Bilaterale Beziehungen Schweiz-Georgien

Die Beziehungen zwischen der Schweiz und Georgien sind gut und durch einen intensiven Austausch geprägt. Die Schweiz engagiert sich in Georgien namentlich in der Entwicklungszusammenarbeit. Die Schweiz bemüht sich, einen Beitrag zur Bewältigung der regionalen Konflikte im Südkaukasus zu leisten.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Die Schweiz ist seit 1991 in Georgien präsent, vorab mit Entwicklungszusammenarbeit. Seit März 2009 vertritt sie die diplomatischen Interessen Georgiens in Moskau und die diplomatischen Interessen Russlands in Tiflis. Mit der Eröffnung des neuen Botschaftsgebäudes im Oktober 2019 sind die verschiedenen Akteure der Schweiz unter einem Dach untergebracht und damit können die Synergien zwischen den verschiedenen Aktivitäten der Schweiz in Georgien mit einem integrierten Ansatz gestärkt werden.

Datenbank Staatsverträge

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Die Schweiz importiert vor allem Produkte aus dem Primärsektor und exportiert pharmazeutische Produkte, Maschinen und Uhren. Im Jahr 2016 schlossen die Europäische Freihandelsassoziation (European Free Trade Association, EFTA) und Georgien ein Freihandelsabkommen ab, das am 1. Mai 2018 für die Beziehungen zwischen der Schweiz und Georgien in Kraft getreten ist.

Handelsförderung, Switzerland Global Enterprise SGE

Gemeinsame Handelskammer, Joint Chamber of Commerce JCC (en)

Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation

Universitäten beider Länder haben Kooperationsabkommen unterzeichnet. Seit 2013 unterstützt die Schweiz die Berufsbildung im Landwirtschaftsbereich und in der staatlichen Verwaltung.

Forschende und Kunstschaffende aus Georgien können sich beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) um Bundes-Exzellenz-Stipendien bewerben.

Bundes-Exzellenz-Stipendien für ausländische Forschende und Kunstschaffende, SBFI

Friedensförderung und menschliche Sicherheit

Aufgrund des Konflikts zwischen Georgien und Russland im August 2008 brachen die beiden Länder ihre diplomatischen Beziehungen ab. Die Schweiz übernahm am 5. März 2009 die Vertretung der diplomatischen Interessen Georgiens in Moskau und der Russischen Föderation in Tiflis.

Als Resultat der Schweizer Vermittlungen unterzeichneten Russland und Georgien am 9. November 2011 ein Abkommen über die Überwachung der Zollabfertigung zwischen diesen beiden Ländern. Diese Vereinbarung ebnete den Weg für den WTO-Beitritt Russlands.

Die Schweiz setzt sich für eine friedliche Lösung der regionalen Konflikte ein, indem sie verschiedene Gesprächsplattformen unterstützt.

Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe

Im Rahmen ihrer Kooperationsstrategie 2017–2020 strebt die DEZA eine Verbesserung und Diversifizierung der Einkommen der Bevölkerung in ländlichen Regionen an. Sie engagiert sich namentlich für die Förderung von KMU im Agrarsektor, den Zugang zu Krediten und die Schaffung eines Berufsbildungssystems im Landwirtschaftsbereich.  

Die DEZA ist zudem in den Bereichen lokale Gouvernanz und öffentliche Dienstleistungen tätig. Sie unterstützt schliesslich auch das Management von Risiken in Bezug auf Naturkatastrophen mit besonderem Fokus auf eine nachhaltige Entwicklung der Bergregionen.

Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe

Kooperationsstrategie Südkaukasus 2017–2020 (PDF, Anzahl Seiten 44, 1.6 MB, Englisch)

Kulturaustausch

Obwohl kein bilaterales Kulturabkommen besteht, ist der kulturelle Austausch beachtlich. Vor allem in den Bereichen Literatur, Musik, Film und bildende Kunst existieren zahlreiche Kontakte und Initiativen auf privater Basis. Die Schweiz unterstützt die georgische Kulturszene im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit. Die Schweizer Botschaft in Tiflis fördert zudem die Schweizer Kultur, namentlich in Zusammenhang mit der Frankophonie-Woche, der «Settimana della lingua italiana» und dem Monat der deutschen Sprache.

Schweizerinnen und Schweizer in Georgien

Ende 2018 lebten gemäss Auslandschweizerstatistik 69 Schweizerinnen und Schweizer in Georgien.

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Im 19. Jahrhundert lebten zahlreiche Schweizerinnen und Schweizer in Georgien. Sie waren im Rohstoffsektor (Erdöl, Mangan) und in der Milchwirtschaft tätig. Zwischen 1883 und 1922 unterhielt die Schweiz in Tiflis ein Konsulat.

Die Schweiz anerkannte Georgien am 23. Dezember 1991 als unabhängigen Staat. Während der Konflikte zu Beginn der 1990er-Jahre leistete sie humanitäre Hilfe. Seit 1996 besteht in Tiflis ein Kooperationsbüro, seit Juni 2001 eine Botschaft. 

Mit der Übernahme der Vertretung der diplomatischen Interessen Russlands und Georgiens und den Anstrengungen zur Vermittlung zwischen den beiden Ländern wurden die Beziehungen nach 2008 stark ausgebaut. 

Georgien, Historisches Lexikon der Schweiz