Förderung der gemeindenahen Psychiatrie

Projekt abgeschlossen
Dank der Unterstützung der DEZA verbessert sich die Betreuung in Gemeinschaftszentren für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen in Bosnien und Herzegowina. © DEZA

In Bosnien und Herzegowina leidet ein grosser Teil der Bevölkerung immer noch an den Folgen des Krieges, der den Balkan in den 1990er-Jahren verwüstete. Seit 2010 hilft die Schweiz dem  Land, die Psychiatrie zu modernisieren, damit die Patientinnen und Patienten Zugang zu hochwertigen und gemeindenahen psychiatrischen Dienstleistungen erhalten.

Land/Region Thema Periode Budget
Bosnien und Herzegowina
Gesundheit
Governance
Primäre Gesundheitsversorgung
Stärkung der Gesundheitssysteme
Dezentralisierung
01.03.2014 - 28.02.2018
CHF 5'665'000

In Bosnien und Herzegowina nehmen psychische Störungen wie Depression, Angst und Störungen im Zusammenhang mit Stress und häuslicher Gewalt ständig zu. Besonders besorgniserregend sind Alkoholmissbrauch und Betäubungsmittelsucht bei jungen Erwachsenen, die an einem generationenübergreifenden Trauma leiden. Ein solches Trauma tritt auf bei Kindern von Eltern, die von einem Konflikt betroffen waren. Diese Störungen werden verschärft durch die hohe Arbeitslosigkeit und die Verarmung breiter Schichten. Die alternde Bevölkerung und die steigende Lebenserwartung führen zudem zu einer Zunahme von psychischen Problemen bei älteren Menschen, insbesondere zu Demenz.

Zur Bewältigung dieser Herausforderungen hat das Land 1996 eine umfassende Psychiatriereform lanciert. Ziel ist es, die psychiatrischen Dienste schrittweise in die allgemeine Gesundheitsversorgung zu integrieren. Seit 2010 wird das Land dabei von der DEZA in Partnerschaft mit den Kantonen Jura, Freiburg, Bern und Genf unterstützt.

Zugang zu psychiatrischen Dienstleistungen für alle

Mit dem  Projekt soll die Gesundheit und das Wohlergehen von Menschen mit psychischen Problemen oder mit einem erhöhten Risiko für psychische Störungen verbessert werden. Im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes werden  mehrere Ziele verfolgt: Dazu gehören beispielsweise die gemeindenahe Betreuung von Patientinnen und Patienten, die Bekämpfung der Stigmatisierung und die Verbesserung der sozialen Integration von Menschen mit psychischen Störungen. Bis heute wurde ein Netzwerk mit 74 Psychiatriezentren aufgebaut, das die ganze Bevölkerung des Landes abdeckt.

Das Projekt ist auf dem bestehenden System aufgebaut. Ziel ist, damit den Reformprozess zu fazilitieren undgleichzeitig die individuellen und organisatorischen Kompetenzen der beteiligten Institutionen zu verbessern. Die Kantone leisten ebenfalls einen bedeutenden Beitrag an die technische Unterstützung.

© EDA

Interdisziplinärer Ansatz

Die Zentren für psychische Gesundheit, die im Rahmen des Projekts geschaffen wurden, sind vollständig in die primäre Gesundheitsversorgung integriert und verfügen über ein hochwertiges Leistungsangebot, das grundsätzlich von der Krankenkasse übernommen wird. Die Zentren können zudem innerhalb einer angemessenen Frist neuartige Therapien anbieten, insbesondere dank der Ausbildung von qualifizierten interdisziplinären Teams, bestehend aus einem Psychiater, einer Psychologin, einer Pflegefachperson und einer Sozialarbeiterin. Dank diesem Ansatz kann die Therapie stärker auf die individuellen Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten zugeschnitten werden.

Die Zentren für psychische Gesundheit führen auch Sensibilisierungs- und Präventionskampagnen für die breite Bevölkerung durch. Ausserdem werden in Partnerschaft mit den Instituten für öffentliche Gesundheit der beiden Entitäten nationale Kampagnen zur Bekämpfung von Depressionen und Angststörungen organisiert. Es ist erwiesen, dass Investitionen in die Prävention wirksam sind und dass die Kosten für die Behandlung schwerer psychischer Störungen dank der früheren Diagnosestellung sinken und die Betreuung wirksamer wird. Dank der Kombination dieser Aktivitäten konnte die Hospitalisierungsrate seit der Lancierung des Projekts um 30% gesenkt werden.