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«Wir sind mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert wie die Schweiz»

Am Rhoneknie erzählt uns Phonepaseuth Phouliphanh vom Mekong. Der Generalsekretär des Nationalen Mekong-Ausschusses von Laos besucht die Schweiz, um mehr über das hiesige Wassermanagement zu erfahren. Was ist ihm besonders aufgefallen? Welche bewährten Praktiken nimmt er nach Hause von diesem Besuch, der von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit organisiert wurde? Ein Gespräch über gemeinsame Herausforderungen und Kooperationen für eine nachhaltige Zukunft.

Luftaufnahme der Delegationen aus Asien bei einem Staudamm.

Die DEZA wollte den beiden Delegationen aus Südostasien technisches Know-how und praktische Erfahrungen der Schweiz vermitteln. © Dr Eric Bardou

Es wimmelt von technischen Begriffen. Die schematischen Darstellungen auf dem Bildschirm sind komplex und detailliert. Organigramm des Krisenstabs, Gefahrenkarte, gesetzliches Notfalldispositiv: Hier diskutieren Fachleute. Der Raum, in dem die Delegationen der Mekong River Comission (MRC) und des Verbandes Südostasiatischer Nationen (ASEAN) empfangen wurden, trägt den passenden Namen: Eaux-Vives (Wildwasser). Die 14 Mitglieder der zwei Delegationen aus Südostasien tauschen sich auf Einladung der DEZA zum Thema Wasser aus. Sie sind in der Schweiz, um sich vom hiesigen Know-how in den Bereichen grenzüberschreitendes Wassermanagement, Katastrophenvorsorge und integrierte Bewirtschaftung dieser wertvollen Ressource inspirieren zu lassen. Der Besuch führt die Delegationen von Genf über Martigny nach Bern.

Phonepaseuth Phouliphanh vor einem Staudamm.
Zwischen zwei Präsentationen zieht Phonepaseuth Phouliphanh Bilanz über diesen Erfahrungsaustausch zwischen der Schweiz und der Mekong-Region. © EDA

Am 7. September 2022 besichtigen die Delegationen einen Damm über die Dranse. Zwischen den informativen Präsentationen der Gemeindebehörden erzählt Phonepaseuth Phouliphanh, Generalsekretär des laotischen Mekong-Ausschusses, von seinen Eindrücken.

Welches sind Ihrer Meinung nach die grössten Herausforderungen Ihres Landes beim Wassermanagement?

Die Wasserressourcen bergen für Laos sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Wir verfügen über reichliche Ressourcen, vor allem dank dem Mekong. So können wir das Wasser auch nutzen, um Strom zu produzieren und unsere Felder zu bewässern. Die grösste Herausforderung sind jedoch die Auswirkungen dieser Infrastrukturen auf die Umwelt.

Der Wasserreichtum macht die Region besonders anfällig für Hochwasser und Überschwemmungen, die vor allem wegen des Klimawandels immer häufiger auftreten. In Laos und auch in den angrenzenden Regionen sind Bevölkerung und Umwelt stark davon betroffen. Wir müssen dringend unsere Fähigkeit verbessern, solche Ereignisse zu überwachen und vorherzusagen.

Haben Sie bei Ihrem Besuch Ähnlichkeiten zwischen Laos und der Schweiz festgestellt, was das Wassermanagement anbelangt?

Ich denke, wir sind uns in vielerlei Hinsicht ähnlich. Die augenfälligste Ähnlichkeit ist sicher, dass wir beides Binnenstaaten sind und daher im Wasserbereich zwangsläufig Anstrengungen zur Koordination und zum Dialog mit den Nachbarländern unternehmen müssen.

Die Schweiz ist mit ihren über 200 grossen Staudämmen und ihrer beeindruckenden Wasserkraftproduktion ein Vorbild für uns. Wir sind uns bewusst, dass der Mekong eine wertvolle Ressource ist. Deshalb möchten wir beim Ausbau dieses Sektors umsichtig vorgehen. Die Schweiz ist aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung ein Vorbild für gute Regierungsführung und nachhaltiges Management von Staudämmen. 

