Wirtschaft und Handel

Der Tschechischen Republik ist es seit 1989 gelungen, stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Entflechtung der politischen und wirtschaftlichen Machtstrukturen ist weiter fortgeschritten als in anderen Ländern der Region.

Heute gehört das Land zu den weitest entwickelten Industrienationen in Mittel- und Osteuropa, das qualitativ hochstehende Güter für den Export herstellt. Die ausgeprägte Exportabhängigkeit (83% aller Ausfuhren gehen in die EU, davon 31,4% alleine nach Deutschland) wirkte sich während der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 negativ auf die Wirtschaft aus. Dies führte 2008 und 2009 zu einem starken Wirtschaftseinbruch. 2010 und in der ersten Hälfte 2011 trat eine konjunkturelle Erholung ein, gefolgt von der längsten Rezession, die das Land in der neueren Geschichte gekannt hat. 2012 schrumpfte die Wirtschaft um 0,9 %. Für 2013 wird mit einem weiteren Rückgang von 0,7% gerechnet. Hingegen dürfte die Wirtschaft 2014 moderat um 1,5% wachsen.

Während die Inflation 2012 noch 3,3% betrug, wird sich diese 2013 bis 2015 zwischen 1,7 bis 2% bewegen. Die Arbeitslosigkeit lag im Oktober 2013 bei 7,6%. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen betrug gemäss Angaben des tschechischen Arbeitsministeriums 556‘681. Dies bedeutet gegenüber 2012 einen Anstieg um 0,6%. Die regionalen Unterschiede sind gross. Im städtischen Ballungszentrum Prag liegt die Quote bei 5,1%, in den Gebieten der ehemaligen Schwerindustrie sind es bis zu 11%. 2014 dürfte sich die Arbeitslosigkeit aufgrund der wieder positiven Konjunkturentwicklung stabilisieren und leicht zurückgehen.

Das Haushaltdefizit betrug 2012 rund 4,4% des BIP. Darin sind als einmaliger Effekt die Kirchenrestitutionen enthalten. Andernfalls wäre das Defizt im Zielrahmen des Finanzministeriums von 3,5% gelegen. Gemäss der EU-Kommission dürfte das Defizit 2013 knapp unter 3% des BIP liegen.

Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen

Tschechien ist ein wichtiger Handelspartner für die Schweiz. Der Handel hat sich in den vergangenen Jahren erfreulich entwickelt. Unter den EU-Ländern belegt Tschechien bei den Importen den zehnten, bei den Exporten den elften Rang. Die Tschechische Republik gehört unter den Mittel- und Osteuropäischen Ländern zusammen mit Polen zu den wichtigsten Handelspartnern der Schweiz.

2012 exportierte die Schweiz Waren (insbesondere Medizin- und Pharmaerzeugnisse, Maschinen sowie Metalle und Metallwaren) im Wert von 1‘499 Mio. CHF nach Tschechien. Dies entsprach gegenüber dem Vorjahr einem Rückgang von 4,3%. Die Importe in der Höhe von 2‘214 Mio. CHF erhöhten sich hingegen um 2,8%. Die Schweiz importierte vor allem Maschinen, Fahrzeuge und Metalle und Metallwaren aus Tschechien.

Es ist der Tschechischen Republik im Vergleich zu manchen ihren Nachbarn ausserordentlich gut gelungen, bedeutende ausländische Investitionen anzuziehen. Die direkten Auslandinvestitionen in die tschechische Wirtschaft sind im Jahr 2012 um das Fünffache auf 207 Milliarden Kronen gestiegen und erreichten umgerechnet 8,3 Milliarden Euro. Der grösste Teil der Investitionen kam aus EU-Ländern, angeführt von den Niederlanden, Deutschland, Österreich und Belgien. Dahinter folgen die USA. Die Schweiz liegt an achter Stelle.

Die wichtigsten Investoren aus der Schweiz sind ABB, Alpiq, Lonza, Nestlé, Rieter, Ringier, Novartis, Ammann und Vetropack. Dazu haben sich zahlreiche KMUs, vor allem der Maschinenbranche, im Land niedergelassen. Insgesamt sind rund 300 schweizerische Unternehmen in der Tschechischen Republik tätig, wovon etwa ein Drittel eine Produktionsstätte betreibt. 2011 beschäftigten Schweizer Firmen über 35‘000 Personen in Tschechien.