Sicherer Umgang mit Abfall im Spitalumfeld: Weniger Infektionen und mehr Zeit für Patienten

Projekt abgeschlossen
Die Pflegefachfrau Zulfia Djumaeva zerstört eine gebrauchte Spritze mit einer Nadelfräse. © DEZA
Die Pflegefachfrau Zulfia Djumaeva zerstört eine gebrauchte Spritze mit einer Nadelfräse. © DEZA

Infektiöse Abfälle stellen eine ernsthafte Gefahr für Patienten und Personal im Gesundheitswesen dar. Eine durchorganisierte und sichere Behandlung aller Arten von Abfall ist für eine sichere Umgebung in Gesundheitseinrichtungen unerlässlich. Das Programm zum Umgang mit Abfällen in kirgisischen Spitälern verfolgt einen innovativen, kostengünstigen und damit nachhaltigen Ansatz – und gilt als grosser Erfolg.

Land/Region Thema Periode Budget
Kirgisistan
Gesundheit
Primäre Gesundheitsversorgung
Stärkung der Gesundheitssysteme
Infektionskrankheit
01.04.2014 - 31.03.2017
CHF 3'060'000

Ziel des Programms ist die Vermeidung von Krankenhausinfektionen durch eine nachhaltige Abfallbewirtschaftung im Gesundheitswesen und durch Mechanismen zur Infektionseindämmung. Ein besonderes Augenmerk gilt der Senkung der Anzahl vermeidbarer Todesfälle bei Müttern und Säuglingen. Das Projekt ergänzt die bestehenden nationalen Reformen zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung (Zugang und Qualität). Bei der Entwicklung des Projekts wurde insbesondere auf niedrige Investitions- und Betriebskosten geachtet, damit das Modell von Spitälern im ganzen Land ohne weitere Unterstützung kopiert werden kann. 

Schutz vor Nadelstichverletzungen

In allen betroffenen Gesundheitseinrichtungen wurden medizinische Nadelfräsen bereitgestellt. Nadeln und Spritzen werden unmittelbar nach Gebrauch getrennt und zerstört, ohne dass ein Infektionsrisiko für das Personal besteht. Nadeln und Spritzen werden bei diesem Verfahren unschädlich gemacht und anschliessend unter Hochdruck in einem Autoklaven desinfiziert. Die verbleibenden Nadel- und Spritzenteile werden an Altmetall- bzw. Kunststoff- Recyclingunternehmen verkauft. Dies generiert ein kleines Einkommen für das Spital. 

Behälter für infektiöse Abfälle

Infektiöse Abfälle werden in Behältern gesammelt, die mit dem internationalen Gefahrenstoff-Symbol, der Art des Abfalls und einer Zahl gekennzeichnet sind, damit die Rückverfolgbarkeit stets gewährleistet ist. Die Verwendung von Behältern trägt dazu bei, die Betriebskosten erheblich zu senken, weil der Bedarf nach kostspieligeren Plastikbeuteln entfällt.

Die Behälter für infektiöse Abfälle werden in speziell dafür vorgesehenen Bereichen zwischengelagert. Für den Sterilisierungsprozess werden sie direkt in den Autoklaven gestellt. Anschliessend kann das Material zusammen mit den normalen Abfällen entsorgt werden. Die Abfälle werden auf einem Anhänger in einem umzäunten Areal  ausserhalb des Spitals zwischengelagert. Wenn der Anhänger voll ist, wird der Abfall auf die kommunale Kehrichtdeponie gebracht. 

Anatomische Abfälle

Jedes Spital verfügt innerhalb des eingezäunten Areals, auf dem der desinfizierte Abfall gelagert wird, über eine sechs Meter tiefe Grube, die in drei Kammern unterteilt ist. Jede Kammer ist mit Zement ausgekleidet und durch eine dicke Platte verschlossen. Anatomische Abfälle wie z. B. Plazenta werden nacheinander in einer dieser Kammern abgelagert, bis im Laufe der Zeit alle drei Kammern gefüllt sind. Dies dürfte schätzungsweise 20 Jahre dauern. Nach dieser Zeit ist der Inhalt der ersten Kammer vollständig kompostiert. Die Kammer kann geleert und wiederverwendet werden. 

Ausbildung und Aufsicht

Der materielle Teil des Projekts wird ergänzt durch Sensibilisierungsworkshops mit allen Beteiligten und Schulungen für das Spitalpersonal. Jedes Spital setzt einen Ausschuss ein, der die Verfahren im Bereich der Abfallbehandlung regelmässig überprüft und die damit verbundenen Tätigkeiten überwacht. Dazu kommt eine ausgebildete Fachkraft, die für die Infektionskontrolle zuständig ist. Diese Person ist mit der Umsetzung spezifischer Hygienenormen betraut und schult das Spitalpersonal, damit neue Richtlinien in diesem Bereich eingehalten werden. 

Bisherige Ergebnisse 

Das Modell wurde 2006 in sechs Gesundheitseinrichtungen einer Region praktisch erprobt, und das System wird dort seit nunmehr acht Jahren erfolgreich angewendet. Ab 2008 wurde das Modell auf andere Einrichtungen im ganzen Land übertragen und wird seit 2013 in 203 staatlichen Einrichtungen wie Spitälern und Ambulatorien umgesetzt. Damit sind rund 67,3 % aller Spitalbetten im Land abgedeckt. Das Modell ist mittlerweile Teil der nationalen Strategie Kirgisistans im Bereich der medizinischen Abfälle. Die breite Akzeptanz, die das neue System beim Spitalpersonal und der Spitalleitung geniesst, ist ein entscheidender Vorteil, der die Nachhaltigkeit des Projekts erhöht.

Eine Erhebung in drei Spitälern in der Provinz Naryn zeigte, dass die Infektionen bei Neugeborenen nach der Umsetzung des Projekts deutlich zurückgegangen waren (2013: 6,5 % gegenüber 17 % zwei Jahre zuvor). Im gleichen Zeitraum verringerte sich die Zahl der infizierten Mütter von 3,9 % auf 0 %.

Die Kosten der Abfallbehandlung liegen heute rund ein Drittel unter dem Betrag, den die Spitäler früher dafür bezahlt hatten. Dies rührt vor allem daher, dass keine Kosten für Transport und für Desinfektionschemikalien mehr anfallen. Die eingesparten Mittel werden für verbesserte Massnahmen zur Infektionskontrolle eingesetzt. Dadurch können die Spitäler ihr System zur Behandlung der medizinischen Abfälle ohne weitere Geberbeiträge aufrechterhalten.

In der dritten und letzten Phase des Projekts soll das System für die Infektionskontrolle auf sämtliche kirgisischen Spitäler übertragen werden. Es gilt sicherzustellen, dass die Systeme in Zukunft ohne Unterstützung durch das Projekt institutionell verankert und umgesetzt werden.