Wie die Schweiz baut Laos seine Wasserkraft aus. Wir werden manchmal als kleine Batterie Asiens bezeichnet.
Phonepaseuth Phouliphanh, Generalsekretär des laotischen Mekong-Ausschusses
Ein Fachmann unterstreicht seine Erklärungen für die Delegationen aus Asien beim Staudamm mit den Händen.
Die Mekong-Region steht vor ähnlichen Herausforderungen wie die Schweiz. Lösungen, die sich in der Schweiz bewährt haben, könnten auf den Kontext Südostasiens angepasst werden. © EDA

Das Gespräch wird kurz unterbrochen. Nach den theoretischen Präsentationen ist es Zeit für praktischen Anschauungsunterricht. Die lokalen Behörden stellen den vor Kurzem fertiggestellten Damm mit Durchlassöffnung an der Dranse vor. Dem Ingenieur Michel Roduit, der heute als Verantwortlicher für die Notfallmassnahmen bei Naturkatastrophen in der Region spricht, ist das verheerende Hochwasser von 2006 noch sehr präsent.

Zwischen zwei technischen Erklärungen des Ingenieurs sagt Phonepaseuth Phouliphanh: «Genau diese Art von Erfahrungen und Know-how sind für uns eine wichtige Inspirationsquelle. Wir wollen besser verstehen, wie die Schweiz mit solchen Herausforderungen umgeht und wie sie sich auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene organisiert.»

Das Gespräch geht weiter. 

Welche Art von Know-how kann die Schweiz über die DEZA der MRC und Ihrer Region zur Verfügung stellen?

Die DEZA ist eine wichtige Partnerin bei der Entwicklung der Region. Als Kommission, die sich für die Förderung und Koordination der Wasserressourcen des Mekong einsetzt, schätzen wir die Unterstützung und die Zusammenarbeit mit der Schweiz sehr. Dieser Besuch ist ein perfektes Beispiel für unsere Kooperation. Wir sind mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert wie die Schweiz. Wir werden uns sicher davon inspirieren lassen, wie die Schweiz die Bewirtschaftung der Rhone durch internationale Abkommen geregelt hat. Hier in Martigny haben wir einen vertieften Einblick in die Katastrophenorganisation und die Massnahmen erhalten, die bei drohendem Hochwasser auf regionaler und nationaler Ebene ergriffen werden. Auch in diesem Bereich profitieren wir gerne von den Erfahrungen und dem Fachwissen der Schweiz.

Meiner Ansicht nach war der technische, praxisorientierte Teil dieses Besuchs ideal, um den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen der Mekong-Region und der Schweiz zu vertiefen.

Der zweitägige Feldbesuch neigt sich bereits dem Ende zu, als Watt Botkosal, Leiter der Verwaltungsabteilung der MRC, im Bus zurück nach Martigny seinen Schlusskommentar abgibt. Trotz des römischen Amphitheaters, das auf die beiden Delegationen wartet, bleibt der Ton ernst. Die Bilanz des von der DEZA organisierten Besuchs ist positiv.

«Meiner Meinung nach war der Austausch sehr konstruktiv. Wir werden diese praktischen Erfahrungen sicher nutzen und an unsere Realität anpassen können. Für uns ist das Wichtigste, dass wir die Zusammenarbeit auf lokaler und internationaler Ebene verbessern. Infolge des Kraftwerkbaus kann der Wasserspiegel des Mekong zum Beispiel stark schwanken: Was flussaufwärts passiert, hat auch Auswirkungen weiter unten am Fluss. Es braucht daher eine wirksame Koordination, um sowohl die Bevölkerung als auch die Umwelt zu schützen.

Das gemeinsame grenzüberschreitende Wassermanagement Genfs und Frankreichs haben wir daher mit besonderer Aufmerksamkeit zur Kenntnis genommen. So etwas wollen wir ebenfalls erreichen: Gespräche auf lokaler Ebene, um Probleme und technische Herausforderungen zu identifizieren, die dann auf einer höheren Ebene durch Gesetze oder politische Entscheide gelöst werden können.»