Bilaterale Beziehungen Schweiz–Deutschland

Die Schweiz und Deutschland unterhalten intensive Beziehungen in allen Bereichen, was ein breites und solides Fundament für die Gestaltung der Zusammenarbeit schafft.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Die politischen Beziehungen der Schweiz mit Deutschland sind traditionell gut. Sie basieren auf einem über 200 Abkommen umfassenden Vertragswerk. Auf nationaler Ebene finden jährlich zahlreiche Treffen auf Minister- und hoher Beamtenebene statt. Ergänzt werden sie mit jährlichen Treffen von Präsidenten und Fachministerien der deutschsprachigen Staaten. Seit 2003 besteht ein institutionalisierter Kontakt zwischen der Schweizer Bundesversammlung (Delegation für die Beziehungen zum Deutschen Bundestag) und dem Deutschen Bundestag (Deutsch-Schweizerische Parlamentariergruppe des Bundestags).

Am 1. Januar 2014 trat die bilaterale Vereinbarung über die grenzüberschreitende Aufsichtszusammenarbeit in Kraft, mit welcher der Marktzugang für Schweizer Finanzinstitute in Deutschland erleichtert wird. Seit Juli 2015 können Schweizer Banken, die grenzüberschreitend in Deutschland Finanzdienstleistungen anbieten wollen, um eine vereinfachte Freistellung bei der deutschen Finanzmarktaufsicht (BaFin) ersuchen.

Schweiz-Deutschland: Klärung beim Marktzugang für Banken, Medienmitteilung vom 16.07.2015

Im Energiesektor ist Deutschland ein zentraler Partner, besonders in den Bereichen innovative Technologien und Energieeffizienz, in denen eine Vertiefung der Zusammenarbeit angestrebt wird.

Die Verbesserung der grenzüberschreitenden, regionalen Verkehrsverbindungen sowie der Anschluss des deutschen Bahnnetzes an die Neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) ist ein wichtiges Anliegen in den bilateralen Beziehungen.

Die grenznahe Zusammenarbeit fällt in erster Linie in die Kompetenz der Kantone und ist vor allem in den Regionen des Oberrheins (Region Basel) und des Bodensees eng. Gut 61’500 deutsche Grenzgängerinnen und Grenzgänger hatten Ende 2016 ihren Arbeitsplatz in der Schweiz.

2016 lebten über 303’000 deutsche Staatsangehörige in der Schweiz. Damit stellen sie die zweitgrösste Ausländergruppe nach den italienischen Staatsangehörigen.

Datenbank Staatsverträge

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der Schweiz. So ist Deutschland Marktführer auf dem Schweizer Importmarkt: Ein Drittel aller Importe stammt aus Deutschland, mehr als die Einfuhren aus Italien, den USA und China zusammen. Das Handelsvolumen betrug 2016 rund 94 Milliarden CHF.

Der Gesamtbestand der schweizerischen Direktinvestitionen in Deutschland betrug Ende 2015 38,2 Mrd. CHF. Schweizer Firmen beschäftigen in Deutschland rund 380’000 Personen. Geographisch liegt das Schwergewicht der schweizerischen Direktinvestitionen im süddeutschen Raum (Baden-Württemberg und Bayern) und in Nordrhein-Westfalen.

Der Gesamtbestand der deutschen Direktinvestitionen in der Schweiz betrug Ende 2015 mit einem Bestand von 32,9 Milliarden CHF. Deutsche Firmen beschäftigen gut 121‘000 Personen in der Schweiz.

Handelsförderung, Switzerland Global Enterprise

Handelskammer Deutschland–Schweiz

Europa und Zentralasien, SECO

Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation

Neben den Forschungs- und Bildungsprogrammen der EU bestehen zahlreiche bilaterale Zusammenarbeits- und Austauschabkommen. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) vergibt Bundes-Exzellenz-Stipendien für Forschende und Kunstschaffende aus Deutschland.

Bundes-Exzellenz-Stipendien für ausländische Forschende und Kunstschaffende, SBFI

Schweizerinnen und Schweizer in Deutschland

Die Zahl der Schweizer Staatsangehörigen in Deutschland hat in den letzten Jahren zugenommen. Ende 2016 lebten knapp 90'000 Schweizerinnen und Schweizer in Deutschland.

Kulturaustausch

Die engen kulturellen Beziehungen zwischen den beiden Ländern haben eine lange Tradition und basieren auf der gemeinsamen Sprache. Der Austausch von Schweizer Kulturschaffenden mit Vertreterinnen und Vertretern des deutschen Kulturraums ist bedeutend und befruchtet das Kulturschaffen in allen Landesteilen. Präsenz Schweiz fördert verschiedene Projekte in Deutschland.

Präsenz Schweiz

Schweizer Kultur in Deutschland

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Der Bundesrat beschloss 1867, eine diplomatische Vertretung in Berlin zu eröffnen. 1919 erwarb die Schweiz das im Spreebogen gelegene Gebäude der heutigen schweizerischen Botschaft. Das Gebäude beherbergte ab 1920 Büros und diente als  Residenz des Gesandten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und nachdem Deutschland geteilt worden war, nahm die Schweiz 1951 wieder diplomatische Beziehungen auf, nunmehr mit der Bundesrepublik Deutschland (BRD). Im gleichen Jahr wurde die schweizerische Gesandtschaft in Köln eröffnet. Sie wurde 1957 zur Botschaft aufgewertet und 1977 nach Bonn verlegt.

Im Zuge der Entspannungspolitik unter Bundeskanzler Willy Brandt anerkannte die Schweiz 1972 die Deutsche Demokratische Republik (DDR) als Staat. Im Jahr darauf eröffnete sie im Botschaftsviertel in Ost-Berlin eine Botschaft. Die im Spreebogen gelegene ehemalige Gesandtschaft diente der Eidgenossenschaft fortan als Generalkonsulat in West-Berlin.

Der Fall der Berliner Mauer 1989 und die Wiedervereinigung 1990 markierten einen Wendepunkt in der europäischen Geschichte: Das Ende der Teilung Deutschlands und der politischen Spaltung Europas. Nachdem der Bundestag im Juni 1991 die Verlegung des Regierungssitzes und des Parlaments nach Berlin beschlossen hatte, wurde das dortige Schweizer Generalkonsulat zu einer Aussenstelle der Botschaft in Bonn. Diese spezialisierte sich auf kulturelle Fragen. Die Botschaft blieb bis 1999 in Bonn. Im Jahr 2001 eröffnete die Schweiz ihre Botschaft in der Hauptstadt Berlin und bezog das restaurierte und um einen Neubau ergänzte Gebäude der früheren Gesandtschaft.

Seit der Eröffnung der schweizerischen Gesandtschaft in Berlin vor 150 Jahren bestehen ununterbrochene diplomatische Beziehungen zwischen der Schweiz und Deutschland.

Deutschland, Historisches Lexikon der Schweiz