Bevölkerungsfonds – UNFPA

Menschen sitzen in einem Wartezimmer.
Mit ihrem Engagement im multilateralen Entwicklungsfond UNFPA kann die Schweiz den Zugang von Frauen zu sexuellen und reproduktiven Gesundheitsversorgung weltweit stärken. © UN Photo

Der UNO-Bevölkerungsfonds UNFPA ist die Entwicklungsagentur der Vereinten Nationen, die sich für eine Stärkung des Rechts auf sexuelle und reproduktive Gesundheit und für umfassende Familienplanung einsetzt. Der Fonds erfasst auch wichtige, demografische Daten, die der Ausarbeitung von Politiken und Programmen zur Armutsbekämpfung dienen.

2017 sterben noch immer etwa 830 Frauen und Mädchen pro Tag an vermeidbaren Folgen von Schwangerschaft und Geburt und etwa 214 Millionen Frauen haben keinen Zugang zu den von ihnen gewollten Verhütungsmitteln. Die grosse Mehrheit dieser betroffenen Frauen lebt in Entwicklungsländer.

Das Ziel des UNFPA ist eine Welt, in der jede Schwangerschaft gewollt ist, jede Geburt sicher verläuft und jeder junge Mensch sein Potenzial ausleben kann. UNFPA gehört zu den wichtigsten Akteuren zur Umsetzung des Aktionsprogramms der internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung (ICPD), das 1994 in Kairo verabschiedet wurde und das die Schweiz mitunterzeichnet hat. Mit dem Aktionsprogramm wird der UNFPA beauftragt, die Menschenrechte zu schützen und zu konkretisieren, insbesondere die sexuelle und reproduktive Gesundheit (einschliesslich Familienplanung) sowie die reproduktiven Rechte, insbesondere von Frauen und jungen Menschen. Der UNFPA stellt den Ländern demografische Daten zur Verfügung, die der Ausarbeitung von Politiken und Programmen zur Armutsbekämpfung dienen. Er orientiert sich an den Zielen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, vorab an Ziel 3 für die Gewährleistung eines gesunden Lebens für alle Menschen und an Ziel 5 für die Geschlechtergleichstellung.

Hintergrund

In den letzten zwanzig Jahren wurden bei den Herausforderungen, denen sich der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen widmet, grosse Fortschritte erzielt: Zwischen 1990 und 2016 sank die Müttersterblichkeit um 44%. Die Zahl der Neuinfektionen mit HIV ist von 3,5 Millionen im Jahr 2000 auf 2,1 Millionen im Jahr 2013 zurückgegangen. Diese Resultate sind zwar global betrachtet positiv, zwischen und innerhalb der Länder bestehen jedoch enorme Unterschiede. Täglich sterben rund 830 Frauen an Ursachen im Zusammenhang mit der Mutter-Kind-Gesundheit. Beinahe sämtliche Müttersterbefälle (99%) aufgrund unzureichender Qualität der Geburtshilfe ereignen sich in Entwicklungsländern. Davon verzeichnet Subsahara-Afrika mehr als die Hälfte und Südasien jeder dritte Todesfall.

Ziele des UNFPA

Der Strategieplan des UNFPA 2018–2021 bekräftigt die Ausrichtung der Institution und präzisiert ihre Aktivitäten im humanitären Bereich. Der Plan legt vier Hauptziele fest:

  • Frauen, Jugendliche und junge Erwachsene, die am stärksten gefährdeten, nutzen die Dienstleistungen der medizinischen Grundversorgung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und nehmen ihre reproduktiven Rechte ohne Diskriminierung, Zwang oder Gewalt wahr.

  • Jugendliche und junge Erwachsene haben ungeachtet ihrer persönlichen sozialen Umstände Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheitsversorgung und können ihre reproduktiven Rechte einfordern.

  • Geschlechtergleichstellung, Stärkung von Frauen und Mädchen sowie reproduktive Rechte machen sowohl in humanitären Krisen als auch in Entwicklungsregionen Fortschritte.

  • Die nachhaltige Entwicklung berücksichtigt alle Menschen auf der Welt und wird auf faktenbasierten Analysen zu Bevölkerungsdynamiken ausgestaltet.

    Der Strategieplan des UNFPA 2018–2021 

Ergebnisse

Im Rahmen seines Strategieplans 2014–2017 erreichte der UNFPA unter anderem die folgenden Ergebnisse: 

  • Die Zahl der Frauen, die dank Zugang zu den von ihnen gewünschten Empfängnisverhütungsmitteln selber ihre Schwangerschaften planen können, stieg um 42 Millionen an (Zunahme um 6% seit 2014).

