Bosnien und Herzegowina

Die Schweiz unterstützt Bosnien und Herzegowina im  Übergang zu einer demokratischen Gesellschaft mit freier Marktwirtschaft. Im Zentrum der schweizerischen Zusammenarbeit stehen die Unterstützung politischer Reformen, die wirtschaftliche Entwicklung und der Ausbau des Gesundheitssektors.

Karte von Bosnien und Herzegowina

Bis heute beeinflusst das Friedensabkommen von Dayton, das 1995 den Bosnienkrieg beendete, die politische Struktur des dreigeteilten Staates: Im Gebiet der «Föderation Bosnien und Herzegowina» leben mehrheitlich Menschen bosniakischer und kroatischer Herkunft, in der «Republika Srpska» ethnische Serben. Der Distrikt Brcko ist ein selbstverwaltetes Gebiet. Die Politik bleibt von ethnischen Konflikten geprägt und die Transition des Landes schreitet nur langsam voran. Alle für den angestrebten EU-Beitritt notwendigen Verfassungsänderungen sind bisher gescheitert. Insbesondere in ländlichen Gebieten stellen Armut hohe Jugendarbeitslosigkeit das Land vor grosse soziale Herausforderungen. Die Folgen der Jahrhundert-Überschwemmungen vom Mai 2014 stellen das Land vor zusätzliche Herausforderungen.

Lokale Gouvernanz

Die Schweiz räumt in ihrer Zusammenarbeit mit Bosnien und Herzegowina der politischen, administrativen und fiskalischen Dezentralisierung hohe Priorität ein. Gemeinden sollen qualitativ gute Dienstleistungen erbringen (z.B. durch die Rehabilitierung von Wasserversorgung und Abwassersystemen) und die Bürgerinnen und Bürger sollen in ihrem politischen Umfeld eine aktivere Rolle übernehmen. Massnahmen zum Erfahrungsaufbau von Partnern und die Kooperation zwischen verschiedenen staatlichen Ebenen, namentlich zwischen den Gemeinden, Kantonen, Entitäten und dem Zentralstaat, gehen damit einher. Weil die Schweiz seit über zehn Jahren Projekte zur Dezentralisierung und lokalen Gouvernanz umsetzt, kann sie sich heute auf allen Ebenen auf umfassende Erfahrungen, Fachkompetenz und etablierte Partner stützen.

Wirtschaft und Beschäftigung

Um die Jugendarbeitslosigkeit einzudämmen, unterstützt die Schweiz die gezielte und nachfrageorientierte Entwicklung von beruflicher Aus- und Weiterbildung. Gleichzeitig stimuliert sie zusammen mit den öffentlichen Arbeitsvermittlungen die Schaffung neuer und attraktiver Arbeitsplätze. Die Schweiz engagiert sich für bessere Rahmenbedingungen zugunsten der Privatwirtschaft. Steuerverfahren sollen vereinfacht, die rechtlichen Bedingungen für Mikrofinanzinstitute verbessert und der Zugang bosnischer Firmen zu ausländischen Märkten vereinfacht werden.

Gesundheit

Bosnien und Herzegowina musste die medizinische Versorgung nach dem Krieg von Grund auf neu aufbauen. Ein wichtiger Pfeiler des neuen dezentralen Gesundheitssystems ist die Stärkung der Krankenpflege in den Gemeinden. Künftig soll die medizinische Grundversorgung allen Menschen offen stehen. Ausserdem soll die Qualität der Dienstleistungen verbessert und den Bedürfnissen der Bevölkerung angepasst werden. Um die Kosten im Gesundheitssektor längerfristig zu senken, liegt ein weiterer Fokus auf der Prävention, insbesondere von nicht-übertragbaren Krankheiten. Mit ihrem Engagement zum Aufbau einer effizienten und bezahlbaren medizinischen Grundversorgung trägt die Schweiz zu den nationalen Prioritäten Bosniens und Herzegowinas bei. Dazu gehört auch die mentale Gesundheit.

Migration

Die Schweiz unterhält seit 2009 eine Migrationspartnerschaft mit Bosnien und Herzegowina. Sie hat zum Ziel, die Migrationszusammenarbeit unter Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten zu intensivieren und insbesondere Synergien zwischen Migration und Entwicklung zu nutzen.

Herangehensweise und Partner

Die Schweiz koordiniert ihre Transitionszusammenarbeit eng mit den örtlichen Behörden, anderen Geberländern und internationalen Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation WHO oder der Weltbank. Alle Programme der DEZA und des Staatssekretariat für Wirtschaft SECO integrieren die Prinzipien der guten Regierungsführung und der Gleichberechtigung.

Wichtige Partner der Schweiz in Bosnien Herzegowina sind:

  • Schweizerische NGOs, z.B. Helvetas Swiss Intercooperation, Caritas
  • Schweizerische Partner: Kantone Genf, Jura, Freiburg, Bern, Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich
  • Internationale NGOs
  • Multilaterale Organisationen, z.B. UNDP, UNICEF, Weltbank
  • Nationale Partner: Ministerien, regionale und lokale Verwaltungen, Gemeinden, Organisationen der Zivilgesellschaft

Geschichte der Zusammenarbeit

Von der Not- und Wiederaufbauhilfe zur Transitionsunterstützung

Während und nach dem Krieg 1992–1995 leistete die Schweiz Not- und Wiederaufbauhilfe. Ab 1999 verlagerte sich der Fokus auf die langfristige Unterstützung marktwirtschaftlicher und demokratischer Reformen und die Versöhnungsarbeit. Bemühungen zur Stabilisierung von Bosnien und Herzegowina wurden im Rahmen der guten Nachbarschaft und der europäischen Integration zu einer wichtigen Aufgabe der Schweizer Aussenpolitik.