Länder aufgeteilt, nachdem die Bevölkerung des Südens sich für die Unabhängigkeit ausgesprochen hatte. 

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Die Schweiz leistet im Sudan, insbesondere in Darfur und anderen Konfliktregionen, seit Jahren humanitäre Hilfe und ist in der Friedensförderung engagiert. Unter anderem unterstützte die Schweiz die Verhandlungen zum Waffenstillstandsabkommen für die Nuba-Berge, das in der Schweiz ausgehandelt und am 19. Januar 2002 unterzeichnet wurde.

Dies war der Ausgangspunkt für weitere Verhandlungen, die 2005 zum Abschluss des «Comprehensive Peace Agreement», des Friedensabkommens zwischen der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung (SPLM) und der Regierung der Republik Sudan, führten.

Bilaterale Abkommen

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Der Handel zwischen der Schweiz und dem Sudan begann in den 1950er-Jahren. Die Schweiz importierte Baumwolle und Erdnüsse und exportierte Chemikalien, Maschinen und Uhren. Das Handelsvolumen zwischen den beiden Ländern ist bescheiden, dürfte in den nächsten Jahren jedoch zunehmen. Der Sudan verfügt über riesige Wasserreserven, grosse landwirtschaftliche Flächen und bedeutende Bodenschätze (das Land ist der weltweit grösste Produzent von Gummi arabicum und verfügt zudem über Erdöl, Gold, Silber, Kupfer und viele weitere Ressourcen).

Gegen den Sudan wurden verschiedene internationale und nationale Sanktionen erlassen (USA, EU, UNO). Allerdings haben die USA vor kurzem eine vorübergehende Aufhebung der Sanktionen gegen den Sudan beschlossen. Dies dürfte dem Handel zwischen dem Sudan und seinen Wirtschaftspartnern, darunter auch der Schweiz, potenziell Auftrieb verleihen. Die Schweiz wendet aufgrund ihrer internationalen Verpflichtungen die UNO-Sanktionen an.

Handelsförderung, Switzerland Global Enterprise

Zusammenarbeit im Bildungsbereich

Forschende und Kulturschaffende aus Sudan können sich beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) um Bundes-Exzellenz-Stipendien bewerben.

Schweizer Bundesstipendien

Friedensförderung und menschliche Sicherheit

Die Schweiz leistet einen Beitrag zur Förderung der Menschenrechte (Stärkung der Menschenrechte im Sudan, insbesondere in Darfur; Frauenförderungsprojekte) und zur Lösung gewisser Fragen, die nach der Trennung von Sudan und Südsudan geregelt werden müssen, etwa die Schuldenbewirtschaftung. Sie leistet zudem einen Beitrag an den «Darfur Community Peace and Stability Fund» (DCPSF).

Entwicklungszusammenarbeit und Humanitäre Hilfe

Die Schweiz leistet seit längerem humanitäre Hilfe, z.B. betreffend Nahrungssicherheit und Lebensunterhalt, Gesundheit, Wasserversorgung und Siedlungshygiene, Schutz von Binnenflüchtlingen. Sie unterstützt die Menschen bei der Sicherung ihrer Lebensgrundlagen nach dem Konflikt. Die Humanitäre Hilfe der Schweiz fördert vor allem Projekte in Darfur und Südkordofan.

Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe

Kulturaustausch

Seit 1965 steht Charles Bonnet, Archäologe und Emeritus der Universität Genf, an der Spitze eines Schweizer Teams von Wissenschaftlern, die in der nubischen Wüste forschen, um die frühen Siedler der prähistorischen Periode und der Antike besser zu verstehen.

Schweizerinnen und Schweizer im Sudan

Etwa 79 Schweizerinnen und Schweizer leben im Sudan. Einige von ihnen leben schon jahrelang im Sudan und besitzen die sudanesische Staatsangehörigkeit. Die meisten andern arbeiten für das IKRK, für UNO-Organisationen oder NGO.

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Die bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und dem Sudan sind jung und durch den Einsatz der Schweiz für die Beilegung von Konflikten und für das humanitäre Völkerrecht geprägt.

Die jahrhundertelange enge Beziehung des Sudans zu Ägypten wurde 1956 formell beendet, als die gemeinsame Behörde des britisch-ägyptischen Kondominiums die Herrschaft über das Land aufgab. Die Schweiz anerkannte den Sudan noch im selben Jahr und nahm 1960 diplomatische Beziehungen auf. Ein Jahr später eröffnete sie in der Hauptstadt Khartum eine diplomatische Vertretung.

Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz