Schweizer Expertinnen und Experten der zivilen Friedens- und Menschenrechtsförderung sind in in verschiedenen Bereichen aktiv: Sie begleiten den Friedensprozess in Kolumbien, unterstützen die Polizei in der Demokratischen Republik Kongo bei der Aufklärung von Verbrechen und bringen ihre Kompetenzen zu Menschenrechten, dem Schutz der Zivilbevölkerung oder zum Thema «Frauen, Frieden und Sicherheit» ein.
Die Einsätze des Expertenpools für zivile Friedensförderung (SEF) richten sich nach den geografischen und thematischen Prioritäten der Schweiz in der Friedens- und Menschenrechtspolitik. Im Rahmen ihrer Nachwuchsförderung unterstützt die Schweiz auch Einsätze junger Fachkräfte in internationalen Organisationen.
Die schweizerischen Expertinnen und Experten des SEF werden je nach Bedarf für Einsätze von einigen Tagen bis zu mehreren Jahren zur Verfügung gestellt, etwa als Wahlbeobachterinnen und -beobachter, als Beraterinnen und Berater bei der Polizei oder als Spezialistinnen und Spezialisten in den Bereichen Verfassungs- und Justizreform, Föderalismus, Mediation und Rechtsstaatlichkeit oder Menschenrechte und humanitäres Völkerrecht.
«In den ersten zwei Jahren meiner Entsendung, 2021–2022 unterstützte ich den Aufbau des Teams im Fundamental Rights Office (FRO) der EU-Agentur für Grenz- und Küstenwache (Frontex) in Warschau. Wir begannen mit nur zwölf Mitarbeitenden und zählen heute 65 Personen. Das FRO überwacht die Einhaltung der Grundrechte bei allen Frontex-Aktivitäten. Frontex geriet wegen Vorwürfen betreffend illegaler Rückschiebungen und anderer vermuteter Übergriffe auf Migrantinnen und Migranten in die Schlagzeilen. Die Stärkung des FRO hat zum Ziel, Verstösse gegen Grundrechte zu erkennen, diese zu vermeiden und entsprechende Massnahmen und Richtlinien zu erarbeiten.
Als Grundrechtsbeauftragte besteht meine Rolle darin, mögliche Fälle von Grundrechtsverletzungen zu untersuchen und, falls nötig, ein Verfahren zu eröffnen. Dabei schaue ich auch mal den Frontex-Kolleginnen und -kollegen auf hoher See über die Schultern. Ausserdem formuliere ich Empfehlungen für Frontex und für die nationalen Grenzschutzorganisationen, die an gemeinsamen Operationen beteiligt sind.»
Ein Kontingent aus Schweizer Polizistinnen und Polizisten stehen für Missionen der UNO und EU im Einsatz. Zu ihren Aufgaben gehören u.a. die Unterstützung, Reorganisation und Ausbildung der lokalen Polizeikräfte sowie der Schutz der Zivilbevölkerung und die Achtung der Menschenrechte.
«Als von der Schweiz entsendeter Polizeiexperte leite ich die «Serious Organized Crime and Terrorism Support Unit» in der UNO- Stabilisierungsmission in Mali (MINUSMA). Diese zehnköpfige Polizeieinheit ist für ein grosses Gebiet in Zentral-Mali zuständig. Wir beraten und begleiten hier die malischen Sicherheitskräfte bei den Ermittlungen zu organisiertem Verbrechen und Terrorismus, unterstützen die Wiederherstellung der staatlichen Autorität und den Aufbau einer bürgernahen Polizei.
Dank meiner Erfahrung als Inspektor bei der Kriminalpolizei Lausanne kann ich in Mali einen Beitrag zu einer besser funktionierenden Strafverfolgung leisten. Ich leite beispielsweise Ermittlungen, bei denen wir Dörfer besuchen, welche Opfer von Angriffen geworden sind. Dabei sprechen wir mit der Dorfbevölkerung und versuchen, möglichst viele Anhaltspunkte über die Ereignisse zusammenzutragen. Denn eine gut funktionierende Strafverfolgung ist eine unentbehrliche Voraussetzung für die Sicherheit der Bevölkerung und einen dauerhaften Frieden in Mali.»
Der Expertenpool koordiniert die Auswahl und Finanzierung von Einsätzen für Hochschulabsolventinnen und -absolventen. Der Arbeitsvertrag wird direkt mit der UNO abgeschlossen Studienabgänger und -abgängerinnen, die kürzlich ihr Diplom erhalten haben, können einen einjährigen Freiwilligeneinsatz absolvieren.
Junge Personen, die ihre internationale Berufslaufbahn bereits begonnen haben, können bis maximal drei Jahre als Junior Professionals bei der UNO arbeiten.
«Ich arbeitete während eines Jahres als UN Youth Volunteer für die Internationale Organisation für Migration (IOM) in deren Regionalbüro für den Nahen Osten und Nordafrika in Kairo in Ägypten in der «Liaison and Policy Unit». Die IOM hat zum Ziel, die Menschenrechtssituation von Migrantinnen und Migranten zu verbessern. Sie unterstützt beispielsweise Länder dabei, Migrationsstrategien auszuarbeiten und umzusetzen. Sie organisiert Schutz und Hilfe für Menschen, die durch Krisen vertrieben wurden.
Die COVID-19-Pandemie, welche während meines Einsatzes ihren Höhepunkt erreichte, erschwerte die Lage der Migrantinnen und Migranten zusätzlich. Ich war deshalb an der Ausarbeitung eines Konzeptpapieres für ein UNO-Migrationsnetzwerk beteiligt. Viele Migrantinnen und Migranten, die ihre Arbeit verloren hatten, versuchten vergeblich, in ihr Heimatland zurückzukehren. Das Konzeptpapier sollte die betroffenen Länder für diese Problematik sensibilisieren und ihnen die Einführung von Kooperationsmechanismen für die sichere Rückreise ihrer Bürgerinnen und Bürger vorschlagen.»
Weitere Organisationen des Bundes für internationale Einsätze
Das Schweizerische Korps für humanitäre Hilfe (SKH) rekrutiert Personen für humanitäre Einsätze. SWISSINT, das Kompetenzzentrum der Schweizer Armee, vermittelt Auslandeinsätze in der militärischen Friedensförderung.