Keine Entwicklung ohne Sicherheit

Projekt abgeschlossen
Jürg Benz, Chef Kooperationsbüro Zentralamerika, im Gespräch mit reformorientierten Polizei- und Behördenvertretern in Comayagua/Honduras
Jürg Benz, Chef Kooperationsbüro Zentralamerika, im Gespräch mit reformorientierten Polizei- und Behördenvertretern in Comayagua/Honduras. © Thomas Jenatsch/DEZA Thomas Jenatsch/DEZA

Kriminalität und Unsicherheit sind eine grosse Herausforderung der Entwicklungszusammenarbeit in Zentralamerika. Besorgniserregend ist insbesondere die Situation in Honduras, wo sich die Homizidrate in den letzten 5 Jahren verdoppelte und einen weltweiten Höchstwert von 86 Mordfällen pro 100‘000 Einwohner erreicht hat. Die hohe Gewaltbereitschaft kostet nicht nur Leben, sie unterhöhlt auch die Entwicklung: Im Gegensatz zum lateinamerikanischen Trend stagniert in Honduras die Armutsreduktion und das Wirtschaftswachstum ist gering.

Land/Region Thema Periode Budget
Honduras
Governance
Menschenrechte
Weiterentwicklung von Recht und Rechtsprechung
Menschenrechte (inkl. Frauenrechte)
01.07.2012 - 30.04.2016
CHF 7'045'000

Wie reagiert die DEZA, seit 1979 ohne Unterbruch in Honduras tätig, auf die wachsende Unsicherheit? Im Rahmen ihrer neuen Strategie für Zentralamerika 2013-2017 verstärkt sie ihr Engagement im Bereich der Sicherheit und Menschenrechte und will so zu besseren Rahmenbedingungen für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Landes beitragen. Konkret beteiligt sie sich an einer umfassenden Polizeireform. Zudem agiert sie konfliktsensibler, das heisst, dass in allen Programmen ein verstärktes Augenmerk auf die Bekämpfung der Ursachen der Gewalt gerichtet wird.

Prävention statt Repression

Das umfassende Reformprojekt sieht auch die Umsetzung von lokalen Sicherheitsplänen in fünf mittleren Städten* vor. Die drei Hauptpfeiler dieser Präventionspolitik sind:

  • Die Aufwertung, Beleuchtung und Videoüberwachung öffentlicher Bereiche/Plätze (improving physical environment);
  • bessere Freizeit- und Ausbildungsangebote für Jugendliche und Frauen (social prevention);
  • eine zweckmässig ausgerüstete bürgernahe Polizei (trust building).

Aus- und Weiterbildung für Jugendliche

Damit die Stimme der Zivilgesellschaft bei der institutionellen Reform Gehör findet, unterstützt die DEZA eine zivilgesellschaftliche Allianz, die für Frieden und Gerechtigkeit – und gegen Straflosigkeit eintritt. In Honduras lanciert die DEZA zudem ein neues Berufsbildungsprogramm, das sich insbesondere an Jugendliche aus Quartieren mit hoher Kriminalität richtet und marktrelevante Ausbildungen u.a. im Bausektor und Tourismus anbietet. Der Sicherheitsfokus des DEZA-Honduras-Programms stützt sich ab auf die neue Botschaft zur Internationalen Zusammenarbeit der Schweiz 2013–2016, die ein verstärktes Engagement der Schweiz in fragilen Kontexten vorsieht.

Jugendbanden, Straflosigkeit, hohe Verfügbarkeit von Waffen: Es gibt Faktoren, die die hohe Gewaltbereitschaft erklären. Im Kern lässt sich Vieles auf das Versagen und Unvermögen des staatlichen Sicherheits- und Justizapparats zurückführen, der teilweise vom organisierten Verbrechen unterwandert ist und als hochkorrupt gilt. 98% der Verbrechen bleiben unaufgeklärt und ungesühnt. Die Reform des Polizei und Justizwesens ist deshalb ein wichtiger Pfeiler der Agenda zur Verbesserung der öffentlichen Sicherheit und zur Verminderung von Gewaltverbrechen.

*Comayagua, Siguatepeque, Puerto Cortés, Copan Ruinas, Santa Rita de Copan