Bilaterale Beziehungen Schweiz–Libanon

Libanon ist ein wichtiger Partner der Schweiz im Nahen Osten. Die beiden Ländern unterhalten seit langem bilaterale Beziehungen und haben viele Gemeinsamkeiten, die sie zu natürlichen Partnern machen: Demokratie, kulturelle Vielfalt auf kleinem Raum, Berge, spärliche Rohstoffe, Offenheit gegenüber dem Welthandel.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Aufgrund der Situation in Libanon und des regionalen Kontexts engagiert sich die Schweiz vor allem in der zivilen Friedensförderung und der Menschenrechtspolitik. Sie betreibt auch ein substanzielles humanitäres Hilfsprogramm.

Datenbank Staatsverträge 

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Im Zusammenhang mit der Unterzeichnung eines Abkommens zwischen der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) und Libanon haben die Schweiz und Libanon ein bilaterales Programm der wirtschaftlichen Zusammenarbeit lanciert. Damit sollen die wirtschaftlichen Standards in Libanon gestärkt werden, so dass die Qualität der aus Libanon exportierten Produkte erhöht werden kann.

Die Schweiz ist der siebt grösste Handelspartner des Libanon. Gleichzeitig ist Libanon der fünf grösste Handelspartner für die Schweiz im Mittleren Osten ist. Die Schweiz exportiert hauptsächlich Edelsteine, -metalle und Bijouterie sowie pharmazeutische Produkte nach Libanon. Aus Libanon in die Schweiz  werden zu einem Grossteil ebenfalls Edelsteine, -metalle und Bijouterie sowie auch Uhrmacherwaren importiert.

Handelsförderung, Switzerland Global Enterprise

Zusammenarbeit im Bildungsbereich

Zwischen Hochschuleinrichtungen der Schweiz und Libanons gibt es zahlreiche Partnerschaften und Kooperationsabkommen in ganz unterschiedlichen Bereichen wie etwa Ingenieurwesen, Hotelmanagement oder Spitalpflege. Die Schweiz ist eine sehr beliebte Destination für libanesische Studierende.

Forschende und Kulturschaffende aus Libanon können sich beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) um Bundes-Exzellenz-Stipendien bewerben.

Bundes-Exzellenz-Stipendien für ausländische Forschende und Kulturschaffende

Friedensförderung und menschliche Sicherheit

Das Engagement der Schweiz in Libanon hat zum Ziel, Konflikten vorzubeugen und die Stabilität des Landes in der regionalen Krise zu erhalten. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Förderung des friedlichen Zusammenlebens der libanesischen Bevölkerung und der Flüchtlingsgemeinschaft, die seit dem Ausbruch der  Syrienkrise Zuflucht in Libanon gefunden hat.

Zusätzlich fördert die Schweiz die Demokratisierung der staatlichen Institutionen inklusive des Sicherheitsapparats. Sie tut dies durch politische Reformprozesse, die zur Verstärkung der zivilen Aufsicht über die Sicherheitskräfte und zur Einführung menschrechtskonformer Massnahmen zur Prävention von gewaltsamem Extremismus führen.

Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe

Im Rahmen der Schweizer Kooperationsstrategie für den Mittleren Osten setzt sich die DEZA für den Schutz und die Grundversorgung von Flüchtlingen und Bedürftigen in der Region ein. Das übergeordnete Ziel der Schweiz in Libanon, Syrien, Jordanien und Irak ist, zu friedlichen und sicheren Lebensbedingungen für konfliktbetroffene und vulnerable Menschen beizutragen, Fragilität zu reduzieren sowie Konflikte zu lösen und zu verhindern. Dabei konzentriert sich das Engagement der Schweiz auf drei Bereiche: Grundbedürfnisse und Dienstleistungen, Schutz der Zivilbevölkerung und Wasser.

Durch ihr Engagement unterstützt die Schweiz Libanon bei der Bewältigung der Herausforderungen, welche der Syrienkonflikt an das Land stellt. Nebst Hilfeleistungen an syrische Flüchtlinge ist auch die Stärkung der Resilienz der libanesischen Bevölkerung ein Fokus der Schweiz. Weiter engagiert sich die Schweiz für verbesserte Lebensbedingungen für vulnerable Gruppen, etwa für Palästinaflüchtlinge.

Projektbeispiele und weiterführende Informationen zum DEZA-Engagement in Libanon und im Mittleren Osten

Kulturaustausch

Die Schweiz und Libanon pflegen einen intensiven Kulturaustausch. Die gemeinsame französische Sprache ist ein wichtiges Vehikel. Die Schweiz nimmt jedes Jahr an der französischen Buchmesse in Beirut und am Fest der Frankophonie teil. Der Austausch von bildenden Künstlerinnen und Künstlern und Musikerinnen und Musikern wird ebenfalls gefördert. Zudem nimmt die Schweiz jedes Jahr am europäischen Filmfestival in Libanon teil.

Schweizerinnen und Schweizer im Libanon

Ende 2015 lebten 1419 Schweizerinnen und Schweizer in Libanon.

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Unter französischem Protektorat wurde 1920 «Gross-Libanon» gegründet. 1943 erlangte Libanon die Unabhängigkeit. Die Schweiz eröffnete 1934 ein Konsulat in Beirut. Es wurde 1949 in eine Gesandtschaft, später in eine Botschaft umgewandelt.

Seit 1948 unterstützt der Bund über die UNO und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz die Palästinaflüchtlinge und andere Opfer von Gewalt in der Region. Während des Bürgerkriegs (1988–1995) blieb die Schweizer Botschaft geschlossen. Die Schweiz bot jedoch ihre guten Dienste an und unterstützte aktiv die «Konferenz für einen Dialog in Libanon» (1983 in Genf, 1984 in Lausanne).

Libanon, Historisches Lexikon der Schweiz