Bilaterale Beziehungen Schweiz–Rumänien

Der politische, wirtschaftliche und kulturelle Austausch ist dynamisch und intensiv. Als Mitglied der Europäischen Union (EU) zählt Rumänien zu den Empfängerländern des Schweizer Beitrags zur Verringerung der wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten in der erweiterten EU.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Seit Ende des kommunistischen Regimes bemüht sich die Schweiz, den Übergang zu Demokratie und Marktwirtschaft zu unterstützen.
Auf wirtschaftlicher Ebene wird es für Schweizer Unternehmer immer interessanter, in Rumänien zu investieren.

In energiepolitischer Hinsicht ist Rumänien wegen seiner grossen Rohstoffvorkommen (Gas, Öl) und seiner Lage an der strategisch wichtigen Versorgungsroute aus Zentralasien von zentraler Bedeutung.

Datenbank Staatsverträge

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Rumänien und die Schweiz verbindet ein Doppelbesteuerungsabkommen sowie ein Abkommen über die Förderung und den Schutz von Investitionen. Seit dem Beitritt Rumäniens zur EU gelten die bilateralen Abkommen zwischen der Schweiz und der EU auch für Rumänien.

Die Schweiz ist ein relativ grosser Investor in Rumänien. Mit einem Investitionsvolumen von 2,2 Milliarden Euro am 31.12. 2015 steht sie bei den ausländischen Investoren an achter Stelle.

Das Handelsvolumen zwischen der Schweiz und Rumänien betrug im Jahr 2017 knapp 1,4 Milliarden Franken.

Handelsförderung, Switzerland Global Enterprise

Länderinformationen, Staatssekretariat für Wirtschaft SECO

Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation

Die Schweiz unterstützt über das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) das «New European College» in Bukarest. Es handelt sich um ein unabhängiges rumänisches Institute for Advanced Studies in Sozial- und Geisteswissenschaften.

Forschende und Kulturschaffende aus Rumänien können sich beim SBFI um Bundes-Exzellenz-Stipendien bewerben, und junge Berufsleute können dank des sogenannten Stagiaireabkommens ihre Berufs- und Sprachkenntnisse in der Schweiz erweitern.

Bundes-Exzellenz-Stipendien für ausländische Forschende und Kunstschaffende, SBFI

Junge Berufsleute, Staatssekretariat für Migration SEM

Friedensförderung und menschliche Sicherheit

Rumänien und die Schweiz verbindet seit 2007 ein Abkommen über die Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus und das organisierte Verbrechen. Im Januar 2012 wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern beider Länder zur Bekämpfung des Menschenhandels eingesetzt. Auf der Grundlage des Abkommens ist ein rumänischer Polizeiattaché auf der rumänischen Botschaft in Bern stationiert, um die polizeiliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern zu verbessern.

Der Schweizer Erweiterungsbeitrag

Nachdem Rumänien und Bulgarien 2007 der EU beigetreten waren, gab der Bundesrat grünes Licht für einen Beitrag von 257 Millionen CHF über zehn Jahre zugunsten der beiden Länder.

Das Rahmenabkommen wurde am 7.9.2010 unterzeichnet, und am 25.3.2011 wurde das Kooperationsprogramm lanciert. Der Schweizer Beitrag an Rumänien beträgt 181 Millionen CHF. Bis zum Ende der Verpflichtungsperiode im Dezember 2014 hat die Schweiz sieben Thematische Fonds und 19 Projekte zur Verminderung der wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten genehmigt.  Alle Projekte müssen bis im Dezember 2019 abgeschlossen sein.

Die Projektrealisierung wird vom Büro für die Umsetzung des Schweizer Erweiterungsbeitrags in Bukarest begleitet, das in engem Kontakt mit der rumänischen Koordinationsstelle für den Schweizer Erweiterungsbeitrag steht.

Rumänien – Partnerland des Schweizer Erweiterungsbeitrags

Schweizerinnen und Schweizer in Rumänien

Ende 2017 lebten gemäss der Auslandschweizerstatistik 501 Schweizerinnen und Schweizer in Rumänien, wobei etwa die Hälfte von ihnen die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt.

Kulturaustausch

Die Schweizer Botschaft, Pro Helvetia sowie das Zentrum für Kulturaussenpolitik des Bunds sind die Hauptakteure der Schweizer Kultur in Rumänien. Anlässlich der Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Ländern im Jahr 2011 konnte die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen schweizerischen und rumänischen Institutionen ausgebaut werden.

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Die offiziellen Beziehungen zwischen Rumänien und der Schweiz entwickelten sich erst, nachdem die Unabhängigkeit Rumäniens am 10.6.1880 von der Schweiz anerkannt worden war. Die beiden Länder unterzeichneten einen Handelsvertrag, der dazu führte, dass sich ab dem 19. Jahrhundert zahlreiche Schweizer Unternehmen in Rumänien niederliessen.

Das 1905 eröffnete rumänische Konsulat in Bern wurde 1911 in eine Gesandtschaft umgewandelt. 1916 eröffnete der Bundesrat die Schweizer Gesandtschaft in Bukarest. Die Unterzeichnung von Clearingabkommen in den 1930er-Jahren begünstigte die Schweizer Importe.

In der Zeit des Kommunismus kühlten sich die Beziehungen ab. 1955 gerieten sie in eine Krise, als Exilrumäninnen und -rumänen versuchten, die rumänische Botschaft in Bern zu stürmen. Der Versuch löste eine Pressekampagne gegen die Schweiz und Verschärfungen der Reisebestimmungen für rumänische Staatsangehörige aus, die in die Schweiz reisen wollten. 1962 wurde der Status der Schweizer Gesandtschaft auf Botschaftsrang angehoben.

Das Ende des Kalten Krieges und die Ereignisse vom Dezember 1989 belebten die Beziehungen zur Schweiz neu.

Rumänien, Historisches Lexikon der Schweiz