  • Zwischen 2014 und 2017 hat der UNFPA 47'000 Hebammen/Geburtshelferinnen in 39 Länder ausgebildet.

  • Zwischen 2014 und 2017 hat der UNFPA mehr als 2.8 Milliarden hochwertige Verhütungsmittel an Männer und Frauen verteilt.

  • Durch ein gemeinsames UNFPA-UNICEF Programm haben zwischen 2014 und 2017 8963 Gemeinden die Praxis der Genitalverstümmelung bei Frauen aufgegeben.

  • Pro Jahr nutzten durchschnittlich 10 Millionen Jugendliche die in die medizinische Grundversorgung integrierten Dienstleistungen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit.

  • Pro Jahr nutzten durchschnittlich über 10 Millionen Menschen, die von humanitären Krisen betroffen waren, Dienstleistungen für sexuelle und reproduktive Gesundheit. 2017 waren es sogar 16 Millionen Menschen.

    Der Strategieplan des UNFPA 2014–2017

Engagement der Schweiz

Prioritäten der Schweiz

Die Schwerpunkte und operationellen Tätigkeiten des UNFPA stehen in Einklang mit den strategischen Zielen der Botschaft zur internationalen Zusammenarbeit 2017–2020. Der UNFPA ist für die Schweiz einer der wichtigsten Partner bei der Bewältigung der Herausforderungen im Zusammenhang mit sexueller und reproduktiver Gesundheit und reproduktiver Rechte.

Im Hinblick auf den UNFPA verfolgt die Schweiz folgende Ziele:

  • Stärkung des Zugangs zur sexuellen und reproduktiven Gesundheitsversorgung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, auch in humanitären Kontexten.

  • Einführung und Konsolidierung eines stabileren unabhängigen Evaluationsdispositivs.

  • Stärkung der Kohärenz des UNO-Systems und Festigung des Reformprozesses dank einer intensiveren Zusammenarbeit der UNO-Organisationen untereinander.

  • Förderung der Qualität der Arbeit des UNFPA.

    Botschaft zur internationalen Zusammenarbeit 2017–2020

Beiträge der Schweiz

In kulturell sensiblen Bereichen wie Familienplanung und Empfängnisverhütung geniesst eine internationale Organisation eine grössere Akzeptanz als Interventionen ein einzelnes Geberland. Deshalb arbeitet die Schweiz in Bevölkerungsfragen in erster Linie multilateral und unterstützt den UNFPA seit 1976.

Für die Zeitspanne von 2018–2020 leistet die Schweiz einen Kernbeitrag in der Höhe von 48 Millionen CHF, das heisst 16 Millionen CHF pro Jahr. Darüber hinaus finanziert die Schweiz humanitäre Einsätze und Entwicklungsaktivitäten des UNFPA auf globaler und nationaler Ebene.

Als Mitgliedsstaat und eines der Hauptgeberländer spielt die Schweiz beim Monitoring und bei der Evaluation der operationellen und finanziellen Berichterstattung des UNFPA durch ihre Mitarbeit im Exekutivrat eine aktive Rolle. Die Schweiz führt mit dem UNFPA auf unterschiedlichen Ebenen regelmässig politische Gespräche um seine Fortschritte und künftigen Herausforderungen zu bestimmen.

Das Engagement der Schweiz im UNFPA trägt zu stabilen Gesellschaften und einem international sicheren Umfeld bei. Als stark globalisiertes und wirtschaftlich vernetztes Land ist die Schweiz für ihre Sicherheit und ihren Wohlstand auf diese Stabilität angewiesen. Das UNFPA ist ein wichtiger Partner der Schweiz hinsichtlich ihrer internationalen Verantwortung sowie ihrer Ziele im Bereich der Gesundheit und Geschlechtergleichstellung. Zudem bringt die Schweiz die Interessen und Ziele der EDA-Strategie zu Geschlechtergleichstellung und Frauenrechten sowie der Schweizerischen Gesundheitsaussenpolitik und der DEZA Gesundheitspolitik innerhalb des UNO Fonds.

EDA-Strategie zu Geschlechtergleichstellung und Frauenrechten (PDF, 394.5 kB, Deutsch)

Schweizerische Gesundheitsaussenpolitik (PDF, 1.9 MB, Deutsch)

DEZA Gesundheitspolitik (PDF, 1.4 MB, Deutsch)

Internationale Kooperation: Ein Metier

40 Kurzfilme porträtieren die Angestellten der UNO-Organisationen in Genf. Die gewünschte Sprache der Untertitel (de, fr, it, en) kann unterhalb der einzelnen Videos ausgewählt werden.